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ARBEITSRECHT AKTUELL // 12/217

Ar­beits­agen­tur prä­sen­tiert Ar­beits­lo­sen­zahl im Mai 2012

Schwächs­ter Früh­jahrs­auf­schwung seit drei Jah­ren
Logo der Bundesagentur für Arbeit, weißes Dreieck auf rotem Hintergrund Die Zahl der Ar­beits­lo­sen liegt nur noch bei 2,855 Mil­lio­nen Men­schen
01.06.2012 (dpa) - Die schwächs­te Früh­jahrs­be­le­bung seit drei Jah­ren hat die Sor­gen vor ei­nem En­de des deut­schen Job­auf­schwungs wach­sen las­sen. Zwi­schen März und Mai ging nach jüngs­ten Da­ten der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) die Zahl der Er­werbs­lo­sen nur noch um 254.000 zu­rück. Üb­lich sind in die­sem Zeit­raum Rück­gän­ge von 300.000 bis 350.000. Al­lein im Mai sank die Zahl der Er­werbs­lo­sen über­ra­schend nur noch um 108.000 auf 2,855 Mil­lio­nen. Das wa­ren 105.000 Er­werbs­lo­se we­ni­ger als vor ei­nem Jahr.

Trotz­dem lag die Mai-Ar­beits­lo­sig­keit auf dem nied­rigs­ten Stand seit 20 Jah­ren. Die Er­werbs­lo­sen­quo­te sank um 0,3 Punk­te auf 6,7 Pro­zent. Vor ei­nem Jahr hat­te sie noch bei 7,0 Pro­zent ge­le­gen, be­rich­te­te BA-Vor­stands­chef Frank-Jür­gen Wei­se.

Für die­ses Jahr rech­net Wei­se wei­ter­hin mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Ar­beits­lo­sig­keit zwi­schen 2,8 und 2,9 Mil­lio­nen. Ein Ri­si­ko stel­le al­ler­dings die Eu­ro-Schul­den­kri­se dar. "In Deutsch­land wer­den die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der Schul­den­pro­ble­me in ei­ni­gen Län­dern noch von der star­ken Bin­nen­kon­junk­tur und dem star­ken Ex­port in Län­der au­ßer­halb der EU kom­pen­siert", sag­te Wei­se. Trotz­dem kön­ne sich den ne­ga­ti­ven Ein­flüs­sen wo­mög­lich auch Deutsch­land nicht ent­zie­hen.

Der BA-Chef räum­te ein, dass der Ar­beits­markt im Mai kei­nen Schub mehr von der Kon­junk­tur be­kom­men ha­be. "Im Mai spü­ren wir nur noch den sai­son­üb­li­chen Früh­jahrs­auf­schwung", be­ton­te er. Ei­ne Trend­wen­de sieht er dar­in al­ler­dings nicht. Die La­ge sei wei­ter­hin gut. Al­ler­dings schwä­che sich die po­si­ti­ve Ten­denz der ver­gan­ge­nen Jah­re ab. "Wir fah­ren wei­ter mit Ge­schwin­dig­keit, be­schleu­ni­gen aber nicht mehr."

Aus Sicht von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) prä­sen­tiert sich der Ar­beits­markt da­mit trotz der Ri­si­ken im Eu­ro-Raum ins­ge­samt po­si­tiv, "aber die gu­te Ten­denz schwächt sich et­was ab". Auch Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Phil­ipp Rös­ler (FDP) sieht wei­ter­hin ei­ne po­si­ti­ve Grund­ten­denz auf dem Ar­beits­markt. Was der Ar­beits­markt der­zeit spü­re, sei le­dig­lich "die be­reits über­wun­de­ne Wachs­tums­del­le". In­zwi­schen ha­be die Kon­junk­tur aber im ers­ten Quar­tal nach ei­ner kur­zen Schwä­che­pha­se wie­der Tritt ge­fasst.

Das für Hartz IV zu­stän­di­ge BA-Vor­stands­mit­glied Hein­rich Alt führt den un­ge­wöhn­li­chen ge­rin­gen Rück­gang der Mai-Ar­beits­lo­sig­keit auch auf die ge­schrumpf­te ak­ti­ve Ar­beits­markt­po­li­tik der Ar­beits­agen­tu­ren und Job­cen­ter zu­rück. Im Mai hat­ten sich nach sei­nen An­ga­ben nur noch rund 973.000 Er­werbs­lo­se in Ein-Eu­ro-Jobs be­fun­den oder ab­sol­vier­ten Aus- und Fort­bil­dungs­kur­se - 253.000 we­ni­ger als vor ei­nem Jahr.

Zu­ver­sicht­lich stimmt BA-Chef Wei­se das gro­ße An­ge­bot an frei­en Stel­len. Ins­ge­samt hat­ten Un­ter­neh­men nach Er­kennt­nis­sen der Ar­beits­agen­tu­ren im Mai ei­ne hal­be Mil­li­on Mit­ar­bei­ter ge­sucht. Die Nach­fra­ge nach Ar­beits­kräf­ten er­reich­te da­mit ein ähn­lich ho­hes Ni­veau wie zum Hö­he­punkt des Job-Booms im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res.

Wie auch die Be­schäf­tig­ten­sta­tis­tik zei­ge, ent­stün­den in vie­len Un­ter­neh­men wei­ter­hin neue Ar­beits­plät­ze, sag­te Wei­se. So wuchs die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen bin­nen Jah­res­frist um 572.000 auf 41,42 (Stand April), die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ar­beits­plät­ze so­gar um 675.000 auf 26,78 Mil­lio­nen (Stand März).

Die SPD-Bun­des­tag­frak­ti­on be­klag­te "tie­fe Ver­wer­fun­gen am deut­schen Ar­beits­markt". Frak­ti­ons­vi­ze Hu­ber­tus Heil for­der­te ein Ak­ti­ons­pro­gramm für ei­ne ge­rech­te Ord­nung auf dem Ar­beits­markt. Die Links­frak­ti­on im Bun­des­tag warn­te: "Un­ter Per­so­nen mit ge­rin­gen Ver­mitt­lungs­chan­cen droht sich die Ar­beits­lo­sig­keit zu ver­fes­ti­gen". Für DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach muss "der Boom bei pre­kä­ren Jobs end­lich in ei­nen Boom gu­ter Ar­beit um­ge­wan­delt wer­den".

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Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

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