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ArbG Duis­burg, Ur­teil vom 07.06.2010, 3 Ca 260/10

   
Schlagworte: Befristung: Vorübergehender Bedarf, Befristung: Haushaltsmittel
   
Gericht: Arbeitsgericht Duisburg
Aktenzeichen: 3 Ca 260/10
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 07.06.2010
   
Leitsätze: Eine auf einen Haushaltsvermerk zur Begründung eines erhöhten Bedarfs an befristeten Arbeitskräften gestützte Befristung ist unwirksam, wenn der Vermerk die Befristung von erheblich mehr Arbeitskräften erlaubt, als nach der zur Begründung des Haushaltsvermerks aufgestellten Prognose erforderlich sind. In diesem Fall fehlt es an einer "nachvollziehbaren" Zwecksetzung.
Vorinstanzen:
   

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung. 

Der 41jähri­ge, le­di­ge, ei­nem Kind zum Un­ter­halt ver­pflich­te­te Kläger war seit dem 05.09.2005 mit meh­re­ren be­fris­te­ten Verträgen bei der Be­klag­ten, der die staat­li­che Ar­beits­ver­mitt­lung ob­liegt, beschäftigt.

Der Haus­halts­plan der Be­klag­ten für das Ka­len­der­jahr 2008 wur­de am 19.12.2007 mit Auf­la­gen gem. § 71a Abs. 3 SGB IV ge­neh­migt und auf­grund der be­ste­hen­den Auf­la­gen am 20.12.2007 durch den Ver­wal­tungs­rat der Be­klag­ten gem. § 71a Abs. 4 SGB IV er­neut fest­ge­stellt.

Zur Si­cher­stel­lung der Um­set­zung der Auf­ga­ben nach dem SGB II wur­den im Haus­halt bei Ka­pi­tel 6 Ti­tel 425 02, Sei­ten 117 u. 140 des Haus­halts­plans, für das Ka­len­der­jahr 2008 bun­des­weit ins­ge­samt 5.000 Ermäch­ti­gun­gen zur Beschäfti­gung von Kräften mit be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen vor­ge­se­hen.

Da­zu heißt es in der An­la­ge 2 des Haus­halts­plans 2008 zur Erläute­rung des Ti­tels 425 02, Sei­te 151 des Haus­halts­plans:

„In der Über­sicht zur Grup­pe 425 “für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ sind 5.000 (Vor­jahr: 5.000) Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) zusätz­lich zeit­lich be­fris­tet bis 31. De­zem­ber 2010 aus­ge­wie­sen. Zum 1. Ja­nu­ar 2008 wur­de die Zahl der Dau­er­stel­len für die Auf­ga­ben nach dem SGB II um 3.000 auf­ge­stockt. In­fol­ge der ab­seh­ba­ren de­mo­gra­phi­schen Ent­wick­lung und der Ar­beits­markt­ent­wick­lung wird der ak­tu­el­le Per­so­nal­be­darf, der sich aus der An­zahl der Be­darfs­ge­mein­schaf­ten bzw. der er­werbsfähi­gen Hil­fe­bedürf­ti­gen er­rech­net, bis zum 31. De­zem­ber 2010 zurück­ge­hen. Ab 1. Ja­nu­ar 2011 wird der dann be­ste­hen­de Dau­er­stel­len­be­stand aus­rei­chen, um die Auf­ga­ben des SGB II zu er­le­di­gen. Bis zu die­sem Zeit­punkt be­steht ein erhöhter Ar­beits­an­fall und da­mit größerer, aber tem­porärer Per­so­nal­be­darf, der nur durch zusätz­lich be­fris­tet beschäftig­te Kräfte in den Be­rei­chen “Markt und In­te­gra­ti­on“ bzw. “Leis­tungs­gewährung“ der Ar­beits­ge­mein­schaf­ten bzw. der Agen­tu­ren in ge­trenn­ter Auf­ga­ben­wahr­neh­mung bewältigt wer­den kann.“

Mit Ar­beits­ver­trag vom 04.07.2008 wur­de der Kläger wie­der­um be­fris­tet als Voll­beschäftig­ter für die Zeit vom 01.01.2009 bis zum 31.12.2010 ein­ge­stellt. Für die Dau­er sei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges wur­de dem Kläger die Tätig­keit ei­nes „Fachas­sis­ten­ten Leis­tungs­gewährung“ im Be­reich SGB II in der Tätig­keits­ebe­ne V über­tra­gen. Das Ar­beits­verhält­nis be­stimmt sich nach dem Ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der BA (TV-BA). We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die An­la­ge K 1 zur Kla­ge­schrift (Bl. 5 f. d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Dem Kläger wur­de bei Ab­schluss des letz­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ein „Ver­merk zum be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag“ vom 04.07.2008 aus­gehändigt, der als Be­fris­tungs­grund haus­halts­recht­li­che Gründe gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG auf­weist. Der Kläger bestätig­te die Kennt­nis­nah­me die­ses Ver­mer­kes mit sei­ner Un­ter­schrift. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die An­la­ge K 2 zur Kla­ge­schrift (Bl. 7 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Das mo­nat­li­che Brut­to­ar­beits­ent­gelt des Klägers be­trug zu­letzt 2.260,00 €. 

Mit Schrei­ben vom 03.12.2009 ließ der Kläger die Be­klag­te auf­for­dern, auf die Be­fris­tung zu ver­zich­ten. Dies lehn­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 11.12.2009 ab.

Mit bei Ge­richt am 8.2.2010 ein­ge­gan­ge­ner Kla­ge hat der Kläger die Un­wirk­sam­keit der letz­ten Be­fris­tung gel­tend ge­macht.

Der Kläger be­haup­tet, bei der Be­klag­ten sei ge­ne­rell ein Be­darf an Ar­beits­kräften vor­han­den. 

Es sei zu be­strei­ten, dass er aus Haus­halts­mit­teln vergütet wer­de, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sei­en. Dies set­ze vor­aus, dass die Haus­halts­mit­tel für ei­ne Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sei­en. Es rei­che nicht aus, wenn die Haus­halts­mit­tel le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit ge­stellt würden oder dem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer über­wie­gend Dau­er­auf­ga­ben des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers über­tra­gen würden.

Die haus­halts­recht­li­che Zweck­be­stim­mung sei nicht hin­rei­chend kon­kret tätig­keits­be­zo­gen für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er. In­so­weit sei­en auch die Ausführun­gen im Ver­merk zum be­fris­te­ten Ver­trag nicht kon­kre­ti­siert wor­den.

Ihm sei­en Tätig­kei­ten be­fris­tet über­tra­gen wor­den, die ih­rer Art nach dau­er­haft an­fie­len, da es sich bei dem SGB II um ei­ne Dau­er­auf­ga­be han­de­le.

Letzt­lich sei die Be­fris­tung auch un­wirk­sam, weil die Un­ter­zeich­nung des Ver­tra­ges le­dig­lich „im Auf­trag“ und nicht „in Ver­tre­tung“ er­folgt sei. Ver­tre­ten wer­de die Be­klag­te aus­weis­lich des Ver­trags­ru­brums durch die Vor­sit­zen­de der Geschäftsführung der B.. Die­se ha­be den Ver­trag je­doch nicht un­ter­zeich­net. Der Zu­satz „im Auf­trag“ sei so zu ver­ste­hen, dass der für die Be­klag­te un­ter­zeich­nen­de Mit­ar­bei­ter le­dig­lich als Bo­te ge­han­delt ha­be.

Der Kläger be­an­tragt, 

fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht auf Grund der Be­fris­tung zum 31.12.2010 be­en­det wird.

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te be­haup­tet, der Ein­satz des Klägers er­fol­ge auf­grund der Zur­verfügung­stel­lung von Haus­halts­mit­teln für Auf­ga­ben von be­grenz­ter Dau­er.

Nach dem Haus­halts­ver­merk für das Jahr 2008 würden zusätz­lich zu den 5.000 be­fris­te­ten Stel­len für den Be­reich SGB II 3.000 zusätz­li­che Stel­len für Dau­er­an­ge­stell­te ge­schaf­fen so­wie zusätz­lich die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung berück­sich­tigt. Da­bei sei zu berück­sich­ti­gen, dass ein Haus­halts­ver­merk nur ei­ne ge­dräng­te und sehr verkürz­te Zu­sam­men­fas­sung der Über­le­gun­gen dar­stel­len könne.

Für den Haus­halts­ver­merk für den Ein­satz von 5.000 tem­porären Kräften im Be­reich SGB II, auf Grund des­sen auch der Ver­trag mit dem Kläger be­fris­tet wor­den sei, sei­en die nach­fol­gen­den Über­le­gun­gen aus­schlag­ge­bend ge­we­sen:

Der sog. Start­auf­stel­lung für den Be­reich SGB II ab dem 1.1.2005 hätten fol­gen­de Über­le­gun­gen zu­grun­de ge­le­gen:

  • 18.072,5 vor­han­de­ne Stel­len für Plan­kräfte (An­teil Alhi, Ef­fi­zi­enz­ge­win­ne, AMI);
  • 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für be­fr. Ar­beits­kräfte bis 31.12.2007 (Haus­halts­ver­merk Nr. 1 zu Kap. 6 Ti­tel 425 02 im Haus­halts­plan für das Ka­len­der­jahr 2005) ver­bun­den mit der Er­war­tung, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wer­de und im Übri­gen per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen beim Dau­er­per­so­nal SGB III auch für den Be­reich SGB II ge­nutzt wer­den könn­ten;
  • Grund­la­ge für die Start­auf­stel­lung sei­en po­li­tisch vor­ge­ge­be­ne Be­treu­ungs­schlüssel und qua­li­fi­zier­te Schätzun­gen zu den zu­grun­de lie­gen­den Be­darfs­ge­mein­schaf­ten und er­werbsfähi­gen Hil­fe­bedürf­ti­gen so­wie des Um­fangs des kom­mu­na­len Per­so­nals ge­we­sen.

Nach An­lau­fen der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung SGB II ha­be sich die Stel­len­aus­stat­tung als nicht aus­rei­chend ge­zeigt, da die Zahl der Be­darfs­ge­mein­schaf­ten und der er­werbsfähi­gen Hil­fe­bedürf­ti­gen deut­lich höher ge­le­gen ha­be. Da­her sei mit den nach­fol­gen­den Maßnah­men ver­sucht wor­den, dem erhöhten Be­darf Rech­nung zu tra­gen.

  • Um­schich­tun­gen aus dem Be­reich SGB III (2.500 Stel­len für Plan­kräfte im Haus­halts­jahr 2006);
  • Eta­ti­sie­run­gen (4.000 Stel­len für Plan­kräfte im Ka­len­der­jahr 2007);
  • In­an­spruch­nah­me von Amts­hil­fe­per­so­nal;
  • Erhöhung der An­zahl von be­fris­te­ten Kräften im Rah­men von sach­grund­lo­sen Be­fris­tun­gen zu Las­ten des Ver­wal­tungs- und Ein­glie­de­rungs­bud­gets der Ar­beits­ge­mein­schaf­ten.

Im Per­so­nal­kon­zept für den SGB II - Be­reich bis ein­sch­ließlich 2010 vom März 2007 ha­be sich aus­ge­hend von ei­nem pro­gnos­ti­zier­ten Rück­gang der Be­darfs­ge­mein­schaf­ten und er­werbsfähi­gen Hil­fe­bedürf­ti­gen in Höhe von 1% für 2008 und je­weils 2% für 2009 und 2010 er­ge­ben, dass we­ni­ger Dau­er­kräfte benötigt würden. Es sei pro­gnos­ti­ziert wor­den, dass 5.000 Kräfte we­ni­ger benötigt würden. Da­bei sei bei der Be­trach­tung des Per­so­nal­be­darfs im Hin­blick auf das da­mals zu er­war­ten­de Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Ver­fas­sungsmäßig­keit der Auf­ga­ben­er­le­di­gung im Be­reich SGB II be­wusst nur die Zeit­span­ne bis 2010 berück­sich­tigt wor­den. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Dar­stel­lung im Schrift­satz vom 31.5.2010 (Bl. 59 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Rech­ne­risch ha­be sich für das Jah­re 2008 ein Be­darf an 6.561 be­fris­te­ten Kräften, für das Jah­re 2009 ein Be­darf an 4.061 be­fris­te­ten Kräften und für das Jahr 2010 ein Be­darf an 3.211 be­fris­te­ten Kräften er­ge­ben. Auf die­ser Grund­la­ge ha­be der Haus­halts­ver­merk so ge­fasst wer­den sol­len, dass in 2008 auf die­ser Ba­sis bis zu 6.500 be­fris­tet Beschäftig­te, in 2009 bis zu 4.000 und in 2010 bis zu 3.200 geführt wer­den könn­ten (Ge­stal­tung: Ge­samt­zahl 6.500, da­von 2.500 mit Be­fris­tungs­en­de 31.12.2008, 800 mit Be­fris­tungs­en­de 31.12.2009 und 3.200 mit Be­fris­tungs­en­de 31.12.2010).

Im Rah­men des Haus­halts­auf­stel­lungs­ver­fah­rens sei das ent­wi­ckel­te Per­so­nal­kon­zept in­ten­siv mit dem auf­sichtsführen­den BMAS erörtert wor­den; im Rah­men die­ser Erörte­run­gen sei schließlich — auch un­ter Berück­sich­ti­gung der po­li­ti­schen Wil­lens­bil­dung — fol­gen­de Fest­le­gung ge­trof­fen wor­den:

  • an­ge­sichts des über den ak­tu­el­len Be­stand an Dau­er­kräften hin­aus­ge­hen­den dau­ern­den Per­so­nal­be­darfs soll­te im Ka­len­der­jahr 2008 die Eta­ti­sie­rung von wei­te­ren 3.000 Stel­len für Plan­kräfte vor­ge­nom­men wer­den; wei­te­re — an sich zusätz­lich noch er­for­der­li­che Eta­ti­sie­run­gen — sei­en po­li­tisch wie haus­haltsmäßig nicht durch­setz­bar ge­we­sen;
  • in den Haus­halts­plan für das Ka­len­der­jahr 2008 soll­te der später auch so for­mu­lier­te Haus­halts­ver­merk bei Kap. 6 Ti­tel 425 02 ein­ge­bracht wer­den;
  • ggf. darüber hin­aus be­ste­hen­de Per­so­nal­be­dar­fe soll­ten durch Beschäfti­gung von Kräften mit sach­grund­los be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag ge­deckt wer­den.

Die Hin­ter­gründe für die durch­ge­hen­de Fest­le­gung des durch be­fris­te­te Kräfte zu de­cken­den vorüber­ge­hen­den Per­so­nal­be­darfs auf 5.000 Kräfte sei­en im Ein­zel­nen nicht do­ku­men­tiert. Mögli­cher­wei­se sei u. a. die An­nah­me, den vorüber­ge­hen­den Per­so­nal­mehr­be­darf mit bis zu 4.400 Kräften durch Amts­hil­fe­per­so­nal zu de­cken, als nicht hin­rei­chend ge­si­chert an­ge­se­hen wor­den.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die von den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf das Er­geb­nis der münd­li­chen Ver­hand­lung Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe:

I. 

Die Kla­ge ist be­gründet. 

Das Ar­beits­verhält­nis en­det nicht auf­grund der Be­fris­tung zum 31.12.2010. Die letz­te, zur Über­prüfung ste­hen­de Be­fris­tung ist un­zulässig.

Der Kläger hat gem. § 17 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) recht­zei­tig Kla­ge er­ho­ben, da die dreiwöchi­ge Frist zwi­schen Ab­lauf der Be­fris­tung und Kla­ge­er­he­bung je­den­falls ge­wahrt ist, da der Kläger be­reits - zulässi­ger­wei­se - vor Ab­lauf der Be­fris­tung Kla­ge er­ho­ben hat.

a) 

Gem. § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ist die Be­fris­tung zulässig, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist.

Hier­an fehlt es. 

Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags ist nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG sach­lich ge­recht­fer­tigt, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und er ent­spre­chend beschäftigt wird. Hier­zu müssen im Haus­halts­plan Mit­tel mit ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung für ei­ne Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er aus­ge­wie­sen sein. Die Zweck­set­zung muss schon aus Gründen des Eu­ropäischen Ge­mein­schafts­rechts so be­stimmt sein, dass sie ei­ne Kon­trol­le ermöglicht, ob die be­fris­te­te Beschäfti­gung der De­ckung ei­nes vorüber­ge­hen­den Be­darfs dient (BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10). Er­for­der­lich ist der über­wie­gen­de Ein­satz des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers ent­spre­chend der Zweck­set­zung der aus­ge­brach­ten Haus­halts­mit­tel. Da­bei sind die Umstände bei Ver­trags­schluss maßgeb­lich Die Vor­aus­set­zun­gen für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags we­gen Vergütung des Ar­beit­neh­mers aus Haus­halts­mit­teln gemäß § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG lie­gen hin­ge­gen nicht vor, wenn die Haus­halts­mit­tel le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit­ge­stellt wer­den (BAG v. 18.10.2006, 7 AZR 419/05, NZA 2007, 332; BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 640/08, ju­ris).

aa) 

Es kann da­hin­ste­hen, ob sich die Be­klag­te als Selbst­ver­wal­tungskörper­schaft über­haupt auf § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG be­ru­fen kann oder ob die­ser Sach­grund ein förm­li­ches Haus­halts­ge­setz vor­aus­setzt (eben­falls of­fen ge­las­sen von BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10).

Denn die Vor­aus­set­zun­gen nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG sind je­den­falls nicht erfüllt. 

bb) 

Ent­ge­gen der An­sicht des Klägers ist der Ver­merk al­ler­dings hin­rei­chend be­stimmt ge­nug und da­mit prin­zi­pi­ell ge­eig­net, ei­ne Haus­halts­be­fris­tung zu be­gründen.

Die eben­falls von der Be­klag­ten für ei­nen vor­her­ge­hen­den Haus­halt ver­wen­de­te For­mu­lie­rung: 

„In der Über­sicht zur Grup­pe 425 “für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ sind 5000 (Vor­jahr: 0) Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) zusätz­lich für die Dau­er von 3 Jah­ren bis 31.12.2007 aus­ge­wie­sen. Mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wird die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird. Zu­dem wird die BA per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich da­zu nut­zen, vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen.“

ist nicht hin­rei­chend kon­kret ge­nug, da sie kei­ne Über­prüfung ermöglicht, ob die Beschäfti­gung der be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer mit Auf­ga­ben von vorüber­ge­hen­der Dau­er er­folgt oder ob da­mit ein ständi­ger Be­darf ab­ge­deckt wird (BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10; LAG Schles­wig-Hol­stein v. 15.10.2008, 3 Sa 104/08,ju­ris).

Die For­mu­lie­rung 

„Die Mit­tel sind be­stimmt zur Bewälti­gung von Nach­fra­ge­spit­zen im Di­rekt­leih­ver­kehr und für Ver­tre­tungsfälle. Mehr ent­spre­chend dem erhöhten Auf­kom­men bei den Ein­nah­men.“

ist hin­ge­gen hin­rei­chend be­stimmt ge­nug (BAG v. 7.5.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880). 

Ent­ge­gen der For­mu­lie­rung im Haus­halts­plan 2005, der Ge­gen­stand der Kon­trol­le in der Ent­schei­dung des BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, s. o., war, ist der ausführ­li­cher ge­fass­te Ver­merk, der hier zu be­ur­tei­len ist, so ge­fasst, dass er ei­ne Über­prüfung der Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung ermöglicht. Es wird im Ein­zel­nen und da­mit kon­kret an­ge­ge­ben, war­um es ei­nen erhöhten Per­so­nal­be­darf gibt, der mit den vor­han­de­nen Dau­er­stel­len, die zu­dem auf­ge­stockt wur­den, nicht ab­ge­deckt wer­den kann. Zu­dem ist kon­kret an­ge­ge­ben, bis wann die­ser Be­darf be­steht. Auch die Gründe, war­um der Be­darf be­steht, sind an­ge­ge­ben, nämlich ein­mal die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung so­wie zum an­de­ren die Er­war­tung ei­ner Ver­bes­se­rung des Ar­beits­mark­tes. An ei­ner sol­chen Be­gründung be­steht ein nach­voll­zieh­ba­res In­ter­es­se. Ist tatsächlich ab­seh­bar, dass nach ei­nem ge­wis­sen Zeit­raum we­ni­ger Per­so­nal benötigt wird zur Er­le­di­gung der ge­ne­rel­len Auf­ga­be „SGB II“, ist es im In­ter­es­se der öffent­li­chen Hand nicht ver­tret­bar, des­we­gen dau­er­haft Per­so­nal ein­zu­stel­len. Wenn es aus­rei­chend ist, dass ein Mehr­be­darf al­lein mit der For­mu­lie­rung „Nach­fra­ge­spit­zen ... und für Ver­tre­tungsfälle“ be­gründet wird, so folgt hier­aus, dass die An­ga­be nähe­rer Zah­len im Haus­halts­ver­merk nicht er­for­der­lich ist (so im Er­geb­nis hier­zu auch BAG v. 18.4.2007, 7 AZR 316/06, ju­ris).

cc)

Vor­aus­set­zung ist je­doch wei­ter, dass der Ar­beit­ge­ber zur Be­gründung der im Haus­halts­ver­merk nie­der­ge­leg­ten Pro­gno­se dar­le­gen kann, dass während der Ver­trags­lauf­zeit ein höhe­rer Ar­beits­be­darf zu er­war­ten war als mit dem nach dem Stel­len­plan vor­ge­se­he­nen Stamm­per­so­nal bewältigt wer­den konn­te und ob er nicht von ei­nem dau­er­haf­ten An­stieg des Ar­beits­auf­wan­des aus­ge­gan­gen ist bzw. aus­ge­hen muss­te. Nur dann ist von ei­ner „nach­voll­zieh­ba­ren“ Zweck­set­zung für ei­ne Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er aus­zu­ge­hen.

Die Pro­gno­se des Ar­beit­ge­bers muss sich da­bei nicht dar­auf be­zie­hen, dass die Ar­beits­men­ge nach Ab­lauf des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags wie­der mit dem nach dem Stel­len­plan verfügba­ren Stamm­per­so­nal bewältigt wer­den kann. Es genügt viel­mehr, dass der Mehr­be­darf vor­aus­sicht­lich während der Dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags be­ste­hen wird. Die An­for­de­run­gen an ei­ne Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG müssen zu­dem ei­ne dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Un­ter­maßver­bot und den ge­mein­schafts­recht­li­chen An­for­de­run­gen genügen­de Be­fris­tungs­kon­trol­le ermögli­chen (BAG v. 7.5.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880).

Der Ar­beit­ge­ber hat im Be­strei­tens­fall die an­ge­stie­ge­ne Ar­beits­men­ge nach­voll­zieh­bar dar­zu­le­gen (BAG v. 14.2.2007, 7 AZR 193/06, NZA 2007, 871).

An die­ser nach­voll­zieh­ba­ren Dar­le­gung fehlt es. 

Die Be­klag­te hat kei­ne Pro­gno­se vor­ge­tra­gen, die die Be­fris­tung von 5.000 Stel­len bis zum 31.12.2010, die im Haus­halts­ver­merk 2008 ge­nannt wird, recht­fer­ti­gen könn­te.

Viel­mehr hat die Be­klag­te de­tail­liert vor­ge­tra­gen zu ei­ner im Jahr 2007 auf­ge­stell­ten und dem Haus­halts­ver­merk 2008 zu­grun­de lie­gen­den Pro­gno­se, nach der für das Jahr 2008 ein Be­darf an 6.561 be­fris­te­ten Kräften, für das Jah­re 2009 ein Be­darf an 4.061 be­fris­te­ten Kräften und für das Jahr 2010 ein Be­darf an 3.211 be­fris­te­ten Kräften be­stand.

Die­se Zah­len sind im Ein­zel­nen nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt und be­gründet wor­den an­hand der An­zahl der vor­han­de­nen Stel­len, der tatsächli­chen An­zahl von Be­darfs­ge­mein­schaf­ten, den vor­ge­schrie­be­nen bzw. ge­woll­ten Be­treu­ungs­schlüsseln so­wie der zu er­war­ten­den de­mo­gra­phi­schen Ent­wick­lung und Ar­beits­markt­ent­wick­lung. Da­bei ist nicht zu ver­ken­nen, dass sol­che Pro­gno­sen not­wen­di­ger­wei­se mit Unschärfen be­haf­tet sind, da vie­le ver­schie­de­ne An­nah­men zu berück­sich­ti­gen sind. Gleich­wohl sind sol­che Pro­gno­sen zulässig und not­wen­dig für ei­nen wirt­schaft­lich den­ken­den und han­deln­den Ar­beit­ge­ber im öffent­li­chen Dienst. Sie genügen auch prin­zi­pi­ell zur Recht­fer­ti­gung ei­ner Sach­grund­be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG (so auch LAG Schles­wig-Hol­stein v. 20.8.2008, 21 Sa 961/08, ju­ris).

Nach die­sen de­tail­liert vor­ge­tra­ge­nen Da­ten be­stand für das Jahr 2010 je­doch nur ein Be­darf an 3.211 be­fris­te­ten Kräften. Statt­des­sen nennt der Ver­merk pau­schal 5.000 Be­fris­tun­gen. Hier­bei wur­de so­gar von der ei­ge­nen Be­schluss­vor­la­ge, die an­hand der vor­lie­gen­den Da­ten er­ar­bei­tet wur­de, ab­ge­wi­chen. Ei­ne Be­gründung hierfür ist nicht ge­ge­ben. Die Be­klag­te selbst hat die Ab­wei­chung vor al­lem mit po­li­ti­schen Be­weg­gründen erläutert so­wie mit der Ver­mu­tung, mögli­cher­wei­se sei u. a. die An­nah­me, den vorüber­ge­hen­den Per­so­nal­mehr­be­darf mit bis zu 4.400 Kräften durch Amts­hil­fe­per­so­nal zu de­cken, als nicht mehr hin­rei­chend ge­si­chert an­ge­se­hen wor­den. Bei­de Ar­gu­men­te über­zeu­gen je­doch nicht bzw. genügen nicht für ei­ne Dar­le­gung ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Pro­gno­se. Po­li­ti­sche Über­le­gun­gen können kei­ne hin­rei­chen­de Pro­gno­se sein, die dem Un­ter­maßge­bot noch aus­rei­chend Rech­nung tra­gen würde. Denn po­li­ti­sche Über­le­gun­gen sind ge­ra­de von ei­nem stra­te­gi­schen / tak­ti­schen / ge­stal­ten­den Ele­ment ge­prägt, und sind des­halb als Vor­aus­set­zung für ei­nen recht­li­chen / sach­li­chen Grund un­ge­eig­net, je­den­falls so­lan­ge, wie die Über­le­gun­gen nicht kon­kre­ti­siert wer­den. Auch die wei­te­re Ver­mu­tung, der Ein­satz von Amts­hil­fe­per­so­nal würde nicht aus­rei­chen, genügt nicht als Be­gründung. Denn die­se müss­te wie­der­um so kon­kret sein, dass ei­ne Über­prüfung ermöglicht würde, ob die Beschäfti­gung der be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer mit Auf­ga­ben von vorüber­ge­hen­der Dau­er er­folgt oder ob da­mit ein ständi­ger Be­darf ab­ge­deckt wird (vgl. BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 843/08, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10). Dar­an fehlt es, weil hier­zu bloße Ver­mu­tun­gen nicht aus­rei­chen. Die An­zahl der Amts­hil­fe-Kräfte ist be­reits Teil des Re­chen­wegs zur Be­gründung der Pro­gno­se für den Be­darf an be­fris­tet Beschäftig­ten ge­we­sen (vgl. Dar­stel­lung der Be­klag­ten auf S. 3 des Schrift­sat­zes vom 31.5.2010). Es ist dem­nach nicht möglich, die­se zu­vor rech­ne­risch be­gründe­te Zahl nachträglich oh­ne nähe­re Erläute­rung ab­zuändern. Durch sol­che „Kor­rek­tu­ren“ wird die gan­ze Be­rech­nung, die ge­ra­de die Be­fris­tung tra­gen soll und muss, in Fra­ge ge­stellt.

Die Zahl 5.000 kann auch nicht dar­auf gestützt wer­den, dass im Durch­schnitt der Jah­re 2008 bis 2010 ca. 5.000 Kräfte jähr­lich genügen würden. Es ist nicht er­for­der­lich, dass ei­ne Pro­gno­se mo­nat­li­che Ge­nau­ig­keit er­rei­chen muss. Auch länger­fris­ti­ge Zeiträume, z. B. ein 3-Jah­res-Zeit­raum, kom­men auch als Pro­gno­se­zeit­raum in Be­tracht. Der Haus­halts­ge­ber muss sich al­ler­dings kon­se­quent und schlüssig ver­hal­ten. Ist es ihm möglich, den vor­aus­sicht­lich be­ste­hen­den Mehr­be­darf jähr­lich zu be­rech­nen, so muss er sich auch im Rah­men des Be­fris­tungs­rechts hier­an hal­ten. Nur dann ist das Merk­mal der „Nach­voll­zieh­bar­keit“ erfüllt und ei­ne et­wai­ge Be­lie­big­keit, die dem Un­ter­maßver­bot nicht mehr ge­recht wer­den würde, aus­ge­schlos­sen. Es ist oh­ne wei­te­res möglich, be­fris­te­te Ar­beits­verträge auf die Dau­er von ein, zwei oder drei Jah­re ab­zu­sch­ließen. So war es dem­ent­spre­chend auch nach dem Vor­schlag der Be­klag­ten zum Haus­halts­ver­merk vor­ge­se­hen wor­den. Da zu­dem auf die zu­vor schon be­fris­tet Beschäftig­ten zurück­ge­grif­fen wer­den konn­te, be­stand auch kei­ne Ver­an­las­sung, da­von aus­zu­ge­hen, dass sich Beschäfti­gun­gen ggf. erst nach ei­ner ge­wis­sen Ein­ar­bei­tungs­zeit per­so­nal­tech­nisch loh­nen würden. Wenn sich der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber - letzt­lich im öffent­li­chen In­ter­es­se - dar­auf be­ru­fen möch­te, dass die Bin­dung an den Haus­halt ihm nur vorüber­ge­hend ei­ne Beschäfti­gung wei­te­rer Kräfte ermöglicht, so ver­letzt er das öffent­li­che In­ter­es­se, wenn er ent­ge­gen sei­ner ei­ge­nen Pro­gno­se mehr Kräfte beschäftigt als nach der Pro­gno­se er­for­der­lich. Be­steht al­so die Pro­gno­se, im Jahr 2010 le­dig­lich 3.211 be­fris­te­te Kräfte zu benöti­gen, so ist je­den­falls die deut­li­che Erhöhung auf 5.000 Kräfte un­zulässig. Wie aus­geführt, sind nach­voll­zieh­ba­re Gründe hierfür nicht dar­ge­legt wor­den. So wird statt­des­sen die Ver­mu­tung gestützt, es lie­ge nicht nur Be­darf an ei­ner vorüber­ge­hen­den Beschäfti­gung vor, son­dern viel­mehr sei der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber von ei­nem dau­er­haf­ten An­stieg der Ar­beits­men­ge aus­ge­gan­gen bzw. die Haus­halts­mit­tel würden le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit­ge­stellt wer­den. Ei­ne sol­che An­nah­me recht­fer­tigt die Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG aber ge­ra­de nicht (BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 640/08, ju­ris).

dd)

Die Be­fris­tung ist auch nicht des­halb wirk­sam, weil die Be­klag­te nach Vor­ste­hen­dem je­den­falls 3.200 Be­fris­tun­gen hätte wirk­sam ab­sch­ließen können und le­dig­lich 1.800 Be­fris­tun­gen rech­ne­risch un­wirk­sam wären. Es kann nicht fest­ge­stellt wer­den, wel­cher Ar­beit­neh­mer bzw. wel­che Ar­beit­neh­me­rin zu wel­cher Grup­pe gehören würde. Das Ge­bot ef­fek­ti­ven Rechts­schutz gem. Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 20 Abs. 3 GG würde ver­letzt, wenn des­halb die Kla­gen der ers­ten 3.200 Beschäftig­ten, die sich auf die Un­wirk­sam­keit be­ru­fen würden, ab­ge­wie­sen würden. Viel­mehr führt die Feh­ler­haf­tig­keit der Her­lei­tung des vorüber­ge­hen­den Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung bei al­len be­trof­fe­nen Beschäftig­ten. Zu­dem wäre die Fra­ge auch erst dann re­le­vant, wenn tatsächlich mehr als 1.800 be­fris­tet Beschäftig­te er­folg­reich ih­re Ent­fris­tung ggf. ge­richt­lich durch­ge­setzt hätten. Denn je­den­falls bei die­ser An­zahl sind die Be­fris­tun­gen un­wirk­sam.

ee)

In­wie­weit sich ggf. aus eu­ro­pa­recht­li­chen Gründen wei­te­re Ein­schränkun­gen für ei­ne Haus­halts­be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG er­ge­ben (vgl. den EuGH-Vor­la­ge-Be­schluss des LAG Köln v. 13.4.2010, 7 Sa 1224/09, ju­ris), kann da­hin­ste­hen, da, wie aus­geführt, je­den­falls vor­lie­gend auch nach dem bis­he­ri­gen Verständ­nis von § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG die Be­fris­tung nicht ge­recht­fer­tigt ist. Der Rechts­streit ist des­halb be­reits zur Ent­schei­dung reif.

b)

Die Be­fris­tung ist auch nicht gem. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG auf­grund ei­nes et­wai­gen nur vorüber­ge­hen­den Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung ge­recht­fer­tigt. Dies würde vor­aus­set­zen, dass die Be­klag­te zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des be­fris­te­ten Ver­tra­ges mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit er­war­ten konn­te, dass der Ar­beits­kräfte­be­darf in Zu­kunft weg­fal­len wird (vgl. BAG v. 25.8.2004, 7 AZR 7/04, NZA 2005, 357; BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 640/08, ju­ris). Über den vorüber­ge­hen­den Be­darf i.S. des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG ist ei­ne Pro­gno­se zu er­stel­len, der kon­kre­te An­halts­punk­te zu Grun­de lie­gen müssen. Die Pro­gno­se ist Teil des Sach­grun­des. Die Pro­gno­se muss sich le­dig­lich dar­auf er­stre­cken, dass der be­trieb­li­che Be­darf an der Ar­beits­leis­tung des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers nur zeit­wei­se und nicht dau­er­haft eröff­net ist. Die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung we­gen ei­nes vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darfs i.S. des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG setzt vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer ge­ra­de zur De­ckung die­ses Mehr­be­darfs ein­ge­stellt wird. Dem Ar­beit­neh­mer dürfen kei­ne Dau­er­auf­ga­ben über­tra­gen wer­den (BAG v. 20.2.2008, 7 AZR 950/06, NZA-RR 2009, 288).

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt. Bei den der Be­klag­ten im Be­reich der Grund­si­che­rung über­tra­ge­nen Auf­ga­ben nach dem SGB II han­delt es sich um Dau­er­auf­ga­ben, die auch über den 31.12.2009 hin­aus an­fal­len (vgl. auch BAG v. 17.3.2010, 7 AZR 640/08, ju­ris).

Die­se Tätig­kei­ten sind auch nach dem 31.12.2010 zu er­le­di­gen, was von der Be­klag­ten auch gar nicht be­strit­ten wird. Dies war auch schon am 4.7.2008, dem Tag des Ab­schlus­ses der Be­fris­tung, ab­seh­bar. Selbst wenn der er­hoff­te nen­nens­wer­te Rück­gang von Grund­si­che­rungs­su­chen­den ein­ge­tre­ten wäre, so hat je­doch nie­mand an­ge­nom­men, nach dem 31.12.2010 würde die­se Auf­ga­be gänz­lich weg­fal­len. Ei­ne Pro­gno­se, dass der Be­darf an den 5.000 Stel­len im Sin­ne von § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG nur vorüber­ge­hend wäre, hat die Be­klag­te je­den­falls nicht dar­ge­tan und auch selbst nicht zur Be­gründung der Be­fris­tung an­geführt. § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 Tz­B­fG stellt in­so­weit höhe­re Vor­aus­set­zun­gen auf als § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG (vgl. BAG v. 7.5.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880).

c)

Die Be­fris­tung ist auch nicht aus­nahms­wei­se als sach­grund­lo­se Be­fris­tung zulässig. 

Gem. § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ist die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren zulässig.

Die­se 2-Jah­res-Frist ist un­strei­tig über­schrit­ten. Der Kläger ist seit dem Jahr 2005 auf­grund von meh­re­ren be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen und da­mit deut­lich länger als zwei Jah­re beschäftigt ge­we­sen.

d)

Die Be­fris­tung ist auch nicht auf­grund wei­ter Umstände, z. B. als Al­ters­be­fris­tung gem. § 14 Abs. 3 Tz­B­fG, zulässig.

Ins­be­son­de­re kann da­hin­ste­hen, ob die Be­fris­tung we­gen des Ver­s­toßes ge­gen das Schrift­for­mer­for­der­nis un­wirk­sam ist, weil der Ar­beits­ver­trag auf Sei­ten der Be­klag­ten durch ei­nen Beschäftig­ten mit dem Zu­satz „Im Auf­trag“ un­ter­zeich­net wor­den ist. Hierfür spricht al­ler­dings we­nig, da die Ver­wen­dung des Zu­sat­zes „Im Auf­trag“ in der Ver­wal­tung ty­pi­scher­wei­se von al­len Beschäftig­ten außer dem Ver­wal­tungs­lei­ter bzw. der Ver­wal­tungs­lei­te­rin bzw. des­sen / de­ren Ver­tre­ter oder Ver­tre­te­rin zu ver­wen­den ist.

II.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 46 Abs. 2 ArbGG iVm. § 91 ZPO. Der Streit­wert ist gem. § 61 Abs. 1 ArbGG, § 3 ZPO, § 42 Abs. 3 S. 1 GKG im Ur­teil fest­zu­set­zen und ent­spricht im Übri­gen dem gem. § 63 Abs. 2 GKG fest­zu­set­zen­den Wert.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung 

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der be­klag­ten Par­tei 

Be­ru­fung 

ein­ge­legt wer­den. 

Für die kla­gen­de Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. 

Die Be­ru­fung muss 

in­ner­halb ei­ner N o t f r i s t* von ei­nem Mo­nat 

beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21, 40227 Düssel­dorf, Fax: 0211 7770 2199 ein­ge­gan­gen sein.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach des­sen Verkündung.

Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1.Rechts­anwälte, 

2.Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3.Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung der Mit­glie­der die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. 

* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

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