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19/159a 14 EUR Min­dest­lohn in der Pfle­ge?

An­knüp­fend an das Pfle­ge­löh­ne­ver­bes­se­rungs­ge­setz bringt Spahn ei­nen Min­dest­lohn von 14 EUR ins Ge­spräch - und zieht da­mit Kri­tik auf sich
Altenpfleger, Pflegeberuf, Mann in Frauenberuf

05.07.2019. (dpa/fle) - Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn will für Pfle­ge­fach­kräf­te ei­nen Mo­nats­lohn von min­des­tens 2.500 EUR er­rei­chen und da­mit be­son­ders Be­schäf­tig­te in Ost­deutsch­land bes­ser­stel­len.

Dem ARD-Haupt­stadt­stu­dio sag­te der CDU-Po­li­ti­ker zur Hö­he ei­nes Min­dest­lohns in der Pfle­ge: "Gu­te 14 EUR - und das ist im­mer noch wirk­lich ein Min­dest­lohn."

Spahn wies dar­auf hin, dass dies für vie­le Be­schäf­tig­te ei­ne er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Ver­bes­se­rung wä­re: "Ge­ra­de in der Al­ten­pfle­ge ver­die­nen Zig­tau­sen­de zum Teil deut­lich we­ni­ger als die­se 2.500 EUR."

Laut Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um ver­dien­ten Fach­kräf­te in der Al­ten­pfle­ge 2017 in West­deutsch­land im Schnitt 2.855 EUR brut­to und in Ost­deutsch­land 2.356 EUR. Für Pfle­ge­hilfs­kräf­te be­trug das Durch­schnitts­ein­kom­men im Wes­ten 2026 und im Os­ten 1.759 EUR.

Der Min­dest­lohn für Hilfs­kräf­te in der Al­ten­pfle­ge liegt der­zeit bei 11,05 EUR pro St­un­de im Wes­ten und in Ber­lin, im Os­ten sind es 10,55 EUR. Der all­ge­mei­ne ge­setz­li­che Min­dest­lohn be­trägt der­zeit 9,19 EUR in der St­un­de.

Das Bun­des­ka­bi­nett hat­te im Ju­ni ein Ge­setz für hö­he­re Löh­ne in der Al­ten- und Kran­ken­pfle­ge auf den Weg ge­bracht (Ar­beits­recht ak­tu­ell: 19/151 Pfle­ge­löh­ne­ver­bes­se­rungs­ge­setz auf den Weg ge­bracht). Ziel ist es, dass mög­lichst in der ge­sam­ten Pfle­ge­bran­che künf­tig Ta­rif­löh­ne ge­zahlt wer­den. Ge­lingt dies nicht, sol­len die gel­ten­den Min­dest­löh­ne in der Pfle­ge an­ge­ho­ben und in Ost und West ver­ein­heit­licht wer­den. Das Ge­setz soll im Herbst vom Bun­des­tag ver­ab­schie­det wer­den.

Im Be­reich Al­ten- und Kran­ken­pfle­ge ar­bei­ten rund 1,6 Mil­lio­nen Men­schen. Es sind aber fast 40.000 Stel­len un­be­setzt - doch die Zahl Pfle­ge­be­dürf­ti­ger wächst. Nach ei­ner noch un­ver­öf­fent­lich­ten Kran­ken­haus­stu­die der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Ro­land Ber­ger, aus der die "Wirt­schafts­Wo­che" zi­tiert, su­chen al­lein die rund 19.00 Kran­ken­häu­ser et­wa 30.000 Pfle­ge­rin­nen und Pfle­ger. Gut je­des zehn­te Kran­ken­haus (11 Pro­zent) be­fürch­te, dass es Bet­ten in In­ten­siv­sta­tio­nen sper­ren müs­se, oder dass die Sta­tio­nen ganz in­fra­ge stün­den.

Die bis­lang ver­gleichs­wei­se schlech­te Be­zah­lung ist ei­ner der Grün­de da­für, dass der Pfle­ge­be­ruf un­at­trak­tiv ist. Of­fen ist noch, wie die stei­gen­den Kos­ten in der Pfle­ge - auch durch hö­he­re Löh­ne - fi­nan­ziert wer­den sol­len.

Ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums sag­te am Frei­tag, noch sei nicht klar, wie hoch die Kos­ten aus­fal­len wür­den. Wenn dies be­kannt sei, "wer­den wir ein trag­fä­hi­ges Fi­nan­zie­rungs­kon­zept da­zu vor­le­gen". Ver­ein­bart sei, dass Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ih­re An­ge­hö­ri­gen nicht über­las­tet wer­den sol­len.

Der Vor­sit­zen­de des Ar­beit­ge­ber­ver­bands bpa, Rai­ner Brü­der­le, warf dem Ge­sund­heits­mi­nis­ter vor, er wer­fe "ei­ne völ­lig will­kür­lich ge­grif­fe­ne Zahl in den Raum". Man fra­ge sich zu­dem, war­um ei­ne Kom­mis­si­on von Fach­leu­ten ein­be­ru­fen wer­den soll, um ei­nen Pfle­ge­min­dest­lohn fest­zu­le­gen, wenn Spahn schon jetzt po­li­ti­sche Vor­ga­ben ma­che. "Statt po­pu­lis­tisch über Zah­len zu fa­bu­lie­ren, soll­te der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter sei­ner ur­ei­gens­ten Auf­ga­be nach­kom­men und end­lich Vor­schlä­ge vor­le­gen, wie hö­he­re Löh­ne fi­nan­ziert wer­den."

Auch die Deut­sche Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz mahn­te ei­ne Fi­nan­zie­rungs­kon­zept an. Ge­häl­ter un­ter 16 EUR pro St­un­de dür­fe es in der Al­ten­pfle­ge nicht ge­ben, sag­te ihr Vor­stand Eu­gen Brysch der dpa. "Der Ge­sund­heits­mi­nis­ter muss jetzt er­klä­ren, dass die be­rech­tig­ten Lohn­stei­ge­run­gen nicht von den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ge­zahlt wer­den kön­nen. Denn die Be­trof­fe­nen sind am Li­mit. Es ist un­ver­ant­wort­lich, dass Jens Spahn hier­zu schweigt." Der Ver­band Deut­scher Al­ten- und Be­hin­der­ten­hil­fe ver­miss­te eben­falls "ver­bind­li­che Ant­wor­ten" Spahns auf die Fi­nan­zie­rungs­fra­ge.

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Letzte Überarbeitung: 2. Oktober 2019

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