HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/288

Ar­beit­ge­ber se­hen Ver­bes­se­run­gen in der Pfle­ge­bran­che

Die Ar­beit­ge­ber zeich­nen ein recht freund­li­ches Ge­samt­bild der Pfle­ge­bran­che: Von Pfle­ge­not­stand kön­ne kei­ne Re­de sein - es sei denn, es kommt ein all­ge­mein­ver­bind­li­cher Ta­rif­ver­trag. Der Re­gie­rungs­be­auf­trag­te Lau­mann sieht das an­ders
Kann ein dro­hen­der Pfle­ge­not­stand ver­hin­dert wer­den?

20.08.2014. (dpa) - Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Pfle­ge sieht deut­li­che Ver­bes­se­run­gen bei der Ver­sor­gung der Bran­che mit Fach­kräf­ten.

Ver­bands­prä­si­dent Tho­mas Grei­ner sag­te am Diens­tag in Ber­lin, 2014 ge­be es mit 60 000 Ju­gend­li­chen ei­nen neu­en Re­kord bei den Aus­zu­bil­den­den.

25 000 tre­ten da­nach im Herbst ih­re Aus­bil­dung an, 3500 mehr als im Vor­jahr.

In die von der Bun­des­re­gie­rung ver­spro­che­ne Aus­bil­dung- und Qua­li­fi­zie­rungs­of­fen­si­ve kom­me eben­falls Be­we­gung. Zu­letzt sei­en 1500 Hilfs­kräf­te ver­kürzt zu Pfle­ge­kräf­ten aus­ge­bil­det wor­den. Der Bran­che lä­gen 1600 An­trä­ge auf An­er­ken­nung aus­län­di­scher Fach­kräf­te vor.

Die Ge­werk­schaft Ver­di wi­der­sprach die­ser po­si­ti­ven Dar­stel­lung. "Die Ar­beit­ge­ber müs­sen end­lich mit deut­lich mehr Per­so­nal und bes­se­rer Ent­loh­nung die At­trak­ti­vi­tät der Al­ten­pfle­ge nach­hal­tig ver­bes­sern", sag­te Vor­stands­mit­glied Syl­via Büh­ler. Ins­ge­samt fehl­ten in der Al­ten­pfle­ge auf mitt­le­re Sicht bis zu 140 000 aus­ge­bil­de­te Pfle­ge­kräf­te.

Grei­ner warn­te vor der Ein­füh­rung ei­nes all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­tra­ges in der Bran­che. Die da­durch zu er­war­ten­de Kos­ten­ex­plo­si­on sei nicht mehr re­fi­nan­zier­bar und für die Pfle­ge in Deutsch­land höchst be­droh­lich. Im üb­ri­gen wer­de in der Pfle­ge schon jetzt "fair be­zahlt".

Der Be­voll­mäch­tig­te der Bun­des­re­gie­rung für Pfle­ge, Karl-Jo­sef Lau­mann (CDU), hielt dem ent­ge­gen: "Wer will, dass die Pfle­ge­bran­che auf Dau­er hoch qua­li­fi­zier­te und in­te­ge­re Mit­ar­bei­ter fin­det, um ei­ne an­spruchs­vol­le und für un­se­re Ge­sell­schaft un­ver­zicht­ba­re Ar­beit zu leis­ten, für den soll­te der fair ver­han­del­te Lohn - al­so: der Ta­rif­ver­trag - ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit sein."

Ähn­lich ar­gu­men­tier­te Bay­erns Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Me­la­nie Huml (CSU): "Gu­te Pfle­ge muss uns et­was wert sein. Wenn wir mehr Men­schen für den Pfle­ge­be­ruf ge­win­nen möch­ten, müs­sen die­se auch an­ge­mes­sen be­zahlt wer­den." Huml er­gänz­te: "Die Pfle­ge­kräf­te brau­chen ins­ge­samt bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen, da­zu ge­hö­ren ne­ben ei­nem an­ge­mes­se­nen Lohn und ei­ner gu­ten Aus­bil­dung auch mehr Per­so­nal und we­ni­ger Bü­ro­kra­tie­auf­wand."

Nach An­sicht des Chefs der Deut­schen Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz, Eu­gen Brysch, muss der all­ge­mein­ver­bind­li­che Ta­rif­ver­trag kom­men. "Wür­di­ge Pfle­ge ist nur mög­lich, wenn es wür­di­ge Ar­beits­be­din­gun­gen gibt. Ei­ne an­stän­di­ge Be­zah­lung ist da­für Vor­aus­set­zung", ar­gu­men­tier­te Brysch.

Ar­beit­ge­ber­ver­bands­vi­ze Fried­helm Fied­ler sag­te zum Per­so­nal­be­darf, in der Al­ten­pfle­ge fehl­ten 30 000 Fach­kräf­te. Für 2020 sol­len es 75 000 sein. Be­rech­nun­gen, die von bis zu 150 000 feh­len­den Fach­kräf­ten aus­gin­gen, sei­en nicht rea­lis­tisch.

Der Vor­wurf des Pfle­ge­not­stan­des sei so nicht zu hal­ten, sag­te Fied­ler wei­ter. Er räum­te al­ler­dings ein, dass die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen we­sent­lich schnel­ler stei­ge als die Zahl der Pfle­gen­den. Knapp 2,6 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land sei­en heu­te pfle­ge­be­dürf­tig. 2050 wür­den dies rund 4,2 Mil­lio­nen Men­schen sein. Von den 65- bis 69-Jäh­ri­gen sei­en nur drei Pro­zent pfle­ge­be­dürf­tig, von den über 90-Jäh­ri­gen 59 Pro­zent. Das Über­ra­schen­de bei die­ser Al­ters­klas­se sei aber, dass 41 Pro­zent eben nicht pfle­ge­be­dürf­tig sei­en, sag­te Fied­ler.

Nach sei­ner Dar­stel­lung ar­bei­te­ten der­zeit ei­ne Mil­li­on Men­schen in der Al­ten­pfle­ge, da­von 700 000 in sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen und 300 000 in am­bu­lan­ten. Knapp 44 500 Fach­kräf­te kä­men aus dem Aus­land. In­ner­halb Eu­ro­pas sei es schwie­rig, Fach­kräf­te für den deut­schen Pfle­ge­markt zu be­kom­men. Der­zeit lau­fe ein Pro­gramm mit Chi­na, wo­nach 150 Fach­kräf­te für Deutsch­land fit­ge­macht wer­den sol­len.

Grei­ner woll­te zur all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen La­ge der Bran­che kei­ne ge­naue­ren An­ga­ben ma­chen, da die­se nach sei­nen Wor­ten "ex­trem he­te­ro­gen" ist. Es ge­be Be­rech­nun­gen, wo­nach 40 Pro­zent der Ein­rich­tun­gen ro­te Zah­len schrie­ben und 20 Pro­zent gar von In­sol­venz be­droht sei­en. In je­dem Fall be­ste­he in der Bran­che ein ho­her Kos­ten­druck, sag­te er.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. Mai 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de