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Oh­ne Deutsch kein Job: Flücht­lin­ge war­ten auf Sprach­kur­se

Tau­sen­de Flücht­lin­ge su­chen im Süd­wes­ten nach Ar­beit - doch selbst mit gu­ter Aus­bil­dung schei­tern sie häu­fig. Der Grund: Sie spre­chen kein Deutsch. Der star­ke Zu­strom von Asyl­be­wer­bern trifft auf ei­nen Man­gel an Deutsch­kur­sen. Die Po­li­tik will ge­gen­steu­ern
Kinder verschiedener Hautfarbe Schei­tern sie an feh­len­den Deutsch­kennt­nis­sen?

21.10.2015. (dpa) - Egal ob Schiffs­of­fi­zie­re, Ar­chi­tek­ten oder Ärz­te - selbst mit gu­ter Aus­bil­dung ha­ben es vie­le Flücht­lin­ge im Süd­wes­ten schwer, ei­ne Ar­beit zu fin­den. Sie schei­tern häu­fig an der Spra­che. Die Po­li­tik will den Ein­stieg von Asyl­be­wer­bern in den Ar­beits­markt nun be­schleu­ni­gen. Be­reits bei ih­rer An­kunft in den Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­len (Lea) sol­len be­ruf­li­che und sprach­li­che Fä­hig­kei­ten er­fasst wer­den. Das Pro­blem: Es dau­ert bis­lang oft zu lan­ge, bis Asyl­be­wer­ber deutsch ler­nen kön­nen.

«Das Er­ler­nen der deut­schen Spra­che ist die Grund­vor­aus­set­zung für die In­te­gra­ti­on in den deut­schen Ar­beits­markt», sagt Chris­ti­an Rauch, Chef der Re­gio­nal­di­rek­ti­on Ba­den-Würt­tem­berg der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA). «Mo­men­tan ist das An­ge­bot an Sprach­kur­sen noch zu ge­ring und die War­te­zei­ten sind zu lang.»

Bei den von der Ar­beits­agen­tur und Kom­mu­nen ge­mein­sam ge­führ­ten Job­cen­tern im Süd­wes­ten sind der­zeit laut BA-Chef Rauch 6782 an­er­kann­te Asyl­be­wer­ber ar­beits­los ge­mel­det. Mehr als 80 Pro­zent von ih­nen hät­ten «ab­so­lut gar kei­ne Deutsch­kennt­nis­se». Bei ih­nen sei die Job­ver­mitt­lung «ex­trem schwie­rig.» Vor al­lem der Ar­beits­schutz be­rei­tet Pro­ble­me: «Der Ar­beit­neh­mer muss in der La­ge sein, al­le Vor­schrif­ten und Si­cher­heits­maß­nah­men zu ver­ste­hen.»

Zwi­schen der An­kunft der Flücht­lin­ge und der Mög­lich­keit, die deut­sche Spra­che von Grund auf zu ler­nen, ver­gin­gen teil­wei­se sechs bis acht Mo­na­te, be­klag­te Rauch. Um in ei­nen der be­gehr­ten Deutsch­kur­se zu kom­men, müs­sen Asyl­be­wer­ber ei­ne Rei­he von Amts­we­gen durch­lau­fen - mit lan­gen War­te- und Be­ar­bei­tungs­zei­ten. 

Be­reits im ers­ten Quar­tal 2015 ist die Zahl der neu­en Teil­neh­men­den an In­te­gra­ti­ons­kur­sen des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum um 20 Pro­zent auf deutsch­land­weit rund 47 000 Men­schen ge­stie­gen. Im Schnitt ent­fal­len da­von rund 13 Pro­zent auf Ba­den-Würt­tem­berg.

Die Hälf­te die­ser Kur­se fin­det an Volks­hoch­schu­len statt. Es man­ge­le be­son­ders an Räu­men und Per­so­nal, sagt der Di­rek­tor des Volks­hoch­schul­ver­bands Ba­den-Würt­tem­berg, Her­mann Huba. Er gibt sich den­noch op­ti­mis­tisch: «Die Be­he­bung der Eng­päs­se ist nur ei­ne Fra­ge der Zeit - und zwar im Sin­ne von we­ni­gen Mo­na­ten.»

In Zu­kunft sol­len noch mehr Asyl­be­wer­ber an den In­te­gra­ti­ons­kur­sen teil­neh­men kön­nen. Denn erst un­längst ver­stän­dig­ten sich Bund und Län­der dar­auf, dass von No­vem­ber an nicht wie bis­her nur an­er­kann­te Asyl­be­wer­ber zur Teil­nah­me be­rech­tigt sei­en, son­dern auch Men­schen mit ei­ner gu­ten Blei­be­per­spek­ti­ve. 

«Es bleibt nun ab­zu­war­ten, in­wie­weit mit die­ser Öff­nung der tat­säch­li­che Be­darf ab­ge­deckt wer­den kann», sagt die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­rin Bil­kay Öney (SPD). Über ei­ne Kos­ten­er­stat­tungs­pau­scha­le des Lan­des er­hiel­ten die Stadt- und Land­krei­se im Süd­wes­ten Mit­tel für ein ers­tes An­ge­bot für den Sprach­er­werb von Flücht­lin­gen und Asyl­be­wer­bern.

Die BA will im Süd­wes­ten Deutsch­kur­se für mehr als 10 000 Flücht­lin­ge fi­nan­zie­ren. Die Kur­se sol­len noch in die­sem Jahr be­gin­nen. Sie sei­en für je­ne Asyl­be­wer­ber, die gu­te An­er­ken­nungs­chan­cen hät­ten, bis­her aber nicht an ei­nem In­te­gra­ti­ons­kurs des Bamf hät­ten teil­neh­men kön­nen, sagt Rauch. 

Auch die Lan­des­re­gie­rung will ei­ne schnel­le­re In­te­gra­ti­on von Asyl­be­wer­bern in den Ar­beits­markt er­mög­li­chen. Da­zu sol­len erst­mals be­reits in al­len Leas flä­chen­de­ckend Sprach­kennt­nis­se und Qua­li­fi­ka­tio­nen von Asyl­be­wer­bern er­fasst wer­den. Vor­her gab es sol­che Er­he­bun­gen nur ver­ein­zelt in Mo­dell­pro­jek­ten. 

Vor­rei­ter ist seit Ju­li die Lea in Meß­stet­ten, die an­de­ren Stand­or­te sol­len fol­gen. Er­mit­telt wer­den dort et­wa Sprach­kennt­nis­se, Schul- so­wie Be­rufs- und Stu­di­en­ab­schluss, Be­rufs­er­fah­run­gen, und ob Nach­wei­se wie Zeug­nis­se und ein Füh­rer­schein vor­han­den sind. Die In­for­ma­tio­nen sol­len dann den für die Ko­or­di­nie­rung der In­te­gra­ti­ons­maß­nah­men in den Stadt- und Land­krei­sen zu­stän­di­gen Netz­wer­ken und de­ren Part­nern wie Job­cen­ter, Kam­mern, Aus­län­der­be­hör­den und Schul­äm­tern zu Ver­fü­gung ste­hen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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