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Ab­schied vom Chef-Schreib­tisch - Bü­ros wer­den ent­rüm­pelt

Schrank­wän­de und Rie­sen-Schreib­ti­sche wan­dern auf den Sperr­müll: Neue Sitz­grup­pen und Kaf­feethe­ken sol­len auch am Ar­beits­platz für Wohl­fühl-At­mo­sphä­re sor­gen. Die deut­sche Bü­ro­mö­bel­bran­che freut sich der­zeit über gu­te Ge­schäf­te. Doch der Trend hat auch Schat­ten­sei­ten
Frau zu Hause im Bett vor dem Fernsehen Wel­che Ef­fek­te hat die "Wohl­fühl-At­mo­sphä­re"?

20.06.2016. (dpa) - Al­les neu im Bü­ro: Im Ren­nen um qua­li­fi­zier­te Be­schäf­tig­te set­zen vie­le Fir­men zu­neh­mend auf gut ein­ge­rich­te­te Ar­beits­plät­ze.

Wäh­rend vor zwei bis drei Jah­ren noch fast aus­schließ­lich Groß­un­ter­neh­men ih­re Räu­me neu ein­ge­rich­tet hät­ten, sei die­ser Trend nun auch bei Mit­tel­ständ­lern an­ge­kom­men, be­rich­tet der Chef des Han­dels­ver­bands Bü­ro­wirt­schaft, Tho­mas Groth­kopp.

Mit ei­nem Um­satz­plus um zwölf Pro­zent auf 2,5 Mil­li­ar­den Eu­ro wa­ren die Bü­ro­mö­bel im ver­gan­ge­nen Jahr der wachs­tums­stärks­te Be­reich in der deut­schen Mö­bel­bran­che.

Hin­ter­grund der deut­lich an­ge­stie­ge­nen Nach­fra­ge ist nach An­sicht von Ex­per­ten die der­zeit gut lau­fen­de Kon­junk­tur, die vie­le Un­ter­neh­men für ei­ne gründ­li­che Ent­rüm­pe­lung ih­rer Bü­ros nutz­ten. Ge­rät die Wirt­schaft ins Sto­cken, müs­sen auch die Mit­ar­bei­ter in der Re­gel wie­der deut­lich län­ger im Mief von in die Jah­re ge­kom­me­nen Mö­beln aus­har­ren.

"Die Aus­stat­tung in vie­len Bü­ros stammt oft noch aus den 60er und 70er Jah­ren", sagt Mi­cha­el Kast­ner, Lei­ter des Wit­te­ner In­sti­tuts für Ar­beits­psy­cho­lo­gie und Ar­beits­me­di­zin. Die Neu­ge­stal­tung der Bü­ros fol­ge da­bei je­doch in der Re­gel ei­nem stren­gen wirt­schaft­li­chen Kal­kül. "Rei­ne Gut­her­zig­keit" sei da eher nicht im Spiel. "Wenn die Leu­te sich am Ar­beits­platz wohl füh­len, ist das oft bil­li­ger als an­de­re Kon­zep­te", sagt Kast­ner.

Ziel sei es da­bei, al­les in den Be­rufs­all­tag zu in­te­grie­ren, was das Le­ben an­ge­neh­mer ma­che. Das könn­ten et­wa So­fa­ecken oder auch Fuß­ball-Ki­cker für die Mit­tags­pau­se sein. "Es gibt sehr viel Nach­hol­be­darf", meint der Ex­per­te. Doch die­se Er­kennt­nis set­ze sich erst lang­sam durch.

Auf dem Sperr­müll lan­den der­zeit nach Be­ob­ach­tun­gen von Groth­kopp vor al­lem rie­si­ge Schrank­wän­de für Ak­ten­ord­ner und über­di­men­sio­nier­te Schreib­ti­sche. Statt der Mö­bel-Schwer­ge­wich­te ver­gan­ge­ner Jah­re kä­men ver­stärkt klei­ne­re Ex­em­pla­re zum Ein­satz, be­rich­tet er.

Ein er­wünsch­ter Ne­ben­ef­fekt für den Ar­beit­ge­ber sei der ge­rin­ge­re Platz­be­darf, der häu­fig je­doch auch für Ein­spa­run­gen bei den teu­ren Bü­ro­flä­chen ge­nutzt wer­de, er­klärt Kast­ner. In man­chen Bü­ros sä­ßen die Mit­ar­bei­ter be­reits wie "Hüh­ner auf der Stan­ge", was wie­der zu­sätz­li­chen Stress er­zeu­ge.

Auf der Su­che nach Rück­zugs­mög­lich­kei­ten kön­ne da viel­leicht ei­ne neue Sitz­grup­pe mit ex­traho­hen Rü­cken­leh­nen für die Pri­vat­sphä­re oder die ei­gens ein­ge­rich­te­te Ge­trän­ke­bar hel­fen. "Vie­les wird wohn­li­cher. Es gibt Be­rei­che, die aus­se­hen wie ein Ca­fé oder Wohn­zim­mer", be­schreibt Bar­ba­ra Schwaibold vom Ver­band Bü­ro-, Sitz- und Ob­jekt­mö­bel den Trend. Wich­tig sei­en auch ar­beits­me­di­zi­ni­sche Ge­sichts­punk­te wie hö­hen­ver­stell­ba­re Ti­sche oder er­go­no­mi­sche Stüh­le.

Da­bei müs­se nie­mand mehr nei­disch auf das ver­meint­lich bes­ser aus­ge­stat­te­te Bü­ro der Kol­le­gen schau­en. "Ins­ge­samt wer­den die Bü­ros de­mo­kra­ti­scher", hat Schwaibold fest­ge­stellt. Auch wenn der Ab­schied vom Chef-Schreib­tisch man­chem Vor­ge­setz­ten schwer fal­len dürf­te: "Die meis­ten Mit­ar­bei­ter füh­len sich mit klei­ne­ren Schreib­ti­schen nicht wohl."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. Juni 2016

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