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Ar­beits­agen­tur will "Blue Card" für hoch qua­li­fi­zier­te Asyl­be­wer­ber

Für Asyl­be­wer­ber ist die Job­su­che in Deutsch­land ex­trem schwie­rig: Da­bei sind ei­ni­ge bes­tens aus­ge­bil­det - noch da­zu in Be­ru­fen, in de­nen Fach­kräf­te ge­sucht wer­den. So sit­zen Ärz­te und In­ge­nieu­re un­tä­tig in Flücht­lings­hei­men. Die Ar­beits­agen­tur will das än­dern
Wel­che bü­ro­kra­ti­schen Hür­den müss­ten ab­ge­baut wer­den?

20.07.2015. (dpa) - Nach dem Wil­len der Bun­des­agen­tur für Ar­beit soll­ten hoch qua­li­fi­zier­te Flücht­lin­ge neue Zu­gangs­we­ge zum Job­markt be­kom­men.

Dem­nach soll­te die "Blue Card" zur An­wer­bung von Fach­kräf­ten aus Nicht-EU-Staa­ten auch gut aus­ge­bil­de­ten Asyl­be­wer­bern zu­gu­te­kom­men.

Die Uni­on zeig­te sich of­fen für den Vor­stoß.

Der Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA rief da­zu auf, ge­ne­rell die Hür­den beim Ar­beits­markt­zu­gang für Flücht­lin­ge ab­zu­bau­en.

Aka­de­mi­sche Fach­kräf­te aus dem nicht-eu­ro­päi­schen Aus­land kön­nen seit Au­gust 2012 in Deutsch­land die "Blue Card" be­an­tra­gen und dann mit ih­rer Fa­mi­lie nach Deutsch­land zie­hen. Vor­aus­set­zung sind ein fes­ter Ar­beits­ver­trag, ei­ne ab­ge­schlos­se­nen Aus­bil­dung und ein Min­dest­ge­halt. In Deutsch­land liegt es der­zeit bei 48 400 Eu­ro.

BA-Vor­stand Rai­mund Be­cker schlug vor, dies Sys­tem auch für hoch qua­li­fi­zier­te Flücht­lin­ge zu öff­nen. Sie soll­ten mit ih­ren Fa­mi­li­en aus dem Asyl­ver­fah­ren her­aus­ge­hen kön­nen und über die "Blue Card" den Sta­tus der zu­ge­wan­der­ten Fach­kraft er­lan­gen, sag­te er der "Rhei­ni­schen Post" (Sams­tag). Un­ter den Flücht­lin­gen be­fän­den sich Hoch­qua­li­fi­zier­te wie Ärz­te und In­ge­nieu­re, die auch über ei­ne "Blue Card" nach Deutsch­land als Ar­beits­kräf­te ein­wan­dern könn­ten. "Für die­se Fäl­le be­nö­ti­gen wir die Mög­lich­keit zum Spur­wech­sel."

Da­zu ge­hör­ten bü­ro­kra­ti­sche Hür­den ab­ge­baut, mahn­te Be­cker. "Um ei­nen sol­chen An­trag zu stel­len, müss­ten sie nach deut­schem Recht zu­nächst zu­rück in ihr Hei­mat­land, um dort ein spe­zi­el­les Vi­sum zu be­an­tra­gen. Wenn sie vor Krieg und Ver­fol­gung ge­flüch­tet sind, ist das ei­ne ab­sur­de Vor­stel­lung."

Bis­lang ist das Asyl­sys­tem strikt von an­de­ren Zu­wan­de­rungs­op­tio­nen ge­trennt. Es ist bei­spiels­wei­se nicht mög­lich, aus ei­nem lau­fen­den Asyl­ver­fah­ren her­aus ein Ar­beits­vi­sum zu be­an­tra­gen.

Auch der Di­rek­tor des In­sti­tuts zur Zu­kunft der Ar­beit, Klaus Zim­mer­mann, plä­dier­te da­für, die "Blue Card"-Re­ge­lung für Flücht­lin­ge zu öff­nen, die be­reits im Land und auf dem deut­schen Ar­beits­markt ge­fragt sei­en. Die Be­stim­mun­gen hät­ten sich oh­ne­hin als zu eng er­wie­sen, sag­te er der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Schließ­lich hät­ten die Be­hör­den seit dem In­kraft­tre­ten der Re­ge­lung 2012 nur gut 20 000 "Blue Cards" ver­teilt.

Der In­nen­ex­per­te der Uni­ons-Frak­ti­on, Ste­phan May­er (CSU), zeig­te sich of­fen: "Über den Vor­schlag kön­nen wir dis­ku­tie­ren." Deutsch­land brau­che hoch qua­li­fi­zier­te Ar­beits­kräf­te. "Die bü­ro­kra­ti­schen Hür­den für die­se Fach­leu­te soll­ten mög­lichst nied­rig sein."

Der Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA for­der­te ge­ne­rell, Be­schrän­kun­gen beim Ar­beits­markt­zu­gang für Asyl­be­wer­ber ab­zu­bau­en. Vie­le da­von sei­en "po­li­tisch und wirt­schaft­lich nicht mehr zeit­ge­mäß", sag­te ein BDA-Spre­cher der "Welt am Sonn­tag". Die gu­te Kon­junk­tur bie­te auch für Flücht­lin­ge Be­schäf­ti­gungs­per­spek­ti­ven. Vie­le Be­trie­be fän­den nicht ge­nug Lehr­lin­ge. Der Ver­band for­der­te auch, die Frist für die so­ge­nann­te Vor­rang­prü­fung von 15 auf 6 Mo­na­te zu ver­kür­zen.

Für Asyl­be­wer­ber gilt in den ers­ten drei Mo­na­ten in Deutsch­land ein ge­ne­rel­les Be­schäf­ti­gungs­ver­bot. Nach Ab­lauf die­ser Frist bleibt aber die "Vor­rang­prü­fung" ei­ne gro­ße Hür­de bei der Job­su­che. Da­bei wird er­mit­telt, ob sich nicht auch ein ge­eig­ne­ter Be­wer­ber mit deut­schem oder EU-Pass für die je­wei­li­ge Stel­le fin­det. Ex­per­ten kla­gen, in Re­gio­nen mit ho­her Ar­beits­lo­sig­keit sei es we­gen der Re­ge­lung für Asyl­be­wer­ber so gut wie gar nicht mög­lich, ei­nen Job zu fin­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 5. November 2016

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