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BA-Chef für frei­wil­li­ge Ren­te mit 70 - Ga­bri­el setzt auch auf Frau­en

Man­che seh­nen das En­de ih­res Be­rufs­le­bens seit Jah­ren her­bei: An­de­re wür­den ger­ne noch ein paar Jah­re län­ger ar­bei­ten. Auf sie setzt Bun­des­agen­tur-Chef Wei­se, wenn es um die Be­kämp­fung der dro­hen­den Fach­kräf­te­lü­cke geht - und for­dert ent­spre­chen­de An­rei­ze
Rentnerpaar auf Parkbank Wie kann der Fach­kräf­te­be­darf ge­deckt wer­den?

03.01.2015. (dpa) - An­ge­sichts des Fach­kräf­te­be­darfs plä­diert der Vor­stands­chefs der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA), Frank-Jür­gen Wei­se, für ei­ne Ren­te mit 70 - auf frei­wil­li­ger Ba­sis.

Aus sei­ner Sicht muss es zu­sätz­li­che An­rei­ze ge­ben, um ei­ne Be­schäf­ti­gung über das ge­setz­li­che Ren­ten­al­ter hin­aus at­trak­ti­ver zu ma­chen.

"Fle­xi­ble Aus­stie­ge aus dem Er­werbs­le­ben in Ren­te sind grund­sätz­lich ein gu­tes Mo­dell", sag­te er der Zei­tung "Die Welt" (Frei­tag).

Die Re­gie­rung ha­be den frü­he­ren Aus­stieg mit der Ren­te mit 63 er­mög­licht. "Man soll­te nun auch An­rei­ze da­für set­zen, dass Ar­beit­neh­mer, die fit sind, frei­wil­lig bis 70 ar­bei­ten kön­nen", so Wei­se.

Nach Zah­len der Bun­des­agen­tur gin­gen En­de Ju­ni 2014 knapp 173 000 Äl­te­re zwi­schen 65 und 74 Jah­ren ei­ner so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Be­schäf­ti­gung nach. In der Al­ters­grup­pe von 65 bis 69 wa­ren es zum sel­ben Zeit­punkt 130 000.

Nach Er­kennt­nis­sen von Ar­beits­markt­for­schern gibt es für Äl­te­re ganz un­ter­schied­li­che Mo­ti­ve, wei­ter­hin ih­ren Be­ruf aus­zu­üben. "Da gibt es je­ne, für die Ar­beit ei­ne zen­tra­le Rol­le im Le­ben spielt und bei de­nen die Tren­nung zwi­schen Ar­beit und Pri­vat­le­ben eh' schon im­mer flie­ßend war", er­läu­ter­te am Frei­tag der Vi­ze­di­rek­tor des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB), Ul­rich Wal­wei. Zu­neh­mend spiel­ten bei der Fra­ge ei­nes spä­te­ren Ru­he­stands aber auch pri­va­te Grün­de ei­ne Rol­le, et­wa Kin­der, die noch in der Aus­bil­dung steck­ten.

Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­bri­el (SPD) setzt zur Be­kämp­fung des Fach­kräf­te­man­gels nicht al­lein auf mehr äl­te­re Ar­beit­neh­mer. "Wir müs­sen auch die Ar­beits­markt­chan­cen für Frau­en, An- und Un­ge­lern­te so­wie Men­schen mit Be­hin­de­rung wei­ter ver­bes­sen", sag­te er am Frei­tag. Zu­gleich sei es er­freu­lich, dass im­mer mehr äl­te­re Men­schen in Be­schäf­ti­gung stün­den. Laut ei­ner vom Mi­nis­te­ri­um ge­för­der­ten Stu­die müs­sen in 139 Be­ru­fen, bei de­nen schon heu­te schwer Fach­kräf­te zu be­kom­men sind, in den nächs­ten 15 Jah­ren mehr als zwei Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te er­setzt wer­den.

Ei­ner der fünf Wirt­schafts­wei­sen, Lars P. Feld, hält den spä­te­ren Ren­ten­ein­tritt so­gar für zwin­gend. "Der nächs­te gro­ße Schritt ist in der Tat ei­ne Aus­wei­tung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters über die 67 hin­aus", sag­te er dem Sen­der SWR In­fo.

Auf Kri­tik stieß hin­ge­gen Wei­ses Vor­schlag bei der Links­par­tei. "Ich hal­te die­sen Vor­schlag für aben­teu­er­lich und völ­lig ver­fehlt", sag­te ihr Vor­sit­zen­der Bernd Ri­ex­in­ger den "Stutt­gar­ter Nach­rich­ten" (Sams­tag). "Wir ha­ben doch gar nicht das Pro­blem, dass mas­sen­haft äl­te­re Men­schen län­ger ar­bei­ten wol­len." Die zwei­te Vor­sit­zen­de Kat­ja Kip­ping sag­te dem Sen­der MDR In­fo: "Nach­dem man jetzt schon die Ge­ne­ra­ti­on Prak­ti­kum sehr breit­flä­chig in be­fris­te­te Jobs ge­presst hat, soll jetzt auch die Ge­ne­ra­ti­on Ü 65 in be­fris­te­te Jobs ge­presst wer­den und das hal­te ich für falsch."

Aus Sicht des Vor­sit­zen­den der CDU-So­zi­al­aus­schüs­se (CDA), Karl-Jo­sef Lau­mann, muss sich län­ge­res Ar­bei­ten po­si­tiv auf die Ren­te aus­wir­ken. "Wir wol­len noch in die­sem Jahr da­für sor­gen, dass der fle­xi­ble Über­gang ren­ten­stei­gernd wirkt", sag­te er der "West­deut­schen All­ge­mei­nen Zei­tung" (Sams­tag). Der­zeit dür­fen Rent­ner dem Be­richt zu­fol­ge zwar ne­ben der Ren­te un­be­grenzt hin­zu­ver­die­nen, der Ar­beit­ge­ber muss aber Ren­ten­bei­trä­ge zah­len, oh­ne dass dies die Ren­te des Be­schäf­tig­ten er­höht.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. April 2016

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