HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/119

Al­ko­hol am Ar­beits­platz?

Ein ge­wal­ti­ges Pro­blem, sa­gen Ex­per­ten. Bis zu 10 Pro­zent al­ler Be­schäf­tig­ten trin­ken zu viel - von der Aus­hil­fe bis zum Chef.
Alkoholsucht, Alkoholiker, Alkoholabhängigkeit

17.05.2019. (dpa/fle) - Der Kol­le­ge riecht nach Al­ko­hol, je­der weiß, dass er reich­lich trinkt.

Pro­blem: Der Elek­tri­ker han­tiert auch in nicht-nüch­ter­nem Zu­stand mit Stark­strom und wird im­mer mehr zum Ri­si­ko für al­le in dem sau­er­län­di­schen Un­ter­neh­men.

In Dort­mund ist ei­ne Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te ih­rer Auf­ga­be als Grup­pen­lei­te­rin nicht ge­wach­sen, sie greift zum Al­ko­hol, ar­bei­tet noch schlech­ter. Die Frau ist nicht mehr ent­schei­dungs­fä­hig, ihr Ver­hal­ten bie­tet reich­lich Ge­sprächs­stoff in ih­rem Ar­beits­um­feld, das Team funk­tio­niert nicht mehr.

Die­se Fäl­le schil­dert Adel­heid Kraft-Ma­ly­cha. "Ei­ne Fül­le von Ar­beits­en­er­gie wird da­durch lahm­ge­legt", sagt die Ar­beits­me­di­zi­ne­rin.

Die Deut­sche Haupt­stel­le für Sucht­fra­gen (DHS) geht da­von aus, dass bis zu 10 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten bun­des­weit - vom Azu­bi bis zum Chef - Al­ko­hol in pro­ble­ma­ti­schen Men­gen trin­ken. In der Ge­samt­be­völ­ke­rung sei­en es rund 15 Pro­zent mit ris­kan­tem Al­ko­hol­kon­sum. "Wir ha­ben es mit er­heb­li­chen Aus­ma­ßen zu tun. Es ist wich­tig zu han­deln - für Be­trie­be und für uns als Ge­sell­schaft", be­tont Pe­ter Rai­ser von der DHS, die die Ak­ti­ons­wo­che Al­ko­hol ins Le­ben ge­ru­fen hat, in die­sem Jahr ab dem 18. Mai mit dem Schwer­punkt "Kein Al­ko­hol am Ar­beits­platz".

Wer ist be­trof­fen? "Ge­fähr­det sind al­le glei­cher­ma­ßen, Mit­ar­bei­ter wie Vor­ge­setz­te", be­tont Kraft-Ma­ly­cha, Lei­ten­de Ärz­tin der Ar­beits­me­di­zi­ni­schen und Si­cher­heits­tech­ni­schen Diens­te in Dort­mund. Jobs mit ho­hem Stress­fak­tor oder leich­tem Zu­gang zu Rausch­mit­teln - Kli­ni­ken, Gas­tro­no­mie oder Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on - könn­ten Al­ko­hol­kon­sum wo­mög­lich be­för­dern. Gra­vie­ren­de Fol­gen al­ko­hol­be­ding­ter Feh­ler droh­ten vor al­lem bei sen­si­blen Tä­tig­kei­ten oder in Hoch­si­cher­heits­be­rei­chen.

Wie er­kennt man, dass Mit­ar­bei­ter pro­ble­ma­tisch trin­ken? Als Warn­si­gna­le nennt Kraft-Ma­ly­cha: "Je­mand re­agiert über­af­fek­tiv, oh­ne er­sicht­li­chen Grund stark auf­brau­send, be­lei­di­gend auch ge­gen­über Kun­den. Das äu­ße­re Er­schei­nungs­bild än­dert sich von un­ge­pflegt bis über­kan­di­delt." Sucht­ex­per­te Rai­ser stellt klar: "Al­ko­hol am Ar­beits­platz ist ein Si­cher­heits­ri­si­ko. Schon ge­rin­ge Men­gen füh­ren zu sin­ken­der Kon­zen­tra­ti­on, zu ab­neh­men­der Leis­tungs­fä­hig­keit und er­schwe­ren die Ko­or­di­na­ti­on." Die Un­fall­ge­fahr stei­ge, nicht nur beim Be­die­nen von Fahr­zeu­gen oder Ma­schi­nen. Die Qua­li­tät der Ar­beit lei­de.

Trinkt ein Kol­le­ge zu viel Al­ko­hol, ist er nicht der ein­zi­ge Ge­schä­dig­te. Denn: An­de­re Mit­ar­bei­ter müs­sen des­sen Aus­fäl­le häu­fig auf­fan­gen. Die Fehl­zei­ten bei Be­schäf­tig­ten mit Al­ko­hol­pro­ble­men lie­gen durch­weg deut­lich hö­her als bei den an­de­ren, weiß Rai­ser. Jähr­lich kom­me es zu so­zia­len Kos­ten in zwei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­hö­he vor al­lem durch al­ko­hol­ver­ur­sach­te Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le und Aus­ga­ben im Ge­sund­heits­we­sen.

Al­ko­hol in der Ar­beits­zeit wer­de zu häu­fig to­le­riert, kri­ti­siert Kraft-Ma­ly­cha. Bei­spiel Ge­schäfts­es­sen: "Es gibt ei­nen Ape­ri­tif, zwei drei Glä­ser Wein pas­send zum Gang, ei­nen Di­ges­tiv - da wer­den wo­mög­lich weit­rei­chen­de Ent­schei­dun­gen bei 1,0 Pro­mil­le ge­trof­fen." Oder Ge­burts­ta­ge und Fir­men­ju­bi­lä­en: "War­um wird mit Sekt an­ge­sto­ßen - und nicht mit Schor­le oder Kaf­fee? Al­ko­hol hat am Ar­beits­platz nichts zu su­chen. Schon ein Glas Sekt oder Bier ver­lang­samt die Funk­ti­on des Ge­hirns."

Rai­ser spricht von ei­nem Ta­bu­the­ma, aber auch ei­nem wach­sen­den Be­wusst­sein: "Im­mer mehr Un­ter­neh­men ha­ben die Ri­si­ken er­kannt, ge­hen Prä­ven­ti­on an oder ma­chen Hil­fe­an­ge­bo­te." Vor al­lem bei mitt­le­ren und klei­nen Be­trie­ben sei noch viel zu tun. Fal­le im Be­trieb auf, dass je­mand heim­lich trinkt und al­ko­ho­li­siert ar­bei­tet, sol­le man das an­spre­chen, ap­pel­liert der stell­ver­tre­ten­de DHS-Ge­schäfts­füh­rer. "Je frü­her, des­to bes­ser. Das sa­gen auch ehe­ma­li­ge Al­ko­hol­ab­hän­gi­ge." Oft zie­hen sich "Trin­ker-Kar­rie­ren" im Job über Jah­re hin­weg, bis in­ter­ve­niert wird. Je hö­her die Hier­ar­chie-Ebe­ne des Trin­ken­den, des­to eher wer­de um den hei­ßen Brei ge­re­det, sagt die Dort­mun­der Ärz­tin und Gut­ach­te­rin.

An der Ak­ti­ons­wo­che mit deutsch­land­weit gut 1.300 Ver­an­stal­tun­gen be­tei­li­gen sich Un­ter­neh­men, Ver­bän­de, Ärz­te, Apo­the­ken oder Selbst­hil­fe­grup­pen. Gu­ter An­lass aus DHS-Sicht auch, um Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen für ei­nen Ar­beits­platz oh­ne Al­ko­hol zu schlie­ßen. Für strik­te 0,0 Pro­mil­le plä­diert Kraft-Ma­ly­cha: "Das ist ge­bo­ten, wenn man qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ar­beit ma­chen will."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 19. Mai 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de