HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/131

Ab­lö­se­zahlu­gen zur Über­nah­me von Azu­bis?

Ein Azu­bi kos­tet viel Geld und wird nach der Aus­bil­dung oft di­rekt ab­ge­wor­ben: Das Hand­werk denkt über Ab­lö­se­sum­men nach
Tischer Handwerk, Schreiner Werkzeug

03.06.2019. (dpa/fle) - Be­trie­be könn­ten nach Über­le­gun­gen aus dem Hand­werk künf­tig Ab­lö­se­sum­men zah­len, wenn sie Azu­bis gleich nach der Leh­re von der Kon­kur­renz ab­wer­ben.

Zwei von drei Fach­kräf­ten, die im Hand­werk qua­li­fi­ziert wür­den, ar­bei­te­ten im Lau­fe ih­res Be­rufs­le­bens in an­de­ren Wirt­schafts­be­rei­chen, sag­te Hand­werks­prä­si­dent Hans Pe­ter Woll­sei­fer der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

"Un­se­re gut aus­ge­bil­de­ten jun­gen Leu­te wer­den ab­ge­wor­ben." Er den­ke des­halb über ei­ne Ent­schä­di­gung für Aus­bil­dungs­geb­trie­be nach, die Azu­bis di­rekt nach der Leh­re ver­lie­ren.

Kon­kret könn­te man re­geln, dass Aus­zu­bil­den­de in den ers­ten Jah­ren nach ih­rer Leh­re nur dann den Be­trieb wech­seln dür­fen, wenn der neue Ar­beit­ge­ber ei­nen Teil der Aus­bil­dungs­kos­ten über­nimmt, so der Prä­si­dent des Zen­tral­ver­bands des Deut­schen Hand­werks (ZDH). Denn die Be­trie­be ste­cken wäh­rend der drei­jäh­ri­gen Leh­re viel Geld in ih­re Azu­bis - oft mit dem Hin­ter­ge­dan­ken, die jun­gen Leu­te spä­ter zu über­neh­men und dann oh­ne lan­ge Ein­ar­bei­tung di­rekt ein­set­zen zu kön­nen.

Was ein Aus­zu­bil­den­der sei­nen Ar­beit­ge­ber kos­tet, ist je nach Bran­che un­ter­schied­lich. Ins­ge­samt zah­le der Be­trieb aber im­mer drauf, sag­te Woll­sei­fer. "Die Aus­bil­dung kos­tet im ers­ten und zwei­ten Jahr Geld - im ers­ten Jahr viel, im zwei­ten Jahr et­was we­ni­ger. Im drit­ten Lehr­jahr kommt dann auch ein biss­chen was rein."

Nach der ak­tu­ells­ten Kos­ten-Nut­zen-Rech­nung des Bun­des­in­sti­tuts für Be­rufs­bil­dung (bibb) hat ein Be­trieb pro Azu­bi jähr­li­che Kos­ten von et­wa 18.000 EUR - zu­gleich aber er­wirt­schaf­tet der Lehr­ling rund 12.500 EUR. Der Be­trieb lässt sich ei­nen pass­ge­nau aus­ge­bil­de­ten Mit­ar­bei­ter bei drei­jäh­ri­ger Aus­bil­dung al­so mehr als 15.000 Eu­ro kos­ten.

Ei­ni­ge Bran­chen müs­sen der­zeit zu­dem da­mit rech­nen, dass die Aus­bil­dung noch teu­rer wird. Bil­dungs­mi­nis­te­rin An­ja Kar­lic­zek (CDU) plant ei­nen Azu­bi-Min­dest­lohn: Al­le Aus­zu­bil­den­den sol­len vom kom­men­den Jahr an im ers­ten Lehr­jahr min­des­tens 515 EUR im Mo­nat ver­die­nen. Im zwei­ten und drit­ten Lehr­jahr soll es noch mehr ge­ben. Das Hand­werk sei von die­sen Re­ge­lun­gen be­son­ders be­trof­fen, sag­te Woll­sei­fer - "weil wir der stärks­te Aus­bil­der sind". 28 Pro­zent al­ler Lehr­lin­ge in Deutsch­land lern­ten in Hand­werks­be­trie­ben.

Die meis­ten von ih­nen ver­die­nen schon jetzt mehr als den ge­plan­ten Min­dest­lohn - aber längst nicht al­le. Nach Zah­len der Bun­des­agen­tur für Ar­beit be­ka­men En­de 2017 fast 65.000 Azu­bis we­ni­ger als 400 EUR im Mo­nat, wei­te­re 50.000 un­ter 500 EUR - zu­sam­men mehr als sie­ben Pro­zent al­ler Aus­zu­bil­den­den. Vor al­lem ost­deut­sche Be­trie­be müss­ten mit dem neu­en Min­dest­lohn deut­lich mehr in die Aus­bil­dung in­ves­tie­ren - zum Bei­spiel Metz­ge­rei­en, wo Azu­bis nach bibb-Da­ten der­zeit nur 310 EUR ver­die­nen. Auch Raum­aus­stat­ter- und Fri­seur-Lehr­lin­ge im Os­ten so­wie an­ge­hen­de Schorn­stein­fe­ger in ganz Deutsch­land wer­den vom ge­plan­ten Min­dest­lohn pro­fi­tie­ren.

Den Be­trie­ben wer­de das Pro­ble­me be­rei­ten, sag­te Woll­sei­fer. Sie könn­ten die Mehr­kos­ten auch nicht ein­fach um­le­gen, da die Kun­den nicht be­reit sei­en, mehr zu zah­len. "Hö­he­re Löh­ne und Ver­gü­tun­gen für Be­schäf­tig­te for­dern, ist das ei­ne, aber das an­de­re ist es, dann für die Hand­werks­leis­tung auch ei­nen ent­spre­chend wert­schät­zen­den Preis zu zah­len", sag­te er.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 19. August 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de