HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/029

Auf­lö­sung des Be­triebs­ra­tes bei Kärcher?

IG Me­tall geht ju­ris­tisch ge­gen Kärcher-Be­triebs­rat vor: An­trag der Ge­werk­schaft beim Ar­beits­ge­richt Stutt­gart auf Auf­lö­sung des Be­triebs­ra­tes
Sitzung des Betriebsrats, Betriebsratsversammlung

11.02.2013. (dpa) - Die IG Me­tall geht ju­ris­tisch ge­gen den Be­triebs­rat des Rei­ni­gungs­spe­zia­lis­ten Kärcher vor. Die Ge­werk­schaft will mit Hil­fe des Ar­beits­ge­richts in Stutt­gart die Auf­lö­sung des Gre­mi­ums am Stamm­sitz in Win­nen­den er­rei­chen. Das sag­te der Ge­schäfts­füh­rer der IG Me­tall Waib­lin­gen, Mat­thi­as Fuchs, der Nach­rich­ten­agen­tur dpa und be­stä­tig­te ei­nen Be­richt der "Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung" (Sams­tag).

Hin­ter­grund sind die Be­triebs­ver­samm­lun­gen des Rei­ni­gungs­rie­sen, die aus Sicht der IG Me­tall zu sel­ten statt­fin­den. Das Ge­setz ver­pflich­tet Kärcher da­zu, vier­mal im Jahr Ver­samm­lun­gen ab­zu­hal­ten, sag­te Fuchs. Das sei aber nicht der Fall.

Ein Kärcher-Spre­cher be­stä­tig­te, dass die Tref­fen sel­te­ner - näm­lich ein­mal jähr­lich - statt­fän­den. Zu­gleich be­ton­te er, Be­schäf­tig­te wür­den schrift­lich über wich­ti­ge Ent­wick­lun­gen in­for­miert. Es ge­be re­gel­mä­ßig Be­fra­gun­gen zur Zu­frie­den­heit der Mit­ar­bei­ter. "Der Be­triebs­rat ist ei­gent­lich sehr kom­mu­ni­ka­tiv", sag­te der Spre­cher. "Bei Kärcher hat sich noch nie je­mand be­schwert.

Die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung selbst war am Wo­chen­en­de für ei­ne Stel­lung­nah­me zu­nächst nicht zu er­rei­chen. Kärcher ar­bei­tet nach ei­ge­nen An­ga­ben nicht mit Ge­werk­schaf­ten zu­sam­men. Un­ter den Be­schäf­tig­ten sei­en aber durch­aus Mit­glie­der der IG Me­tall. Fuchs sag­te, letz­te­res rei­che aus, um ju­ris­tisch vor­zu­ge­hen.

"Es geht uns um die Be­schäf­tig­ten bei Kärcher", be­ton­te der Ge­werk­schafts­ver­tre­ter. Ne­ben der Zahl der Be­triebs­ver­samm­lun­gen be­män­gelt die IG Me­tall auch die Be­zah­lung beim Rei­ni­gungs­rie­sen. Kärcher zah­le sei­nen Mit­ar­bei­tern rund 20 Pro­zent we­ni­ger als die Kon­kur­ren­ten Stihl und Bosch. Ge­gen­stand des ju­ris­ti­schen Streits sind die Löh­ne al­ler­dings nicht.

Ein Un­ter­neh­mens­spre­cher wies die Kri­tik zu­rück. "Das ist völ­lig un­plau­si­bel", sag­te er. "Wir wür­den über­haupt kei­ne Fach­kräf­te be­kom­men, wenn das so wä­re."

Kärcher ist nach ei­ge­nen An­ga­ben noch nie ta­rif­ge­bun­den ge­we­sen. Die Kon­di­tio­nen sei­en des­we­gen aber nicht au­to­ma­tisch schlech­ter, be­ton­te der Spre­cher.

Fa­zit: Ob der An­trag Er­folg ha­ben wird, ist of­fen. Tat­säch­lich muss der Be­triebs­rat ge­mäß § 43 Abs.1 Satz 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) ein­mal pro Ka­len­der­vier­tel­jahr ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung ein­be­ru­fen und der Be­leg­schaft dort über sei­ne Ar­beit be­rich­ten. Macht er das nicht, ver­stößt er ge­gen sei­ne ge­setz­li­chen Pflich­ten. Ob das aber auch ein "gro­ber" Pflicht­ver­stoß ist, der die ge­richt­li­che Auf­lö­sung des Be­triebs­rats ge­mäß § 23 Abs.3 Be­trVG recht­fer­tigt, dar­über kann man strei­ten. Ent­schie­den wur­de ei­ne sol­che Auf­lö­sungs­ent­schei­dung je­den­falls schon ein­mal in dem Fall, dass der Be­triebs­rat trotz An­trags der Ge­werk­schaft auf An­be­rau­mung ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung (§ 43 Abs.4 Be­trVG) un­tä­tig bleibt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Dr. Martin Hensche,
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-Mail: berlin@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de