HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/061

Der Azu­bi 4.0 - Wie die Di­gi­ta­li­sie­rung die Leh­re ver­än­dert

Die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Ar­beits­welt ra­sant: Das be­ein­flusst auch die Aus­bil­dung. Was ist noch zeit­ge­mäß? Und was müs­sen Ju­gend­li­che in der Ar­beits­welt von mor­gen kön­nen? Auf der Bil­dungs­mes­se Did­ac­ta wer­den die­se Fra­gen be­han­delt
Wie kön­nen die Aus­bil­dun­gen den Ent­wick­lun­gen an­ge­passt wer­den?

22.02.2016. (dpa) - Ma­rie Klein ist 23 Jah­re alt und an­ge­hen­de Tisch­le­rin.

In der Be­rufs­schu­le be­fasst sie sich mit Holz­ar­ten und ih­ren Be­ar­bei­tungs­mög­lich­kei­ten - so wie Ge­ne­ra­tio­nen an­ge­hen­der Tisch­ler vor ihr.

"Da macht man nur die Ba­sics", sagt sie.

Die Ar­beit mit CNC-Ma­schi­nen, al­so mit per Com­pu­ter steu­er­ba­ren Werk­zeug­ma­schi­nen, kommt nur am Ran­de vor.

Da­bei prä­gen die­se Ma­schi­nen ih­ren All­tag in der Fir­ma.

"Die Ar­beit dar­an ge­hört bei uns im Be­trieb da­zu", sagt sie.

Als an­ge­hen­de Tisch­le­rin er­lebt sie im Klei­nen, was in vie­len Be­rei­chen der Ar­beits­welt pas­siert: Die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Art der Ar­beit ra­sant. Neue Her­stel­lungs- und Fer­ti­gungs­ver­fah­ren ent­ste­hen und ver­lan­gen Mit­ar­bei­tern neue Kom­pe­ten­zen ab. Ih­re Aus­bil­dung an der Be­rufs­schu­le hält mit den Neue­run­gen je­doch nur ein Stück weit mit.

Klein lernt ih­ren Be­ruf bei der Tisch­le­rei Bä­cher Berg­mann aus Köln. Die Fir­ma setzt ne­ben CNC-Ma­schi­nen auch 3D-Dru­cker ein. "So kön­nen wir mit viel hö­he­rer Ge­schwin­dig­keit pro­du­zie­ren, als wenn wir von Hand tisch­lern", er­klärt Ge­schäfts­füh­rer Se­bas­ti­an Bä­cher. Und die Ma­schi­nen las­sen sich für je­den Auf­trag neu pro­gram­mie­ren. Statt Mas­sen­wa­re zu fer­ti­gen, bleibt das End­pro­dukt sehr in­di­vi­du­ell.

Oh­ne die­se ef­fek­ti­ve­re Pro­duk­ti­on könn­te Bä­cher nur schwer am Markt be­ste­hen. Die In­dus­trie setzt das Hand­werk zu­neh­mend un­ter Druck. Die Maß­an­fer­ti­gung von Mö­beln für Kun­den war lan­ge Zeit dem Hand­werk vor­be­hal­ten. Nun er­mög­licht die Di­gi­ta­li­sie­rung neue Pro­duk­ti­ons­tech­ni­ken, die auch bei der Fer­ti­gung in ei­ner Fa­brik ei­ne ho­he In­di­vi­dua­li­sier­bar­keit von Pro­duk­ten er­laubt. Ein Bei­spiel: Ei­ne Kü­chen­bank nach Maß muss heu­te nicht der deut­sche Tisch­ler ma­chen. Sie kann oh­ne wei­te­res ei­ne deut­sche Fir­ma aus der Fa­brik in Chi­na kom­men las­sen. Um da mit­hal­ten zu kön­nen, muss Bä­cher mehr Pro­duk­te in kür­ze­rer Zeit an­fer­ti­gen. Die Ma­schi­nen hel­fen ihm da­bei.

Und in vie­len an­de­ren Aus­bil­dun­gen ist das ähn­lich. "Wir ge­hen da­von aus, dass die Aus­bil­dungs­be­ru­fe sich in den nächs­ten Jah­ren stark wan­deln wer­den", sagt Alex­an­der Bi­ckel von der Fir­ma Fes­to Did­ac­tic auf der Bil­dungs­mes­se Did­ac­ta in Köln. Das Un­ter­neh­men bie­tet Lehr­mit­tel für die tech­ni­sche Aus­bil­dung an. Spä­tes­tens in fünf Jah­ren sei der Druck durch die Di­gi­ta­li­sie­rung so groß, dass ganz neue Be­rufs­bil­der ent­ste­hen.

Schon jetzt ist die Ver­än­de­rung der be­ste­hen­den Aus­bil­dungs­be­ru­fe in vol­lem Gan­ge. Beim Bun­des­in­sti­tut für Be­rufs­bil­dung (BIBB) gibt es Über­le­gun­gen, wie be­ste­hen­de Aus­bil­dun­gen den neu­en Ent­wick­lun­gen an­ge­passt wer­den kön­nen. So wer­den zum Bei­spiel die be­ste­hen­den vier IT-Aus­bil­dun­gen der­zeit grund­le­gend über­ar­bei­tet, er­klärt Tor­ben Pa­dur vom BIBB. Der Be­ruf des Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gen soll sich so ver­än­dern, dass er den An­for­de­run­gen an den Fach­ar­bei­ter 4.0 ge­nügt. Das be­zieht sich auf den Be­griff der In­dus­trie 4.0, in der die Ma­schi­nen ei­ner Fa­brik zu­neh­mend un­ter­ein­an­der ver­netzt sind.

Auch in der Aus­bil­dung im Ein­zel­han­del könn­te es Än­de­run­gen ge­ben. "Es gibt Über­le­gun­gen, ob beim Ein­zel­han­dels­kauf­mann das Qua­li­fi­ka­ti­ons­fach E-Com­mer­ce ein­ge­führt wer­den muss", er­klärt So­phia Tie­mann, Ge­schäfts­füh­re­rin der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern in Nord­rhein-West­fa­len.

Die Ar­beits­welt und so­mit auch die Aus­bil­dun­gen sind im Wan­del. Doch was be­deu­ten die Um­brü­che nun für die Ju­gend­li­chen? Was müs­sen sie in Zu­kunft kön­nen? "Aus­bil­dun­gen wer­den in Zu­kunft viel in­ter­dis­zi­pli­nä­rer sein, als sie es heu­te sind", glaubt Bi­ckel. IT, Me­cha­nik, Ma­schi­nen­bau und Da­ten­ver­ar­bei­tung - was heu­te un­ter Um­stän­den noch stark ge­trennt ist, wird künf­tig in der Aus­bil­dung stär­ker mit­ein­an­der kom­bi­niert.

Da­mit ein­her geht ei­ne hö­he­re Kom­ple­xi­tät der Aus­bil­dun­gen, sagt Pa­dur. Gleich­zei­tig wer­den vie­le Auf­ga­ben aber auch ein­fa­cher, da Be­rufs­tä­ti­ge sie nicht mehr selbst er­le­di­gen müs­sen, son­dern Ma­schi­nen das für sie ma­chen.

Wich­tig ist, sich neu­en Tech­no­lo­gi­en nicht zu ver­schlie­ßen, son­dern sich ak­tiv da­mit zu be­schäf­ti­gen, rät Bi­ckel. Das be­deu­te nicht zwin­gend, dass je­der pro­gram­mie­ren ler­nen muss. Den Be­ruf des Pro­gram­mie­rers ge­be es schließ­lich schon. Aber man soll­te nicht mit Com­pu­tern auf Kriegs­fuß ste­hen, wie es Tisch­ler Bä­cher for­mu­liert.

Ma­rie Klein hat­te bis zur Aus­bil­dung mit Com­pu­tern nicht viel am Hut. Sie hat­te we­der in der Schu­le ei­nen Com­pu­ter­kurs, noch spiel­te sie pri­vat ger­ne PC-Spie­le. In die Ar­beit an CNC-Ma­schi­nen ist sie den­noch gut rein­ge­kom­men. "Es ist schon ganz schön kom­pli­ziert", sagt sie. "Doch dann ha­be ich mich rein­ge­fuchst, und dann geht es auch."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. November 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de