HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/226

Ar­beit­ge­ber wol­len Bil­dungs­zeit­ge­setz nach Land­tags­wahl kip­pen

Es war ei­nes der bei der Wirt­schaft ver­hass­tes­ten Pro­jek­te der grün-ro­ten Lan­des­re­gie­rung: Als Bil­dungs-"Ur­laub" ti­tu­lier­ten die Fir­men­ver­tre­ter im Land die Bil­dungs­zeit. Jetzt hof­fen sie auf ein schnel­les En­de
Unterrichtsraum mit Kursleiter hinter Lehrerpult und einer Kursteilnehmerin, beide stehend Wird das Bil­dungs­zeit­ge­setz wie­der ab­ge­schafft?

20.08.2015. (dpa) - Ar­beit­ge­ber­ver­tre­ter hof­fen im Fal­le ei­nes mög­li­chen Re­gie­rungs­wech­sels auf ei­ne Ab­schaf­fung des ge­ra­de ein­ge­führ­ten Bil­dungs­zeit­ge­set­zes.

"Wir wer­den for­dern, dass die Bil­dungs­zeit zu­rück­ge­dreht wird", sag­te Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent Rai­ner Dul­ger der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Stutt­gart.

Der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bunds (DGB), Ni­ko­laus Land­graf, hält ei­ne Ab­schaf­fung da­ge­gen für un­wahr­schein­lich.

Bis­lang sei­en trotz viel­fa­cher Re­gie­rungs­wech­sel in kei­nem Bun­des­land Bil­dungs­frei­stel­lungs­ge­set­ze wie­der ab­ge­schafft wor­den.

Es ha­be zwar Ver­än­de­run­gen in De­tail­fra­gen ge­ge­ben, aber kei­ne Lan­des­re­gie­rung ha­be die Ge­set­ze ins­ge­samt in­fra­ge ge­stellt.

Bis auf Bay­ern und Sach­sen gibt es in­zwi­schen in al­len Bun­des­län­dern ei­nen sol­chen An­spruch. Das Ge­setz im Süd­wes­ten sieht vor, dass Ar­beit­neh­mer fünf Ta­ge pro Jahr zur be­ruf­li­chen oder po­li­ti­schen Wei­ter­bil­dung frei­ge­stellt wer­den kön­nen. Seit Ju­li kön­nen Ar­beit­neh­mer die­se Bil­dungs­aus­zeit be­an­tra­gen. Mehr als 150 Bil­dungs­ein­rich­tun­gen von Volks­hoch­schu­len über Bil­dungs­zen­tren der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern bis zu Bil­dungs­ein­rich­tun­gen von Ge­werk­schaf­ten sind in­zwi­schen beim Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he re­gis­triert. Dar­über, wie vie­le Be­schäf­tig­te von der Bil­dungs­zeit be­reits Ge­brauch ge­macht ha­ben, lie­gen laut Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um noch kei­ne Da­ten vor.

Süd­west­me­tall-Chef Ste­fan Wolf sieht gu­te Chan­cen, das Ge­setz wie­der zu kip­pen. "Es gab da schon das ein oder an­de­re Si­gnal", deu­te­te der El­ring­Klin­ger-Chef, der selbst ein CDU-Par­tei­buch hat, an. Die FDP hat sich be­reits klar ge­gen das Ge­setz po­si­tio­niert. Die CDU hält sich das noch of­fen. "Dass das nicht das Lieb­lings­pro­jekt der Grü­nen war, ist auch be­kannt", sag­te Wolf.

SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Kat­ja Mast be­ton­te am Mitt­woch: "Mit der SPD wird es kein Zu­rück bei der Bil­dungs­zeit ge­ben." Bil­dungs­zeit sei kein Er­ho­lungs­ur­laub. "Das ist ei­ne ech­te In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft Ba­den-Würt­tem­bergs."

Auch die Ge­werk­schaf­ten hat­ten für das Bil­dungs­zeit­ge­setz ge­kämpft. IG-Me­tall-Lan­des­chef Ro­man Zit­zels­ber­ger hat­te schon im Ju­ni ge­warnt: "Wer die­ses Bil­dungs­zeit­ge­setz im Wahl­kampf in­fra­ge stellt, der wird ei­nen mäch­ti­gen Geg­ner ha­ben." Auch der DGB hat­te sich für das Ge­setz stark ge­macht. Ro­se­ma­rie Bol­te, bei der Ge­werk­schaft Ver­di für das The­ma Bil­dung zu­stän­dig, sag­te, es ge­be viel po­si­ti­ve Rück­mel­dung aus den Un­ter­neh­men. "Es be­deu­tet ja auch et­was Po­si­ti­ves für un­ser Land, wenn wir hier ge­bil­de­te Leu­te ha­ben."

Die Ar­beit­ge­ber hat­ten noch im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen Ge­gen­vor­schlag ge­macht - den Pakt für dau­er­haf­te Voll­be­schäf­ti­gung. "Die Ide­en wür­den wir sehr ger­ne rea­li­sie­ren, wenn die Bil­dungs­zeit zu­rück­ge­dreht wird", sag­te Dul­ger.

Ge­sprä­chen mit der Lan­des­re­gie­rung zu ei­nem Wei­ter­bil­dungs­pakt ha­ben sich die Ver­bän­de bis­lang ver­wei­gert. Da sei es un­ter an­de­rem dar­um ge­gan­gen die Bil­dungs­zeit mit In­hal­ten zu fül­len. "Das ist schon et­was viel ver­langt", sag­te Dul­ger.

Der Chef von Ba­den-Würt­tem­bergs Hand­werks­kam­mer­tag, Rai­ner Reich­hold, gibt sich bei dem The­ma zu­rück­hal­tend. Das liegt auch dar­an, dass die Hand­werks­kam­mern zu zwei Drit­teln aus Un­ter­neh­mern be­ste­hen und ei­nem Drit­tel aus Ar­beit­neh­mern - ei­ne ein­heit­li­che Mei­nung gibt es nicht. "Die Un­ter­neh­mer wür­den gern auf das Bil­dungs­frei­stel­lungs­ge­setz ver­zich­ten", sag­te Reich­hold. "Nicht weil sie ge­gen Wei­ter­bil­dung sind, son­dern weil wir in den Un­ter­neh­men oh­ne­hin schon sehr viel Wei­ter­bil­dung an­bie­ten, die durch den tech­ni­schen Fort­schritt not­wen­dig ist." Die be­fürch­te­ten ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen für Un­ter­neh­mer kann Reich­hold al­ler­dings noch nicht fest­stel­len. "Mir ist kaum ein Be­trieb be­kannt, bei dem es bis­her zu Pro­ble­men kam."

DGB-Lan­des­chef Land­graf sieht das ähn­lich: Die Ar­beit­ge­ber im Land un­ter­lä­gen mit der Bil­dungs­zeit den glei­chen Wett­be­werbs­be­din­gun­gen wie Be­trie­be in an­de­ren Bun­des­län­dern. "Auf­grund der Bil­dungs­zeit wird kein Be­trieb im Land über Ge­bühr be­las­tet."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de