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Aus für Opel in Bo­chum stößt auf Wi­der­stand

Ar­beit­neh­mer wol­len Aus der Opel-Pro­duk­ti­on in Bo­chum nicht hin­neh­men: Bert­hold Hu­ber und Rai­ner Ei­nen­kel kün­di­gen Wi­der­stand an
Streik sechs Streikende Ge­drück­te Stim­mung bei den Opel­anern in Bo­chum

18.12.2012 (dpa) - Wi­der­stand ge­gen das En­de der Opel-Pro­duk­ti­on in Bo­chum: Ge­werk­schaf­ten und Be­triebs­rat wol­len die bit­te­re Pil­le nicht schlu­cken, die das Ma­nage­ment am Mon­tag ver­kün­det hat­te.

"Die IG Me­tall ak­zep­tiert ei­ne Schlie­ßung des Stand­or­tes Bo­chum nicht", sag­te Ge­werk­schafts­chef Bert­hold Hu­ber am Diens­tag der Nach­rich­ten­agen­tur dpa in Frank­furt. Der Bo­chu­mer Opel-Be­triebs­rats­chef Rai­ner Ei­nen­kel kün­dig­te an, für den Er­halt der Pro­duk­ti­on in der Ruhr­ge­biets­stadt zu kämp­fen. "Das sind wir auch den Men­schen schul­dig und das sind wir die­ser Re­gi­on schul­dig", sag­te er im ZDF-"Mor­gen­ma­ga­zin".

Auf ei­ner Be­leg­schafts­ver­samm­lung am Mon­tag hat­te In­te­rims­chef Tho­mas Se­dran an­ge­kün­digt, dass in Bo­chum nur noch bis 2016 Opel-Fahr­zeu­ge vom Band lau­fen sol­len. Die schwa­che Nach­fra­ge ma­che die­sen Schritt er­for­der­lich. Das be­deu­tet zwar nicht das Aus des Au­to­bau­ers an dem 50 Jah­re al­ten Stand­ort im Ruhr­ge­biet. Aber 3000 Jobs ste­hen auf der Kip­pe.

Die IG Me­tall will den Stel­len­ab­bau nicht kampf­los hin­neh­men. «Wenn Opel dort jetzt er­satz­los al­le Pro­duk­ti­ons­ar­beits­plät­ze ab­bau­en will, ist das ei­ne of­fe­ne Kampf­an­sa­ge an uns», sag­te Hu­ber. GM müs­se end­lich ei­ne trag­fä­hi­ge Ge­samt­lö­sung für Opel in Deutsch­land vor­le­gen, sonst ge­be es ei­nen of­fe­nen Kon­flikt. "So­lan­ge nichts auf dem Tisch liegt, leis­ten wir Ge­gen­wehr."

Auch der Bo­chu­mer Opel-Be­triebs­rats­chef Ei­nen­kel will sich nicht mit der Ent­schei­dung ab­fin­den, dass 2016 die letz­ten Au­tos in Bo­chum vom Band rol­len. Zu­mal er ver­mu­tet, dass das Aus des Bo­chu­mer Opel-Werks auch Aus­wir­kun­gen auf die an­de­ren deut­schen Stand­or­te ha­ben könn­te: "Wir sind der Mei­nung, wenn man das Bo­chu­mer Werk schließt, ist es nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis das nächs­te Werk auf der Schlie­ßungs­lis­te steht", sag­te Ei­nen­kel am Diens­tag im ZDF-"Mor­gen­ma­ga­zin". Bo­chum wer­de zu­erst aus dem Weg ge­räumt, weil man dort den größ­ten Wi­der­stand be­fürch­te.

Be­rich­ten zu­fol­ge ha­ben am Diens­tag ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter im Opel-Werk Bo­chum die Ar­beit nie­der­ge­legt. Ein Opel-Spre­cher sag­te da­zu le­dig­lich: "Die Pro­duk­ti­on läuft."

Am Mor­gen nach der Hi­obs­bot­schaft wa­ren die Opel­aner weit­ge­hend wort­los und ge­senk­ten Haup­tes in die Werks­to­re zur Früh­schicht ge­gan­gen. Bei vie­len Mit­ar­bei­tern wa­ren Frust und Wut vom Vor­tag der Re­si­gna­ti­on ge­wi­chen. So sag­te Opel-Ar­bei­ter Jörg Nier­mann, seit 30 Jah­ren im Un­ter­neh­men: "Kampf bringt ja so­wie­so nichts mehr - das En­de ist be­schlos­se­ne Sa­che."

Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Phil­ipp Rös­ler (FDP) warf dem Opel-Mut­ter­kon­zern GM gra­vie­ren­de Ma­nage­ment-Feh­ler vor. "Ich bin sau­er, ge­ra­de weil das Un­ter­neh­men Feh­ler ge­macht hat, auch beim Um­gang mit den Mit­ar­bei­tern in der Ver­gan­gen­heit", sag­te Rös­ler der "Rhei­ni­schen Post" (Diens­tag). GM müs­se sich fra­gen las­sen, ob der Kon­zern in der Ver­gan­gen­heit al­les Not­wen­di­ge ge­tan ha­be, um das Aus für Bo­chum zu ver­hin­dern.

Der Ge­samt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Wolf­gang Schä­fer-Klug kri­ti­siert, dass das Ma­nage­ment in sechs Ver­hand­lungs­mo­na­ten noch kei­ne be­last­ba­ren Zu­kunfts­plä­ne für die deut­schen Stand­or­te vor­ge­legt ha­be. Er er­war­te rasch Per­spek­ti­ven: "Wenn das nicht ge­schieht, wird es kei­ne Zu­ge­ständ­nis­se der Ar­beit­neh­mer­sei­te ge­ben."

Der Be­triebs­rat for­dert un­ter an­de­rem, dass Chev­ro­let-Fahr­zeu­ge in Eu­ro­pa vom Band lau­fen. "Dar­über hin­aus wür­de die Fer­ti­gung des am Markt er­folg­rei­chen Opel Mok­ka die Wer­ke in Eu­ro­pa aus­las­ten und auch Opel als Mar­ke hel­fen." Auch Thü­rin­gens Wirt­schafts­mi­nis­ter Mat­thi­as Mach­nig (SPD) for­der­te ein Zu­kunfts­kon­zept: "Werks­schlie­ßun­gen sind je­den­falls kein Bei­trag da­zu."

All­zu vie­le Druck­mit­tel et­wa mit Warn­streiks ha­ben die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter in Bo­chum der­zeit al­ler­dings nicht: Für das Werk ist im Ja­nu­ar oh­ne­hin Kurz­ar­beit an­ge­mel­det.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 6. Juni 2014

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