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BA-Chef Wei­se ver­tei­digt nied­ri­ge Job­hür­den für Flücht­lin­ge

In Deutsch­land dür­fen Flücht­lin­ge be­reits nach drei Mo­na­ten ar­bei­ten: Das Land hat da­mit eu­ro­pa­weit die nied­rigs­ten Job­hür­den für Asyl­su­chen­de. Das sei ein Fehl­an­reiz, glau­ben man­che. Bun­des­agen­tur-Chef Wei­se hält da­ge­gen
Wel­che Zu­gangs­mög­lich­kei­ten ha­ben Flücht­lin­ge zum Ar­beits­markt?

01.01.2016. (dpa) - Der Vor­stands­chef der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA), Frank-Jür­gen Wei­se, sieht kei­ne Al­ter­na­ti­ven zu ei­nem mög­lichst frü­hen Ein­stieg von Flücht­lin­gen in den Ar­beits­markt.

Dass sie in­zwi­schen schon nach drei Mo­na­ten ar­bei­ten könn­ten, hal­te er wei­ter­hin für die "rich­ti­ge Re­ge­lung, weil sie mei­ner Phi­lo­so­phie folgt: Wenn je­mand hier ei­ne ho­he Blei­be­chan­ce hat, dann ist die bes­te In­te­gra­ti­on in die Ge­sell­schaft über Ar­beit", sag­te Wei­se der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Deutsch­land hat nach BA-An­ga­ben eu­ro­pa­weit die nied­rigs­ten Job­hür­den für Flücht­lin­ge.

"Ich fin­de es falsch zu sa­gen, die­se nied­ri­ge Hür­de führt zu mehr Flücht­lin­gen."

Ei­nen Fehl­an­reiz se­he er in der Re­ge­lung nicht. Und er sei auch da­ge­gen, die Hür­de wie­der hoch­zu­set­zen, sag­te der BA-Chef. Na­tür­lich soll­te Ar­beit kein Flucht­grund für Men­schen sein. Für die West­bal­kan-Flücht­lin­ge ge­be es des­halb jetzt die Mög­lich­keit, le­ga­le Ar­beits­vi­sa zu er­hal­ten.

"An­ders ist es mit ver­folg­ten Men­schen. Wir müs­sen mit ih­nen in­ten­siv ar­bei­ten, so­fern sie ei­ne ho­he Chan­ce ha­ben, in Deutsch­land zu blei­ben", sag­te Wei­se. Zu glau­ben, man kön­ne Men­schen da­mit ab­schre­cken, dass man sie erst nach län­ge­rer Zeit ar­bei­ten lässt, "hal­te ich für ei­nen fal­schen Weg", un­ter­strich der Be­hör­den­chef.

Die Bun­des­re­gie­rung hat­te En­de 2014 die Zu­gangs­mög­lich­keit für Flücht­lin­ge zum deut­schen Ar­beits­markt ge­lo­ckert. Da­nach dür­fen sie in­zwi­schen drei Mo­na­ten nach ih­rer Re­gis­trie­rung in Deutsch­land ar­bei­ten, so­fern es da­für im Rah­men der so­ge­nann­ten Vor­rang­prü­fung kei­nen pas­sen­den ein­hei­mi­schen Be­wer­ber gibt.

An der Vor­rang­prü­fung soll­te nach Wei­ses Ein­schät­zung auch wei­ter­hin fest­ge­hal­ten wer­den - al­ler­dings un­ter stär­ke­rer Be­rück­sich­ti­gung re­gio­na­ler Be­son­der­hei­ten. "In Re­gio­nen, bei de­nen wir Hin­wei­se ha­ben, dass der Ar­beits­markt nicht gut läuft, wird die Vor­rang­prü­fung in­ten­si­ver und kri­ti­scher wahr­ge­nom­men als in Re­gio­nen, in de­nen of­fen­sicht­lich ein gro­ßer Kräf­te­be­darf be­steht", er­läu­ter­te Wei­se.

Der­zeit prü­fe man, nach wel­chen Kri­te­ri­en man die Vor­rang­prü­fung ver­ein­fa­chen und be­schleu­ni­gen kön­ne. "Die Fra­ge ist - und da wer­den wir ler­nen müs­sen - ob die Ar­beits­lo­sen­quo­te in ei­ner Re­gi­on al­lein aus­reicht als Kri­te­ri­um oder ob man da wei­ter dif­fe­ren­zie­ren muss", sag­te der Bun­des­agen­tur-Chef. Even­tu­ell müs­se man auch noch stär­ker prü­fen, ob es in ei­ner Re­gi­on un­ter Um­stän­den Bran­chen gibt, de­ren Ar­beits­kräf­te­be­darf bis­her nicht ge­deckt wer­den konn­te. Als Bei­spiel nann­te Wei­se die Gas­tro­no­mie.

Zu­gleich ver­tei­dig­te Wei­se Über­le­gun­gen, von Mit­te nächs­ten Jah­res an die Zahl der ar­beits­lo­sen Flücht­lin­ge in der Ar­beits­markt­sta­tis­tik ex­tra aus­zu­wei­sen. "Es wird wei­ter­hin nur ei­ne Ar­beits­lo­sen­quo­te ge­ben. Al­ler­dings kann man künf­tig bes­ser un­ter­schei­den, wel­cher Ar­beits­lo­se wel­chen Auf­ent­halts­sta­tus hat." Das sei kei­nes­wegs ei­ne "Schön­fär­be­rei" und auch nicht auf po­li­ti­schen Druck er­folgt, son­dern die­ne der Trans­pa­renz in der Ar­beits­markt­sta­tis­tik. "Es gibt jetzt ei­ne neue Un­ter­grup­pe Flücht­lin­ge, um die Ar­beits­lo­sen­zahl völ­lig trans­pa­rent zu ma­chen", sag­te Wei­se.

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Letzte Überarbeitung: 8. Oktober 2016

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