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ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/083

Ar­beit in Deutsch­land wird spür­bar teu­rer

Die Kos­ten für Ar­beit in Deutsch­land sind in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren stär­ker ge­stie­gen als im EU-Schnitt: Was ha­ben die Mit­ar­bei­ter da­von? Und was be­deu­tet das für den Stand­ort Deutsch­land?
Europafahne Ist die Wett­be­werbs­fä­hig­keit in Ge­fahr?

27.03.2013. (dpa) - Wie viel Geld kön­nen und sol­len Un­ter­neh­men für Ar­beit aus­ge­ben? Seit je­her strei­ten dar­über Ar­beit­ge­ber und Mit­ar­bei­ter.

In Deutsch­land hink­ten bis 2010 vie­le Jah­re lang Lohn­ent­wick­lung und Ar­beits­kos­ten deut­lich hin­ter den meis­ten an­de­ren eu­ro­päi­schen Staa­ten hin­ter­her - das trug auch ei­nen wich­ti­gen Teil zur Wett­be­werbs­fä­hig­keit bei.

Doch Ar­beit wird in Deutsch­land spür­bar teu­rer. In den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren sind die Ar­beits­kos­ten in der Pri­vat­wirt­schaft kräf­ti­ger ge­stie­gen als im EU-Schnitt – erst­mals seit Be­ginn der sta­tis­ti­schen Zeit­rei­he im Jahr 2001.

Gut so, fin­den die ei­nen - und hof­fen, dass es noch ein Weil­chen so wei­ter­geht. Vor­sicht, war­nen an­de­re Ex­per­ten. Sie sor­gen sich um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Stand­orts Deutsch­land - und um Ar­beits­plät­ze.

Für vie­le Ar­beit­neh­mer ist das Plus bei den Ar­beits­kos­ten im ver­gan­ge­nen Jahr zu­nächst ei­ne gu­te Nach­richt: "Die ge­stie­ge­nen Ar­beits­kos­ten spie­geln die ge­stie­ge­nen Löh­ne und Ge­häl­ter wi­der", sagt der Lei­ter des WSI-Ta­rif­ar­chivs der ge­werk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung, Rein­hard Bispinck. "Es steht zu hof­fen, dass die­ser Trend sich fort­setzt und ver­stärkt."

Nach ei­ner län­ge­ren Flau­te war 2012 das drit­te Jahr in Fol­ge mit ei­nem Re­al­lohn­plus für die Ar­beit­neh­mer - nach Ab­zug der In­fla­ti­on blieb Be­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zu­fol­ge ein Plus von 0,5 Pro­zent pro Kopf. "Das ist nicht über­ra­gend viel, aber im­mer­hin ein Zu­wachs", sagt Bispinck.

Der Ar­beits­kos­ten­ex­per­te Chris­toph Schrö­der vom ar­beit­ge­ber­na­hen IW Köln er­klärt den An­stieg der Ar­beits­kos­ten zum ei­nen mit hö­he­ren Ta­rif­ab­schlüs­sen 2011 und 2012 als in den Jah­ren zu­vor. "Zum an­de­ren wer­den die Ar­beits­kräf­te in Deutsch­land knapp", sagt der Ex­per­te. "Der Ver­hand­lungs­spiel­raum auf Ar­beit­neh­mer­sei­te wird grö­ßer, weil die Un­ter­neh­men mehr da­für tun müs­sen, gu­te Ar­beits­kräf­te zu be­kom­men."

Er warnt vor den mög­li­chen Fol­gen stei­gen­der Ar­beits­kos­ten. "Die Un­ter­neh­men müs­sen auf­pas­sen, dass sie nicht an Wett­be­werbs­fä­hig­keit ver­lie­ren." Die Lohn­stück­kos­ten in der deut­schen In­dus­trie lie­gen sei­nen An­ga­ben zu­fol­ge ein Sieb­tel hö­her als noch 2007. "Hö­he­re Ar­beits­kos­ten be­las­ten die Un­ter­neh­men und müs­sen mit hö­he­rer Pro­duk­ti­vi­tät wett­ge­macht wer­den. Wenn die Pro­duk­ti­vi­tät nicht aus­ge­baut wer­den kann, ste­hen Ar­beits­plät­ze auf dem Spiel."

Ta­rif­ex­per­te Bispinck sieht kei­ne Ge­fahr für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit Deutsch­lands, der An­stieg der Ar­beits­kos­ten sei durch ei­ne sehr ho­he Pro­duk­ti­vi­tät ge­de­ckelt. "Sie hat sich in den letz­ten zehn Jah­ren ver­bes­sert - al­ler­dings zum Preis ei­ner sehr ge­dämpf­ten Bin­nen­ent­wick­lung", sagt Bispinck.

Die­se gel­te es nun wei­ter zu stär­ken. "Wir sind dar­auf an­ge­wie­sen, dass wir ein rea­les Plus bei Löh­nen und Ge­häl­tern ha­ben und stär­ker ba­lan­cier­tes Wachs­tum. Bei den staat­li­chen Haus­hal­ten soll kon­so­li­diert wer­den, Un­ter­neh­men sind zu­rück­hal­ten­der mit In­ves­ti­tio­nen, da ist es be­son­ders wich­tig, dass die pri­va­te Nach­fra­ge wächst."

Er kri­ti­siert, Deutsch­land ha­be we­gen des star­ken Ex­port­über­schus­ses stark auf Kos­ten sei­ner Nach­barn ge­lebt. "Das Ex­port­mo­dell hat kri­sen­ver­schär­fend ge­wirkt", sagt Bispinck. "Wenn wir die­sen Trend stop­pen oder so­gar um­keh­ren wür­den, wä­re das für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung in Eu­ro­pa sehr sinn­voll. Es wür­de den Kri­sen­län­dern hel­fen, schnel­ler wie­der auf die Bei­ne zu kom­men."

In Län­dern wie Ita­li­en oder Spa­ni­en leg­ten die Ar­beits­kos­ten in der Pri­vat­wirt­schaft 2012 deut­lich schwä­cher zu als in Deutsch­land - im Ver­gleich stieg ih­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit. Für Grie­chen­land rech­nen die Sta­tis­ti­ker so­gar mit ei­nem Rück­gang der Ar­beits­kos­ten um rund 7 Pro­zent.

Wie sich die Ar­beits­kos­ten in Deutsch­land wei­ter ent­wi­ckeln wer­den, hängt stark von den noch an­ste­hen­den Ta­rif­run­den ab. Die wich­ti­ge Me­tall-Ta­rif­run­de hat ge­ra­de erst be­gon­nen, auch im Ein­zel­han­del steht in die­sem Jahr ein Ab­schluss an.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. Dezember 2013

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