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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/096

Auch Heim­ar­beit kann krank ma­chen

Wer mor­gens nicht ins Bü­ro muss, son­dern von zu­hau­se aus ar­bei­ten kann, fin­det das meist sehr an­ge­nehm - doch auch die Heim­ar­beit birgt Ge­sund­heits­ri­si­ken
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19.04.2019. (dpa/fle) - Mit dem Lap­top da­heim zu ar­bei­ten, kann prak­tisch sein - spart man doch den Weg ins Bü­ro oder kann ne­ben­her Klei­nig­kei­ten im Haus­halt er­le­di­gen.

Aber für die Ge­sund­heit ist Te­le- oder Heim­ar­beit nicht im­mer gut.

Wäh­rend im Bü­ro meist si­che­re Schreib­ti­sche und er­go­no­mi­sche Bü­ro­stüh­le ste­hen, be­hel­fen sich vie­le zu Hau­se mit dem Kü­chen­tisch oder dem So­fa. An­ge­sichts des sich ra­sant wan­deln­den Ar­beits­um­felds hat die In­ter­na­tio­na­le Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) in Genf neue An­stren­gun­gen im Ar­beits­schutz ge­for­dert.

Rund 374 Mil­lio­nen Men­schen wer­den nach ILO-An­ga­ben welt­weit je­des Jahr durch die Ar­beit krank oder ver­let­zen sich bei Ar­beits­un­fäl­len. Je­den Tag ster­ben nach Schät­zun­gen 6.500 Men­schen an Krank­hei­ten, die durch ih­re Ar­beit ver­ur­sacht wur­den, und 1.000 Men­schen kom­men bei Ar­beits­un­fäl­len um.

Wach­sen­de Her­aus­for­de­run­gen sei­en Herz-Kreis­lauf- und Atem­wegs­er­kran­kun­gen, Krebs so­wie Stress und psy­cho­so­zia­le Ri­si­ken, so die ILO. Das ge­he un­ter an­de­rem auf be­fris­te­te Ar­beits­ver­trä­ge zu­rück, auf Ar­beit­ge­ber-For­de­run­gen nach mehr Fle­xi­bi­li­tät bei den Ar­beits­zei­ten und zu­neh­men­de Te­le- oder Heim­ar­beit. Ar­beit­neh­mer könn­ten sich dort iso­liert füh­len oder es stres­sig fin­den, wenn Ar­beit und Frei­zeit im­mer we­ni­ger klar ge­trennt sind.

Zu Stress und Ge­füh­len der Iso­la­ti­on führ­ten manch­mal auch smar­te Tech­no­lo­gie und am Kör­per trag­ba­re Ge­rä­te. Sie könn­ten zwar hel­fen, die Si­cher­heit zu ver­bes­sern, et­wa, in­dem sie Er­mü­dungs­er­schei­nun­gen mes­sen oder die Qua­li­tät der Luft, in der je­mand ar­bei­ten muss, so die ILO. Aber Mit­ar­bei­ter be­kä­men da­durch auch un­ter Um­stän­den das Ge­fühl, die Au­to­no­mie über ih­re Ar­beit zu ver­lie­ren, so die ILO. Sie könn­ten den Kon­takt mit Kol­le­gen ver­mis­sen, wäh­rend sie frü­her mehr In­for­ma­tio­nen di­rekt oder per Te­le­fon aus­ge­tauscht ha­ben.

In Deutsch­land müs­sen Plät­ze für Te­le-Ar­beit ei­gent­lich den glei­chen Vor­schrif­ten ent­spre­chen wie im Be­trieb. Ar­beit­ge­ber sind nach der Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung an­ge­hal­ten, die Ar­beits­plät­ze er­go­no­misch zu ge­stal­ten und ih­re Be­schäf­tig­ten zu un­ter­wei­sen. Vie­le Be­schäf­tig­te ar­bei­ten aber auch au­ßer­halb die­ser ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen von zu Hau­se oder un­ter­wegs, sagt der Ex­per­te Nils Back­haus von der Bun­des­an­stalt für Ar­beits­schutz und Ar­beits­me­di­zin (BAuA) in Dort­mund.

Nach na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Be­fra­gungs­da­ten sei Ho­me­of­fice in Deutsch­land noch nicht so weit ver­brei­tet wie bei­spiels­wei­se in den Nie­der­lan­den oder Dä­ne­mark. EU-weit lie­ge Deutsch­land im un­te­ren Mit­tel­feld, be­rich­tet der For­scher. Am schwie­rigs­ten sei­en si­cher­lich Jobs, die kom­plett von zu Hau­se er­le­digt wür­den. Hier sei die Ge­fahr der so­zia­len Iso­la­ti­on am höchs­ten, auch er­gä­ben sich Pro­ble­me in Be­trie­ben, die noch ei­ne aus­ge­präg­te Prä­senz­kul­tur pfleg­ten.

Die Chan­ce, Be­ruf und Pri­va­tes zu ver­ei­nen, ber­ge auch die Ge­fahr, die bei­den Be­rei­che zu sehr zu ver­mi­schen, sag­te Back­haus. Im Ho­me­of­fice wür­den die Men­schen zu­dem häu­fig län­ger ar­bei­ten und die ar­beits­me­di­zi­nisch sinn­vol­len Ru­he­pau­sen sel­te­ner ein­hal­ten.

"In­ten­si­vie­rung und Ent­gren­zung sind die Krux der mo­der­nen Ar­beits­welt", er­klär­te das IG-Me­tall-Vor­stands­mit­glied Hans-Jür­gen Ur­ban in Frank­furt. Die Bun­des­län­der als Auf­sichts­be­hör­den ver­sag­ten beim Ge­sund­heits­schutz: Statt kon­ti­nu­ier­lich Auf­sichts­per­so­nal zu re­du­zie­ren, müs­se wie­der auf­ge­baut wer­den. "Der Bund muss end­lich ei­ne An­ti-Stress-Ver­ord­nung er­las­sen, um psy­chi­sche Be­las­tun­gen bei der Ar­beit ab­zu­bau­en." Die meis­ten Ge­fähr­dun­gen sei­en schließ­lich schon lan­ge be­kannt.

Auch der ra­san­te An­stieg von In­dus­trie­ro­bo­tern bringt nach An­ga­ben der ILO neue Ri­si­ken mit sich. Ro­bo­ter er­leich­ter­ten zwar die Ar­beit, et­wa weil sie schwe­re Las­ten he­ben. Gleich­zei­tig be­ste­he aber die Ge­fahr von Ar­beits­un­fäl­len im Kon­takt mit die­sen Ma­schi­nen.

Be­hör­den, Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer müss­ten die­se neu­en Ri­si­ken un­ter­su­chen und Ar­beits­stan­dards wo nö­tig ver­bes­sern, for­dert die ILO. Die Or­ga­ni­sa­ti­on ge­hört zu den Ver­ein­ten Na­tio­nen. Dar­in sind ne­ben Re­gie­run­gen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber ver­tre­ten. Die ILO soll die so­zia­le Ge­rech­tig­keit und Ar­beits­rech­te ver­bes­sern.

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Letzte Überarbeitung: 19. April 2019

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