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Ab­bre­cher­quo­ten in MINT-Be­ru­fen be­feu­ern Fach­kräf­te­man­gel

Seit Jah­ren klagt die In­dus­trie über zu we­nig Nach­wuchs für Be­rei­che wie Ma­the, In­for­ma­tik, Tech­nik, Che­mie oder Phy­sik: Mehr Men­schen in ent­spre­chen­de Leh­ren und Stu­di­en­gän­ge zu brin­gen, ist schon schwie­rig ge­nug. Doch ein Groß­teil schmeißt nach dem Start wie­der hin
Bildschirmarbeit Wie kann man den Nach­wuchs in MINT-Be­ru­fen stei­gern?

02.09.2013. (dpa) - In Nie­der­sach­sen schmei­ßen jun­ge Men­schen aus­ge­rech­net in den so­ge­nann­ten MINT-Be­ru­fen rei­hen­wei­se ih­re Leh­re oder das Stu­di­um.

Da­bei sucht ge­ra­de die In­dus­trie im MINT-Be­reich - die­se Ab­kür­zung steht für Ma­the, In­for­ma­tik, Na­tur­wis­sen­schaft und Tech­nik - hän­de­rin­gend neu­en Nach­wuchs.

Doch zwi­schen Harz und Küs­te bricht et­wa in den In­ge­nieurs­stu­di­en­gän­gen gut je­der Vier­te (zwi­schen 25 und 30 Pro­zent) sein Stu­di­um ab, in der be­trieb­li­chen Aus­bil­dung ist es je­der Fünf­te (20 Pro­zent).

Das teil­te die Re­gio­nal­di­rek­ti­on der Bun­des­agen­tur für Ar­beit der Nach­rich­ten­agen­tur dpa zum En­de der Ide­en­Ex­po am Sonn­tag in Han­no­ver mit.

Die am 24. Au­gust ge­star­te­te Mit­mach-Mes­se soll jun­ge Men­schen für na­tur­wis­sen­schaft­li­che und tech­ni­sche Be­ru­fe be­geis­tern.

Dass Un­ter­neh­men über den Fach­kräf­te­man­gel kla­gen, ist be­kannt. Die jüngs­ten Zah­len aus Nie­der­sach­sen ver­deut­li­chen das Pro­blem: Bei den In­ge­nieu­ren kommt auf ei­ne ge­mel­de­te of­fe­ne Stel­le rech­ne­risch ge­ra­de ein­mal ein ar­beits­lo­ser Be­wer­ber - und die Ar­beits­agen­tur hat in der Re­gel noch nicht ein­mal Kennt­nis über al­le Stel­len­an­ge­bo­te.

Wäh­rend bei den In­ge­nieu­ren das Ver­hält­nis aus Ar­beits­lo­sen und Stel­len­an­ge­bo­ten 1:1 be­trägt, kom­men über al­le Be­rufs­zwei­ge hin­weg rech­ne­risch sechs Be­wer­ber auf ei­ne of­fe­ne Stel­le. Noch schlim­mer ist es laut der Be­hör­den­sta­tis­tik bei den so­ge­nann­ten be­trieb­lich aus­ge­bil­de­ten Tech­nik-Fach­kräf­ten. So kom­me in der Be­triebs­tech­nik auf ei­ne ge­mel­de­te Stel­le rech­ne­risch noch nicht ein­mal ein Be­wer­ber - es sind näm­lich nur 0,7. Bei Tech­ni­schen Zeich­nern sei es so­gar nur 0,4 und bei Fach­kräf­ten für IT- und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on so­gar nur 0,3.

Bei den Azu­bis sieht es laut Agen­tur­sta­tis­tik nicht bes­ser aus. In der Au­to­ma­ti­sie­rungs­tech­nik kom­me auf ei­ne Stel­le zwar im­mer­hin ein Be­wer­ber, ge­nau­so bei den Me­cha­tro­ni­kern. Doch bei Elek­tri­kern lie­ge das Ver­hält­nis nur bei 0,7 und bei den Bau-Elek­tri­kern bei 0,6.

"Ob Hoch­schul­stu­di­um oder be­trieb­li­che Aus­bil­dung – in bei­den Be­rei­chen ist es schwie­rig, ge­eig­ne­te Be­wer­ber und Ab­sol­ven­ten zu fin­den", fasst Ar­beits­agen­tur-Spre­cher Mi­cha­el Kös­ter zu­sam­men. Das hän­ge auch mit dem tra­di­tio­nel­len Stu­di­en- und Be­rufs­wahl­ver­hal­ten von Mäd­chen und Jun­gen zu­sam­men. So be­vor­zug­ten die Jun­gen Be­ru­fe wie Kfz-Me­cha­tro­ni­ker und In­dus­trie­me­cha­ni­ker.

Auch Tisch­ler, Fach­kräf­te für La­ger­lo­gis­tik und Me­tall­bau­er sei­en un­ter den Top-Ten. Doch bei den Mäd­chen tau­che in der Hit­lis­te der Aus­bil­dungs­be­ru­fe kein tech­ni­scher Be­ruf auf - und als ein­zi­ges Hand­werk nur Fri­seu­rin.

Für die Au­to­in­dus­trie oder den Ma­schi­nen­bau sind MINT-Be­ru­fe je­doch ein Schlüs­sel zur Wett­be­werbs­fä­hig­keit. Bei der Pro­blem­be­he­bung ver­weist Spre­cher Kös­ter auf jüngs­te Er­fol­ge bei den Stu­di­en­an­fän­gern im MINT-Be­reich, de­ren An­teil re­la­tiv stark an­ge­zo­gen ha­be. Das deu­te dar­auf hin, "dass die Be­rufs­be­ra­tung der Agen­tu­ren für Ar­beit, un­ser ge­mein­sa­mes En­ga­ge­ment in der Qua­li­fi­zie­rungs­of­fen­si­ve Nie­der­sach­sen aber auch Ver­an­stal­tun­gen wie die Ide­en­Ex­po all­mäh­lich Früch­te tra­gen".

Doch die ho­hen Ab­bre­cher­quo­ten ma­chen ei­nen zen­tra­len Teil die­ser Ar­beit wie­der zu­nich­te. Laut Hoch­schul-In­for­ma­ti­ons-Sys­tem (HIS) sind Ab­bre­cher­quo­ten von rund ei­nem Vier­tel je­doch kei­ne Sel­ten­heit. Nur Stu­die­ren­de der Fä­cher mit Staats­ex­ami­na - et­wa Leh­rer - lie­gen klar dar­un­ter.

Das HIS be­tont in ei­ner Ana­ly­se zum The­ma, dass nicht we­ni­ge Stu­di­en­an­fän­ger in ma­the­ma­tisch-na­tur­wis­sen­schaft­li­chen so­wie den in­ge­nieurs­wis­sen­schaft­li­chen Fä­chern re­gel­mä­ßig "vor al­lem an den ho­hen Leis­tungs­an­for­de­run­gen zu schei­tern" droh­ten. Zu­dem sei­en MINT-Stel­len we­ni­ger teil­zeit­freund­lich, was Frau­en ab­schre­cke.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 21. Mai 2015

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