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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/089

Bay­er baut in Deutsch­land 4.500 Stel­len ab

Ge­richts­pro­zes­se in den USA und aus­lau­fen­de Pa­ten­te ma­chen Bay­er zu schaf­fen. Ein um­fas­sen­des Spar­pro­gramm soll hel­fen - zu Las­ten der Be­leg­schaft
Stellenabbau, Entlassungen, Entlassungswelle

09.04.2019. (dpa/fle) - Der Phar­ma- und Agrar­che­mie-Kon­zern Bay­er zückt den Rot­stift und streicht in Deutsch­land 4.500 Stel­len.

Das ist et­wa je­de sieb­te Stel­le, hier­zu­lan­de hat der Kon­zern bis­her noch 32 100 Stel­len. Da­mit wol­le man die "Wett­be­werbs­fä­hig­keit ver­bes­sern und die Pro­fi­ta­bi­li­tät stei­gern", sag­te ein Kon­zern­spre­cher am Diens­tag in Le­ver­ku­sen.

Der Kon­zern wol­le "schlan­ker, schnel­ler und fle­xi­bler" wer­den. Die Stel­len sol­len un­ter an­de­rem über Ab­fin­dun­gen ab­ge­baut wer­den. Be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen bei Bay­er sind in Deutsch­land oh­ne­hin bis En­de 2025 aus­ge­schlos­sen.

Wo ge­nau die Jobs ge­stri­chen wer­den, ist noch weit­ge­hend of­fen. Klar ist, dass am Phar­ma­stand­ort Wup­per­tal 350 Stel­len in der Pro­duk­ti­on weg­fal­len - ei­ne An­la­ge zur Her­stel­lung ei­nes so­ge­nann­ten Fak­tor-8-Wirk­stof­fes, der die Blut­ge­rin­nung ver­stärkt, wur­de noch vor dem An­lauf auf­ge­ge­ben. Hin­zu kom­men noch Kür­zun­gen in der For­schung und Ent­wick­lung und in der Ver­wal­tung - da­zu macht Bay­er kei­ne An­ga­ben. Laut dor­ti­gem Be­triebs­rat fal­len ins­ge­samt in Wup­per­tal min­des­tens 750 Stel­len weg, wie der WDR be­rich­te­te.

Zweit­größ­ter Stand­ort hin­ter der Zen­tra­le in Le­ver­ku­sen ist Ber­lin als Sitz des frü­he­ren Phar­ma­un­ter­neh­mens Sche­ring, das 2006 über­nom­men wur­de. Zu­dem spie­len Dor­ma­gen und Mon­heim als Agrar­che­mie-An­la­gen noch ei­ne gro­ße Rol­le für den Kon­zern in Deutsch­land.

Die Spar­plä­ne der Le­ver­ku­se­ner sind nicht neu, sie wur­den be­reits im No­vem­ber vor­ge­stellt - aber oh­ne ei­ne Zahl für Deutsch­land. Da­mals wur­de le­dig­lich mit­ge­teilt, dass welt­weit 12.000 Stel­len weg­fal­len, ein Zehn­tel des glo­ba­len Bay­er-Net­zes. Nun wird deut­lich, dass das In­land an­tei­lig här­ter be­trof­fen ist von der Um­struk­tu­rie­rung als das Aus­land - welt­weit sind es rund 10 Pro­zent und in Deutsch­land 14 Pro­zent der Stel­len. Dass hier­zu­lan­de 4.500 Ar­beits­plät­ze ge­stri­chen wer­den, war be­reits am Mon­tag an die Öf­fent­lich­keit durch­ge­si­ckert.

Durch die Re­struk­tu­rie­rung will der Kon­zern welt­weit ab 2022 pro Jahr 2,6 Mil­li­ar­den EUR ein­spa­ren. Die Ein­mal­kos­ten - et­wa für Ab­fin­dun­gen - be­zif­fert der Kon­zern auf 4,4 Mil­li­ar­den EUR.

Der Be­triebs­rat re­agier­te kri­tisch. In ei­nem in­ter­nen Schrei­ben des Ge­samt­be­triebs­rats an die Be­leg­schaft, aus der die "Rhei­ni­sche Post" zi­tier­te, heißt es: "Die Plä­ne des Un­ter­neh­mens ge­hen an die Sub­stanz. Die Be­trof­fen­heit ist al­ler­or­ten im Un­ter­neh­men groß." Die Zen­tra­le in Le­ver­ku­sen wer­de es wohl am här­tes­ten tref­fen, hieß es.

Die Kon­di­tio­nen, un­ter de­nen die An­ge­stell­ten aus­schei­den kön­nen, ste­hen be­reits seit Ja­nu­ar fest. So bie­tet die Fir­ma äl­te­ren Mit­ar­bei­tern "Fle­xi Auf­he­bungs­ver­trä­ge" an, die über sechs Jah­re lau­fen. Sie er­mög­li­chen, dass Mit­ar­bei­ter schon ab 57 Jah­ren vor­zei­tig in Ru­he­stand ge­hen kön­nen und ma­xi­mal 7,2 Pro­zent Ab­schlag von der ge­setz­li­che Ren­te ver­kraf­ten müs­sen. Jün­ge­re Bay­er-Mit­ar­bei­ter kön­nen fer­ner ho­he Ab­fin­dun­gen in An­spruch neh­men.

Im Mit­tel­punkt des öf­fent­li­chen In­ter­es­ses an Bay­er ste­hen der­zeit die Ge­richts­pro­zes­se in den USA we­gen an­geb­li­cher Krebs­ri­si­ken des gly­phos­at­hal­ti­gen Un­kraut­ver­nich­ters Roun­dup. Kon­zern­chef Wer­ner Bau­mann hat je­doch auch an an­de­ren Fron­ten zu kämp­fen. So ent­wi­ckel­te sich das Ge­schäft mit re­zept­frei­en Me­di­ka­men­ten trä­ge. Im Phar­ma­ge­schäft müs­sen neue Wachs­tums­trei­ber her, da in ei­ni­gen Jah­ren der Pa­tent­schutz für wich­ti­ge Um­satz­brin­ger wie den Ge­rin­nungs­hem­mer Xar­el­to oder das Au­gen­me­di­ka­ment Ey­lea weg­fal­len wird.

Ers­te Fort­schrit­te beim Um­bau gibt es aber schon. So dürf­te der ge­plan­te Ver­kauf Tier­ge­sund­heits­spar­te meh­re­re Mil­li­ar­den Eu­ro in die Kas­sen spü­len. Zu­dem ist die Ver­äu­ße­rung des 60-pro­zen­ti­gen An­teils am Che­mie­park-Be­trei­ber Cur­ren­ta dem Ver­neh­men nach auf der Ziel­ge­ra­den. Vom Hof sol­len zu­dem die schwä­cheln­den Mar­ken Cop­per­to­ne und Dr. Scholl's aus der Spar­te für re­zept­freie Me­di­ka­men­te.

Fort­schrit­te mach­te zu­letzt das Phar­ma­ge­schäft der Le­ver­ku­se­ner. Bay­er si­cher­te sich et­wa die vol­len Rech­te an den er­folg­ver­spre­chen­den An­ti-Krebs-Me­di­ka­men­ten La­rot­rec­tinib und Lo­xo-195, nach­dem der For­schungs­part­ner Lo­xo On­co­lo­gy durch den US-Phar­ma­ri­va­len Eli Lil­ly ge­schluckt wor­den war.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 10. April 2019

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