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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/105

Bay­erns Ar­beits­markt brummt wie­der

Die Ar­beits­lo­se­quo­te in Bay­ern sinkt im April auf 2,8 Pro­zent und da­mit auf den nied­rigs­ten Wert seit 1991: Doch es gibt auch we­ni­ger Job­an­ge­bo­te
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30.04.2019. (dpa/fle) - Die Ar­beits­lo­sen­quo­te in Bay­ern hat im April wie­der die Drei-Pro­zent-Mar­ke un­ter­schrit­ten.

Die Quo­te sank im Ver­gleich zum März um 0,2 Punk­te auf 2,8 Pro­zent, wie die Re­gio­nal­di­rek­ti­on der Bun­des­agen­tur für Ar­beit am Diens­tag in Nürn­berg mit­teil­te.

Dem­nach wa­ren im April 204.108 Men­schen im Frei­staat oh­ne Job. Das ist der nied­rigs­te Wert für die­sen Mo­nat seit 1991. Im Ver­gleich zum März wa­ren da­mit in Bay­ern 16.882 Men­schen we­ni­ger ar­beits­los - das ent­spricht ei­nem Rück­gang um 7,6 Pro­zent.

Vor ei­nem Jahr hat­te die Quo­te 2,9 Pro­zent be­tra­gen. Ver­gli­chen mit dem Vor­jahr sank die Zahl der Job­su­cher um 8.832. Das sind 4,1 Pro­zent we­ni­ger als vor ei­nem Jahr. "Die Ar­beits­lo­sig­keit ging durch die Früh­jahrs­be­le­bung zu­rück. Es ist wei­ter von ei­ner gu­ten Ent­wick­lung auf dem Ar­beits­markt aus­zu­ge­hen", sag­te der Chef der Re­gio­nal­di­rek­ti­on, Ralf Holt­z­wart. Trotz der ver­hal­te­nen Kon­junk­tur­aus­sich­ten sei ein An­stieg der Ar­beits­lo­sig­keit mo­men­tan nicht zu be­fürch­ten.

Der Be­stand an of­fe­nen Stel­len ging den An­ga­ben zu­fol­ge im April leicht zu­rück auf 128.260, das sind 0,4 Pro­zent we­ni­ger als im Vor­jahr. Hier sei ins­ge­samt ei­ne an­hal­ten­de rück­läu­fi­ge Ent­wick­lung er­kenn­bar, sag­te Holt­z­wart. Auch die Zahl der neu ge­mel­de­ten Stel­len ging nach un­ten. In den ers­ten vier Mo­na­ten des Jah­res re­gis­trier­ten die Ar­beits­agen­tu­ren 119.953 neu ge­mel­de­te Stel­len - das sind 4,5 Pro­zent oder 5.602 Job­an­ge­bo­te we­ni­ger als im Vor­jahr.

Da­bei zei­gen sich deut­li­che Bran­chen­un­ter­schie­de: Wäh­rend im Dienst­leis­tungs­sek­tor und in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung seit Jah­res­be­ginn mehr Stel­len ge­mel­det wur­den als im Vor­jah­res­zeit­raum, wa­ren es aus der Ar­beit­neh­mer­über­las­sung, dem ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be und dem Han­del we­ni­ger. Vor al­lem in An­walts- und Steu­er­be­ra­ter­kanz­lei­en so­wie in In­ge­nieur- und Ar­chi­tek­tur­bü­ros wer­den der­zeit Fach­kräf­te be­nö­tigt.

Die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Be­schäf­tig­ten stieg noch ein­mal an. Nach ak­tu­el­len Hoch­rech­nun­gen der Bun­des­agen­tur (BA) wa­ren im Fe­bru­ar 5,644 Mil­lio­nen Men­schen in Bay­ern so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig be­schäf­tigt. Da­mit stieg de­ren Zahl im Ver­gleich zum Ja­nu­ar leicht um 0,4 Pro­zent oder 10.900 Men­schen. Im Ver­gleich zum Vor­jahr be­deu­tet das ei­nen An­stieg um knapp 130.000 Men­schen.

Von der gu­ten Ver­fas­sung des baye­ri­schen Ar­beits­markt pro­fi­tie­ren auch Men­schen mit Be­hin­de­rung, aber nicht ganz so stark wie an­de­re Per­so­nen­grup­pen. Ak­tu­ell sind nach An­ga­ben der BA 20.555 schwer­be­hin­der­te Men­schen im Frei­staat ar­beits­los ge­mel­det, das sind nur 0,1 Pro­zent we­ni­ger als vor ei­nem Jahr. Pri­va­te und öf­fent­li­che Ar­beit­ge­ber mit min­des­tens 20 Ar­beits­plät­zen sind ver­pflich­tet, auf min­des­tens fünf Pro­zent der Stel­len schwer­be­hin­der­te Men­schen zu be­schäf­ti­gen. Mehr als 60 Pro­zent der Ar­beit­ge­ber ka­men 2017 ih­rer Pflicht aber nicht oder nicht aus­rei­chend nach, schwer­be­hin­der­te Men­schen zu be­schäf­tig­ten. Sie müs­sen des­halb rund 113 Mil­lio­nen EUR zah­len.

Bay­erns DGB-Chef Mat­thi­as Je­na ver­lang­te ei­ne Bil­dungs­of­fen­si­ve für Un- und An­ge­lern­te. In Bay­ern ar­bei­te­ten mehr als 700 000 Men­schen oh­ne Be­rufs­aus­bil­dung und wei­te­re 90.000 oh­ne Be­rufs­aus­bil­dung sei­en ar­beits­los. "Men­schen oh­ne be­ruf­li­chen Ab­schluss zäh­len zu den Hoch­ri­si­ko­grup­pen am Ar­beits­markt. Hier sind in ers­ter Li­nie die Un­ter­neh­men ge­fragt, schwä­che­ren Be­wer­bern ei­ne Chan­ce zu ge­ben", for­der­te Je­na.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der (CSU) freu­te sich über die neu­en Zah­len: "Bay­ern ist das Land der Chan­cen: Hier be­kommt fast je­der Ar­beit. Heu­te wie­der der Be­weis: Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sinkt auf 2,8 Pro­zent. Das ist na­he­zu Voll­be­schäf­ti­gung", schrieb er per Twit­ter. Ar­beits­mi­nis­te­rin Kers­tin Schrey­er (CSU) be­ton­te, dass "noch nie so vie­le Men­schen in Bay­ern ei­ner Ar­beit nach­ge­gan­gen sind wie der­zeit."

Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Ver­ei­ni­gung der baye­ri­schen Wirt­schaft (vbw), Ber­tram Bros­sardt, mahn­te, an­ge­sichts ei­nes stot­tern­den Kon­junk­tur­mo­tors dürf­ten die Wei­chen in der Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik nicht in die fal­sche Rich­tung ge­stellt wer­den. Teu­re Ren­ten­ver­spre­chen be­las­te­ten die So­zi­al­kas­sen und der Rück­kehran­spruch von Teil­zeit in Voll­zeit wir­ke sich ne­ga­tiv auf die Fle­xi­bi­li­tät der Un­ter­neh­men aus.

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Letzte Überarbeitung: 2. Mai 2019

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