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Aus­set­zung für Tran­sit-Lkw heizt Streit um Min­dest­lohn an

Der deut­sche Min­dest­lohn ver­är­gert Spe­di­teu­re in der EU - er gilt auch für aus­län­di­sche Lkw-Fah­rer: Nun lenkt Ber­lin ein und stoppt vor­erst ei­nen Teil der Re­geln. Das be­feu­ert in­nen­po­li­ti­schen Streit
Europafahne Zu wel­chem Er­geb­nis wird das Prüf­ver­fah­ren der EU kom­men?

31.01.2015. (dpa) - Die Bun­des­re­gie­rung setzt den erst seit ei­nem Mo­nat gel­ten­den Min­dest­lohn nach Pro­tes­ten von Nach­bar­staa­ten für aus­län­di­sche Lkw-Fah­rer auf der Durch­rei­se aus.

In der schwarz-ro­ten Ko­ali­ti­on heizt das den Streit um wei­te­re Kor­rek­tu­ren an.

Die Uni­on will we­ni­ger Nach­weis­pflich­ten für Fir­men und ver­lang­te am Frei­tag ein ge­ne­rel­les Aus­set­zen der Kon­trol­len.

Das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um lehn­te dies ab.

Die Vor­schrif­ten für Lkws soll nun die EU-Kom­mis­si­on klä­ren.

Meh­re­re EU-Staa­ten kri­ti­sie­ren Nach­tei­le für ih­re Spe­di­teu­re.

Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) sag­te, die Min­dest­lohn-Re­geln für rei­ne Tran­sit­fahr­ten durch Deutsch­land wür­den vor­erst aus­ge­setzt. Dies sol­le als "Zei­chen gu­ter Nach­bar­schaft" so lan­ge gel­ten, bis eu­ro­pa­recht­li­che Fra­gen über­prüft sind, sag­te sie nach ei­nem Ge­spräch mit ih­rem pol­ni­schen Kol­le­gen Wla­dys­law Ko­si­n­i­ak-Ka­mysz in Ber­lin. Ein be­reits ein­ge­lei­te­tes Prüf­ver­fah­ren der EU da­zu dürf­te noch vor dem Som­mer ab­ge­schlos­sen sein. In Kraft bleibt der Min­dest­lohn al­ler­dings für Last­wa­gen, die in Deutsch­land be- und ent­la­den wer­den.

Nah­les räum­te ein, dass die Durch­set­zung der seit 1. Ja­nu­ar gel­ten­den ge­setz­li­chen Un­ter­gren­ze von 8,50 Eu­ro pro St­un­de in die­sem Punkt zu Un­ru­he in Nach­bar­län­dern ge­führt hat. "Wir möch­ten nicht, dass die Ein­füh­rung des Min­dest­lohns in Deutsch­land durch ei­nen Rechts­streit im Kreis der Mit­glieds­staa­ten be­las­tet wird." Nur für den Tran­sit wür­den da­her über­gangs­wei­se die Kon­trol­len aus­ge­setzt. Aus­län­di­sche Spe­di­tio­nen müs­sen kei­ne Auf­zeich­nun­gen er­stel­len. Nah­les be­ton­te, die Bun­des­re­gie­rung hal­te die Re­geln aber für eu­ro­pa­rechts­kon­form.

Da­ge­gen pro­tes­tie­ren vor al­lem Po­len und Tsche­chi­en. Der pol­ni­sche Ar­beits­mi­nis­ter Ko­si­n­i­ak-Ka­mysz nann­te das teil­wei­se Aus­set­zen des Min­dest­lohns ei­nen "ers­ten Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung". Er be­kräf­tig­te aber recht­li­che Be­den­ken. Die EU-Kom­mis­si­on be­grüß­te das Ein­len­ken Ber­lins. Sie be­kräf­tig­te, der deut­sche Min­dest­lohn ste­he "in vol­lem Ein­klang mit dem so­zi­al­po­li­ti­schem En­ga­ge­ment der EU-Kom­mis­si­on" - al­ler­dings müs­se er den EU-Vor­ga­ben ent­spre­chen. Nah­les kün­dig­te wei­te­re Ge­sprä­che mit Po­len an, et­wa über ei­ne Ver­ein­fa­chung von Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten.

CDU und CSU for­der­ten vor die­sem Hin­ter­grund er­neut Kor­rek­tu­ren bei der ge­ne­rel­len Min­dest­lohn-An­wen­dung. Uni­ons-Frak­ti­ons­vi­ze Mi­cha­el Fuchs (CDU) sag­te, Nah­les sol­le "auch die Bü­ro­kra­tie-Sor­gen der Un­ter­neh­mer bei uns im Land ernst neh­men." CSU-Lan­des­grup­pen­che­fin Ger­da Has­sel­feldt sag­te, drin­gend zu han­deln sei bei über­zo­ge­nen Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten für Un­ter­neh­men. Re­ge­lun­gen, die recht­lich nicht trag­fä­hig sei­en, müss­ten auf den Prüf­stand. "Bis da­hin for­de­re ich, die Kon­trol­len des Min­dest­lohns durch den Zoll aus­zu­set­zen."

Das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um er­teil­te dem um­ge­hend ei­ne Ab­sa­ge. "Ein Min­dest­stun­den­lohn ist nur so gut wie sei­ne nach­voll­zieh­ba­ren Kon­trol­len", sag­te ei­ne Spre­che­rin. Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) re­agier­te ge­las­sen auf das Aus­set­zen der ein­zel­nen Re­ge­lung. Der Vor­sit­zen­de Rei­ner Hoff­mann sag­te der "Stutt­gar­ter Zei­tung" (Sams­tag): "Für Mil­lio­nen Men­schen be­deu­tet der Min­dest­lohn mehr Ge­rech­tig­keit auf dem Lohn­zet­tel und für die Wirt­schaft mehr Kon­sum­kraft - vor­aus­ge­setzt, die Un­ter­neh­men hal­ten sich ans Ge­setz."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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