HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/254

Kei­ne Angst vor Ar­beits­lo­sig­keit: Psy­cho­lo­gen sind vie­ler­orts ge­sucht

Es muss nicht im­mer die Couch sein: Auch in der Wirt­schaft sind Psy­cho­lo­gen mit ih­ren Kennt­nis­sen ge­fragt. Au­ßer­dem gibt es vie­le span­nen­de Ni­schen, die sie be­set­zen kön­nen
Anwältin mit Mandant Wel­che Tä­tig­keits­fel­der ha­ben Psy­cho­lo­gen?

14.09.2015. (dpa) - Jen­ni­fer Bo­mert muss­te nicht lan­ge über­le­gen, was sie stu­die­ren will.

"Ich hat­te schon in der Schu­le ei­nen Leis­tungs­kurs Psy­cho­lo­gie, in dem ich die ers­ten Grund­la­gen ge­lernt ha­be", sagt die 28-Jäh­ri­ge.

Die woll­te sie ver­tie­fen.

So ent­schied sie sich für ein Psy­cho­lo­gie-Stu­di­um.

Zwar mach­te sie zu­erst ein frei­wil­li­ges so­zia­les Jahr (FJS).

Doch im Nach­rück­ver­fah­ren hät­te sie auch im ers­ten An­lauf schon ei­nen Platz be­kom­men.

Da­bei sind die Hür­den hoch.

Der Nu­me­rus Clau­sus für Psy­cho­lo­gie liegt bei vie­len Hoch­schu­len bei 1,3 und hö­her.

Bo­mert mach­te zu­nächst in Wup­per­tal ei­nen Ba­che­lor, dann schloss sie ei­nen Mas­ter in Bonn an. Dort spe­zia­li­sier­te sie sich auf Ar­beits-, Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Wirt­schafts­psy­cho­lo­gie. Die­sen Schwer­punkt hat­te sie be­reits wäh­rend des Grund­stu­di­ums ge­setzt. "Das war im­mer die Rich­tung, in die ich ge­hen woll­te."

Ei­ne Rich­tung, die im­mer ge­frag­ter wird, sagt Sör­ge Dros­ten, Part­ner bei der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Kien­baum. "Al­le, die mit dem Schwer­punkt Ar­beits-, Be­triebs- und Or­ga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­lo­gie stu­diert ha­ben, sind auf die Schnitt­stel­le zwi­schen Wirt­schaft und Psy­cho­lo­gie vor­be­rei­tet", sagt er. Ab­sol­ven­ten küm­mern sich et­wa in Un­ter­neh­men um die Per­so­nal­ent­wick­lung und füh­ren et­wa As­sess­ment Cen­ter durch.

Der Ar­beits­markt hat sich für Psy­cho­lo­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren grund­sätz­lich po­si­tiv ent­wi­ckelt. Die Ar­beits­lo­sig­keit lie­ge auf ei­nem nied­ri­gen Ni­veau, sagt Su­san­ne Lind­ner von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit in Nürn­berg. "2013 gab es rund 111 000 Er­werbs­tä­ti­ge, die ein Psy­cho­lo­gie­stu­di­um er­folg­reich ab­sol­viert ha­ben." Das wa­ren dop­pelt so vie­le wie knapp zehn Jah­re zu­vor. "Fast die Hälf­te bot ih­re Dienst­leis­tun­gen auf selbst­stän­di­ger Ba­sis an." Psy­cho­lo­gen sind da­bei vor al­lem im Ge­sund­heits- und So­zi­al­we­sen, aber auch im Bil­dungs­we­sen oder in der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung tä­tig.

Ne­ben dem Be­reich der Wirt­schafts­psy­cho­lo­gie ha­be die Neu­ro­psy­cho­lo­gie ei­nen gro­ßen Auf­schwung er­lebt, sagt Prof. Mi­cha­el Krä­mer. Er ist Prä­si­dent des Be­rufs­ver­ban­des Deut­scher Psy­cho­lo­gin­nen und Psy­cho­lo­gen (BDP) und lehrt an der Fach­hoch­schu­le Müns­ter. Die Neu­ro­psy­cho­lo­gie be­fasst sich mit den Funk­tio­nen des Ge­hirns - et­wa mit dem Denk­ver­mö­gen oder dem Ge­dächt­nis. "Es gibt ein gro­ßes In­ter­es­se an dem, was in un­se­rem Ge­hirn vor­geht." Wer al­ler­dings in ei­ne sol­che Ni­sche will, muss sich über die ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge Zahl von Ar­beits­plät­zen be­wusst sein.

Häu­fig ha­ben es je­ne auf dem Ar­beits­markt ein­fa­cher, die ei­nen all­ge­mei­nen Mas­ter in Psy­cho­lo­gie ha­ben. "Den Schwer­punkt kann man dann im Be­rufs­le­ben im­mer noch set­zen", sagt Prof. Krä­mer. In sehr spe­zi­el­len Be­rei­chen sind Stel­len im­mer noch rar. Um­welt-, Sport- und Me­di­en­psy­cho­lo­gen ar­bei­ten oft frei­be­ruf­lich in Pro­jek­ten. Die größ­te Grup­pe der The­ra­peu­ten wird sich in der Re­gel lang­sam zu ei­ner ei­ge­nen Pra­xis vor­ar­bei­ten. "Die meis­ten las­sen sich erst an­stel­len, re­du­zie­ren dann auf Teil­zeit und bau­en sich ih­re Selbst­stän­dig­keit auf", sagt er. Fast die Hälf­te der Ab­sol­ven­ten ar­bei­te mitt­ler­wei­le in der Wirt­schaft und in an­de­ren Ein­satz­be­rei­chen und ha­be mit Psy­cho­the­ra­pie kaum et­was zu tun.

Der Nach­wuchs je­den­falls ist ge­si­chert, sagt Lind­ner von der Ar­beits­agen­tur. Die Zahl der Psy­cho­lo­gie-Stu­den­ten wächst in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich. 2013/14 wa­ren rund 60 000 Stu­den­ten für Psy­cho­lo­gie ein­ge­schrie­ben. "Das sind elf Pro­zent mehr als im Vor­jahr und na­he­zu dop­pelt so vie­le wie vor zehn Jah­ren."

Ei­ni­ges hat sich au­ßer­dem ge­än­dert, seit das Di­plom dem Ba­che­lor- und Mas­ter­ab­schluss ge­wi­chen ist. "Es gibt ver­mehrt Kom­bi­na­ti­ons­stu­di­en­gän­ge, nicht mehr nur die rei­ne Psy­cho­lo­gie", sagt Prof. Krä­mer. Auch sei­en die Uni­ver­si­tä­ten schon lan­ge nicht mehr der ein­zi­ge An­bie­ter von Stu­di­en­gän­gen. "So­wohl die Fach­hoch­schu­len, die pri­va­ten Hoch­schu­len und die Fernu­nis ha­ben vie­le Stu­den­ten, die die­se Rich­tung stu­die­ren." Doch mit nur ei­nem Ab­schluss ist es in der Re­gel nicht ge­tan: "In der Psy­cho­lo­gie qua­li­fi­ziert ein Ba­che­lor-Ab­schluss nicht aus­rei­chend für das Be­rufs­feld", sagt Krä­mer. Die al­ler­meis­ten Stu­die­ren­den ma­chen di­rekt an­schlie­ßend ih­ren Mas­ter.

Jen­ni­fer Bo­mert ist nach ih­rem Mas­ter­ab­schluss ein hal­bes Jahr nach Neu­see­land ge­gan­gen. Da­nach hat sie in Deutsch­land Be­wer­bun­gen ge­schrie­ben und schnell ei­nen Job ge­fun­den. Sie ar­bei­tet nun als Per­so­nal­ent­wick­le­rin bei ei­ner Bau­markt­ket­te in Dort­mund. "Nach mei­nen Er­fah­run­gen wäh­rend des Stu­di­ums ha­be ich mich be­wusst ge­gen ei­nen gro­ßen Kon­zern ent­schie­den und bin zu ei­nem mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men ge­gan­gen", sagt sie. Hier ar­bei­tet sie in ei­nem klei­nen Team dar­an, die Mit­ar­bei­ter in den Märk­ten aus­zu­bil­den und zu schu­len.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de