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Ak­ti­ons­rat emp­fiehlt nied­ri­ge­re Aus­bil­dungs­stan­dards für Flücht­lin­ge

Flücht­lin­ge er­hof­fen sich ei­ne bes­se­re Zu­kunft in Deutsch­land, aber für ei­nen Job fehlt es ih­nen oft an Deutsch­kennt­nis­sen und Bil­dungs­ab­schlüs­sen: In ei­nem neu­en Gut­ach­ten for­dern re­nom­mier­te Bil­dungs­for­scher ei­nen Mas­ter­plan
Was for­dern die Wis­sen­schaft­ler?

03.05.2016. (dpa) - Der Ak­ti­ons­rat Bil­dung emp­fiehlt nied­ri­ge­re Stan­dards in der Be­rufs­aus­bil­dung für Flücht­lin­ge.

In ih­rem neu­en Jah­res­gut­ach­ten plä­die­ren die Bil­dungs­for­scher um den Ham­bur­ger Uni­prä­si­den­ten Die­ter Len­zen für "theo­rie­ent­las­te­te zwei­jäh­ri­ge Aus­bil­dungs­be­ru­fe" und Teil­qua­li­fi­zie­run­gen, um jun­gen Flücht­lin­gen den Ein­stieg in den deut­schen Ar­beits­markt zu er­leich­tern.

Au­ßer­dem for­dern die Wis­sen­schaft­ler ei­ne Be­rufs­schul­pflicht vom 16. bis zum 21. Le­bens­jahr.

Das wä­re nach Ein­schät­zung der Bil­dungs­for­scher vor al­lem wich­tig, weil über die Hälf­te der 2015 nach Deutsch­land ge­kom­me­nen Flücht­lin­ge un­ter 25 Jah­re alt ist, ein Vier­tel so­gar un­ter 16. Flücht­lings­kin­der soll­ten nach Mei­nung der Wis­sen­schaft­ler mög­lichst früh am re­gu­lä­ren deutsch­spra­chi­gen Schul­un­ter­richt teil­neh­men.

Un­ab­hän­gig von der Flücht­lings­kri­se stellt der Ak­ti­ons­rat Bil­dung un­ter Ver­weis auf die zahl­rei­chen sta­tis­ti­schen Un­ter­su­chun­gen zu die­sem The­ma fest, dass Kin­der aus Ein­wan­de­rer­fa­mi­li­en ge­ne­rell schlech­ter in der Schu­le sind als deut­sche Kin­der. Schü­ler nicht­deut­scher Her­kunft hät­ten "in al­len Teil­be­rei­chen er­heb­li­che Rück­stän­de ge­gen­über Ju­gend­li­chen oh­ne Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund", heißt es in dem Gut­ach­ten.

Der An­teil der Mi­gran­ten oh­ne be­rufs­qua­li­fi­zie­ren­den Bil­dungs­ab­schluss liegt laut Ak­ti­ons­rat bei 38 Pro­zent, bei Deut­schen sind es ver­gleichs­wei­se nied­ri­ge 14 Pro­zent. An­de­rer­seits sind Ju­gend­li­che aus Ein­wan­de­rer­fa­mi­li­en häu­fig ehr­gei­zi­ger als ih­re ein­hei­mi­schen Al­ters­ge­nos­sen: "Jun­ge Mi­gran­ten ha­ben in al­ler Re­gel hö­he­re Bil­dungs- und Aus­bil­dungs­aspi­ra­tio­nen als deut­sche Ju­gend­li­che mit ver­gleich­ba­rem so­zia­len Hin­ter­grund", schrei­ben die Bil­dungs­for­scher - "ein sehr güns­ti­ges Bild für die mo­ti­va­tio­na­len Ten­den­zen".

Bund und Län­dern emp­fiehlt das Gut­ach­ten ei­nen deutsch­land­wei­ten "Mas­ter­plan Bil­dungs­mi­gra­ti­on". An­ge­sichts der ho­hen Zahl von Ein­wan­de­rern dul­de das "kei­nen Auf­schub", er­klär­te der Ak­ti­ons­rats-Vor­sit­zen­de Len­zen vor­ab. Im Jahr 2014 kam laut Gut­ach­ten deutsch­land­weit be­reits mehr als ein Drit­tel (35,3 Pro­zent) al­ler Kin­der im Grund­schul­al­ter aus Fa­mi­li­en mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund.

Ein sol­cher Mas­ter­plan soll­te laut Gut­ach­ten zum Ziel ha­ben, dass Ein­wan­de­rer in Sa­chen Bil­dung zur ein­hei­mi­schen Be­völ­ke­rung auf­schlie­ßen und ins­be­son­de­re die ho­he Zahl der Ju­gend­li­chen oh­ne Schul­ab­schluss ge­senkt wird. Der Ak­ti­ons­rat emp­fiehlt der Po­li­tik auch, sich ver­stärkt um die Hoch­schu­len zu küm­mern. Im Jahr 2025 hät­ten be­reits 40 Pro­zent al­ler Stu­di­en­an­fän­ger ei­nen aus­län­di­schen Pass, wird in dem Gut­ach­ten pro­phe­zeit.

Fi­nan­ziert wer­den der Ak­ti­ons­rat und das all­jähr­li­che Gut­ach­ten durch die Ver­ei­ni­gung der baye­ri­schen Wirt­schaft. "Die In­te­gra­ti­on von Mi­gran­ten und Flücht­lin­gen ge­lingt nur, wenn die­se ge­zielt den Weg in Aus­bil­dung oder Er­werbs­tä­tig­keit fin­den", er­klär­te vbw-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ber­tram Bros­sardt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 17. Oktober 2016

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