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Vie­le Be­am­te er­hal­ten zeit­ver­setzt Be­sol­dung - Kri­tik von Be­am­ten­bund

Schon häu­fen sich em­pör­te E-Mails auf dem Tisch von Be­am­ten­bund­chef Stich: Denn Grün-Rot über­trägt er­neut das Ta­rif­er­geb­nis nicht zeit­gleich auf die Be­am­ten. Das Ver­hält­nis zwi­schen den Staats­die­nern und der Lan­des­re­gie­rung steu­ert auf ei­ne neue Eis­zeit zu
Feuerwehrmann Polizist Arzt Was sind die Grün­de für die zeit­li­che Ver­schie­bung?

22.04.2015. (dpa) - Grün-Rot über­trägt das Ta­rif­er­geb­nis des öf­fent­li­chen Diens­tes auf die meis­ten Staats­die­ner im Süd­wes­ten nur zeit­lich ver­zö­gert.

Das emp­fin­det der Be­am­ten­bund Ba­den-Würt­tem­berg als Zei­chen man­geln­der Wert­schät­zung.

"Das Land spart an den Be­am­ten", kri­ti­sier­te Lan­des­chef Vol­ker Stich am Diens­tag in Stutt­gart.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) und Fi­nanz­mi­nis­ter Nils Schmid (SPD) spra­chen hin­ge­gen von ei­ner an­ge­sichts von "Spar­zwän­gen" fai­ren und so­zi­al ge­rech­ten Lö­sung.

Al­le Be­am­ten er­hiel­ten bis En­de die­se Jah­res die­sel­be Er­hö­hung wie die Ta­rif­an­ge­stell­ten - die un­te­ren Be­sol­dungs­grup­pen so­fort, die mitt­le­ren mit vier und die obe­ren mit acht Mo­na­ten Ver­zö­ge­rung.

Da­mit sei auch das Sche­ma der letz­ten Über­tra­gung nach sechs, neun und zwölf Mo­na­ten ab­ge­mil­dert. Das Land le­ge Wert auf die in­halts­glei­che Über­tra­gung, um die Be­am­ten nicht von der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung ab­zu­kop­peln. Zu­gleich kün­dig­te Schmid an, mit je 30 Mil­lio­nen Eu­ro in die­sem und im kom­men­den Jahr wür­den struk­tu­rel­le Ver­bes­se­run­gen für die Staats­die­ner er­reicht; zum Per­so­nal­ent­wick­lungs­plan 2020 ge­hör­ten die Ein­füh­rung von Job-Ti­ckets, Mit­tel für be­schleu­nig­te Be­för­de­rung und wei­te­re Schrit­te, für die er Vor­schlä­ge der Ge­werk­schaf­ten er­war­te.

Wie be­reits nach dem ver­gan­ge­nen Ab­schluss für die Ta­rif­be­schäf­tig­ten wer­de die An­he­bung der Be­sol­dung für das Gros der Be­am­ten auf ei­nen spä­te­ren Zeit­punkt ver­legt, mo­nier­te Stich. Das Land spa­re 285 Mil­lio­nen Eu­ro in die­sem und im nächs­ten Jahr, rech­ne­te er vor. Die­se Mit­tel wür­den dann aus­ge­ge­ben, um das "Kli­en­tel von Grün-Rot zu be­die­nen". Die Be­am­ten sei­en bei der Land­tags­wahl 2011 "Kö­nigs­ma­cher" ge­we­sen - 2016 be­stimmt nicht mehr. Kret­sch­mann ließ sich durch die in­di­rek­te Dro­hung, er er­hal­te die Quit­tung für die Zeit­ver­zö­ge­rung bei der Land­tags­wahl, nicht aus der Ru­he brin­gen. "Wenn ich mich da­von bei­ein­dru­cken lie­ße, könn­te ich meint Amt nie­der­le­gen." Er füg­te hin­zu: "Wir ori­en­tie­ren uns am Wohl des Lan­des."

Nach dem Ta­rif­ab­schluss wer­den die Ge­häl­ter für die rund 800 000 An­ge­stell­ten der Bun­des­län­der rück­wir­kend zum 1. März 2015 um 2,1 Pro­zent er­höht. Auf die­se an­ge­ho­be­nen Ein­kom­men wer­den zum 1. März 2016 noch­mals 2,3 Pro­zent, min­des­tens aber 75 Eu­ro, drauf­ge­schla­gen. Von ei­ner Über­tra­gung sind nach An­ga­ben des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums rund 181 000 Lan­des­be­am­te im ak­ti­ven Dienst im Süd­wes­ten be­trof­fen.

Der CDU-Spit­zen­kan­di­dat zur Land­tags­wahl und Frak­ti­ons­chef, Gui­do Wolf, sag­te: "Zwar konn­ten auch un­ter CDU-ge­führ­ten Lan­des­re­gie­run­gen die Ta­rif­ab­schlüs­se nicht im­mer eins zu eins über­nom­men wer­den, aber das pas­sier­te nur in wirt­schaft­lich schlech­ten Zei­ten und auch nur zeit­ver­zö­gert." Den Be­am­ten ste­he in Zei­ten von Re­kord­steu­er­ein­nah­men und wirt­schaft­li­chen Auf­schwungs aber ei­ne fai­re Be­hand­lung zu. Ähn­lich ar­gu­men­tier­te FDP-Frak­ti­ons­chef Hans-Ul­rich Rül­ke: "Jetzt ist die La­ge ganz an­ders, die Wirt­schaft flo­riert, die Steu­er­ein­nah­men sind sta­bil auf Re­kord­ni­veau und die Lan­des­re­gie­rung gibt das Geld in vol­len Zü­gen aus, statt zu spa­ren." Es ge­be al­so kei­nen Grund, von ei­nem Groß­teil der Be­am­ten ein Son­der­op­fer zu ver­lan­gen.

Der DGB be­grüß­te, dass Grün-Rot die zeit­li­che Ver­schie­bung der Über­tra­gung ab­schwächt und die un­te­ren Be­sol­dungs­grup­pen so­fort mehr Geld er­hal­ten. "Un­se­re be­harr­li­chen Ge­sprä­che und Ar­gu­men­te ha­ben Wir­kung ge­zei­tigt", so Lan­des­vi­ze Ga­brie­le Fren­zer-Wolf. An­ge­sichts der gu­ten Haus­halts­la­ge kön­ne sie je­doch nicht nach­voll­zie­hen, dass der Ab­schluss nicht voll­um­fäng­lich über­tra­gen wer­de. GEW-Lan­des­che­fin Do­ro Mo­ritz sag­te: "Es ist nicht ak­zep­ta­bel, dass die Lehr­kräf­te, die schon seit CDU/FDP-Zei­ten ei­ne ab­ge­senk­te Ein­gangs­be­sol­dung ha­ben, am meis­ten von der Ver­schie­bung be­trof­fen sind."

In an­de­ren Bun­des­län­dern mit Aus­nah­me von Hes­sen wür­den die Ta­rif­er­geb­nis­se eins zu eins über­nom­men, sag­te Stich. In Hes­sen mit ei­ner Null-Run­de für die Be­am­ten sei ei­ne Ver­fas­sungs­kla­ge wahr­schein­li­cher als in Ba­den-Würt­tem­berg. Das Land wer­de aber den­noch zu den bun­des­wei­ten Schluss­lich­tern ge­hö­ren. Die Fra­ge von Pro­test­ak­tio­nen wer­de am Mitt­woch im Lan­des­haupt­vor­stand des Be­am­ten­bun­des dis­ku­tiert. Man müs­se aber im­mer aus­lo­ten, ob der Auf­wand loh­ne, wenn oh­ne­hin kei­ne Än­de­rung zu er­rei­chen sei.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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