HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/061

Viel Bei­fall für die Agen­da 2010 - jetzt auch von der SPD

Schrö­ders "Agen­da 2010" war die um­strit­tens­te So­zi­al­re­form der Nach­kriegs­zeit: Die SPD hat lan­ge da­mit ge­ha­dert. Zum zehn­ten Jah­res­tag je­doch ha­ben die Par­tei­gran­den das Wahl­kampf­po­ten­zi­al er­kannt
Münzen, Münzhaufen Ha­ben die So­zi­al­re­for­men Deutsch­land vor dem Nie­der­gang be­wahrt?

11.03.2013. (dpa) - Zehn Jah­re nach An­kün­di­gung der "Agen­da 2010" drin­gen Re­gie­rung und Op­po­si­ti­on auf ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung des Re­form­pa­kets.

Füh­ren­de SPD-Po­li­ti­ker wer­te­ten die von Rot-Grün durch­ge­setz­ten So­zi­al­re­for­men kurz vor dem Jah­res­tag als gro­ßen Er­folg, der Deutsch­land vor dem Nie­der­gang be­wahrt ha­be.

Der frü­he­re SPD-Kanz­ler Ger­hard Schrö­der ver­lang­te, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit mit ei­ner Agen­da 2020 zu stär­ken. Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) sag­te: "Jetzt geht es dar­um, dass Men­schen, die sich an­stren­gen, auch Chan­cen ha­ben, vor­an­zu­kom­men."

Schrö­der hat­te das Re­form­pa­ket am 14. März 2003 im Bun­des­tag prä­sen­tiert. Um­ge­setzt wur­den die Schrit­te ein­schließ­lich der Hartz-IV-Re­ge­lung bis An­fang 2005. Die "Agen­da 2010" war mit Ein­schnit­ten bei der Ren­te, der Ar­beits­lo­sen-Un­ter­stüt­zung und im Ge­sund­heits­sys­tem die tief­grei­fends­te So­zi­al­re­form der Nach­kriegs­zeit. In der SPD ist sie bis heu­te um­strit­ten.

Zum zehn­ten Jah­res­tag stell­te sich die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Füh­rungs­rie­ge je­doch de­mons­tra­tiv hin­ter das Re­form­werk. "Die Agen­da 2010 war sehr er­folg­reich, aber es wird zehn Jah­re nach ih­rer An­kün­di­gung im­mer noch viel Fal­sches dar­über er­zählt", sag­te Par­tei­chef Sig­mar Ga­bri­el dem "Fo­cus". SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Peer St­ein­brück kri­ti­sier­te, sei­ne Par­tei hät­te viel selbst­be­wuss­ter und stol­zer da­mit um­ge­hen müs­sen. "Wir sind Dep­pen, dass wir die Agen­da im­mer mit Hartz IV gleich­ge­setzt ha­ben", sag­te er bei ei­ner Ver­an­stal­tung in Karls­ru­he. Da­mit kön­ne nun Schwarz-Gelb die Ren­di­te ein­fah­ren.

SPD-Frak­ti­ons­chef Frank-Wal­ter St­ein­mei­er, sei­ner­zeit Kanz­ler­amts­chef im Ka­bi­nett Schrö­der, be­zeich­ne­te das Re­form­pro­jekt als "Aus­bruch aus der Ab­wärts­spi­ra­le". "Wenn Schrö­der da­mals so mut­los re­giert hät­te wie An­ge­la Mer­kel heu­te, stün­den wir jetzt in ei­ner Rei­he mit Ita­li­en, Frank­reich und Spa­ni­en vor deut­lich grö­ße­ren Pro­ble­men in­mit­ten der Eu­ro-Kri­se", sag­te er der "Süd­deut­schen Zei­tung". St­ein­mei­er räum­te ein, dass die "Agen­da 2010" auch zu Aus­wüch­sen et­wa im Nied­rig­lohn­sek­tor ge­führt ha­be. Das müs­se kor­ri­giert wer­den - auch durch ei­nen Min­dest­lohn.

Schrö­der sprach sich da­für aus, ein neu­es, um­fas­sen­des Re­form­pa­ket auf den Weg zu brin­gen. "Deutsch­land kann sei­nen Vor­sprung ge­gen­über auf­stre­ben­den Wirt­schafts­mäch­ten wie Bra­si­li­en und Chi­na nur ver­tei­di­gen, wenn wir hart an un­se­rer Wett­be­werbs­fä­hig­keit ar­bei­ten", sag­te er der "Bild"-Zei­tung (Mon­tag). Als wich­tigs­te Vor­ha­ben nann­te der Alt­kanz­ler In­ves­ti­tio­nen in For­schung und Bil­dung. "Die so­zia­len Sys­te­me kön­nen in ei­ner äl­ter wer­den­den Ge­sell­schaft nicht sta­tisch ge­hal­ten wer­den. Des­halb brau­chen wir im­mer wie­der Mut zur Ver­än­de­rung!"

St­ein­mei­er sag­te in der ARD-Sen­dung "Be­richt aus Ber­lin", ei­ne Agen­da 2020 müs­se be­rück­sich­ti­gen, dass die Pro­ble­me des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts nicht die des kom­men­den sei­en. Im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt sei das Haupt­pro­blem die ho­he Ar­beits­lo­sig­keit ge­we­sen, im kom­men­den wer­de es der Man­gel an qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten sein. "Die Agen­da 2020, wenn es sie gibt, muss in den Mit­tel­punkt stel­len: Bil­dung, Bil­dung, Bil­dung."

Ar­beits­mi­nis­te­rin von der Ley­en be­zeich­ne­te die Re­form­schrit­te des da­ma­li­gen SPD-Kanz­lers als im Grund­satz "mu­tig und rich­tig". "Al­ler­dings muss­ten wir deut­lich nach­ar­bei­ten und die Agen­da 2010 so­zia­ler ma­chen", sag­te sie dem "Ta­ges­spie­gel" (Sams­tag). Ei­ne "Agen­da 2020" müs­se im Zei­chen von Chan­cen­ge­rech­tig­keit und Fach­kräf­te­si­che­rung ste­hen.

Links­par­tei-Che­fin Kat­ja Kip­ping for­der­te, "dem Hartz-IV-Sys­tem die schlimms­ten Gift­zäh­ne zu zie­hen". Da­für müss­ten der Re­gel­satz an­ge­ho­ben und die Sank­tio­nen ab­ge­schafft wer­den, sag­te sie der "Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung".

Der neue Vor­sit­zen­de der fünf "Wirt­schafts­wei­sen", Chris­toph Schmidt, warn­te hin­ge­gen da­vor, die "Agen­da 2010" zu­rück­zu­dre­hen. Ei­ne Ab­kehr von der Ren­te mit 67 oder die Ein­füh­rung ei­nes Min­dest­lohns könn­te vie­le Er­fol­ge wie­der zu­nich­te ma­chen, sag­te er dem "Ta­ges­spie­gel am Sonn­tag".

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 4. Dezember 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de