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Be­ra­tungs­stel­len von mehr als 3300 Wan­der­ar­bei­tern ge­nutzt

Leih­ar­beit und Werk­ver­trä­ge sind auch in Nie­der­sach­sen weit ver­brei­tet, Fäl­le von Miss­brauch ha­ben für Schlag­zei­len ge­sorgt: Wan­der­ar­bei­ter kön­nen spe­zi­el­le Be­ra­tungs­stel­len auf­su­chen. Auch sonst sieht Wirt­schafts­mi­nis­ter Lies ers­te Ver­bes­se­run­gen
Wer in­for­miert Wan­der­ar­bei­ter über ih­re Rech­te?

26.07.2016. (dpa) - Mehr als 3300 Men­schen ha­ben bis­lang die Be­ra­tungs­stel­len für Wan­der­ar­bei­ter in Nie­der­sach­sen auf­ge­sucht.

Vor al­lem Ar­beits­kräf­te aus Ost­eu­ro­pa nutz­ten das An­ge­bot, heißt es beim Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um in Han­no­ver.

"Ziel der Be­ra­tungs­stel­len ist es, die Rech­te von Werk­ver­trags­ar­bei­tern zu schüt­zen und Hil­fe zur Selbst­hil­fe zu bie­ten", sag­te Mi­nis­ter Olaf Lies (SPD).

"Denn nur wer in­for­miert wird und um sei­ne Rech­te weiß, wird sel­te­ner Op­fer von Aus­beu­tung und be­trü­ge­ri­schen Ma­chen­schaf­ten."

Mitt­ler­wei­le gibt es vier vom Mi­nis­te­ri­um ge­för­der­te Be­ra­tungs­stel­len für mo­bi­le Be­schäf­tig­te in Nie­der­sach­sen. Die ers­te wur­de im Herbst 2013 in Ol­den­burg ein­ge­rich­tet. Zu­vor wa­ren in Pa­pen­burg bei ei­nem Brand zwei ru­mä­ni­sche Ar­bei­ter in ih­rer Un­ter­kunft ums Le­ben ge­kom­men, das hat­te ei­ne lan­des­wei­te Dis­kus­si­on aus­ge­löst. Da­nach wur­den auch in Han­no­ver, Braun­schweig und zu­letzt Lü­ne­burg ent­spre­chen­de Be­ra­tungs­an­ge­bo­te ge­schaf­fen. Trä­ger ist der Ver­ein Ar­beit und Le­ben. "Nach Pa­pen­burg hat sich viel ge­tan", sag­te Lies der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. "So wur­den Min­dest­stan­dards bei der Un­ter­brin­gung ge­schaf­fen, dass Lohn­ni­veau wur­de an­ge­ho­ben."

Die Fleisch- und Zer­le­ge­bran­che ha­be sich auf Druck der Lan­des­re­gie­rung da­zu ver­pflich­tet, die Zahl der Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten zu re­du­zie­ren, sag­te Lies. Das Ver­hält­nis von so Be­schäf­tig­ten und Stamm­be­schäf­tig­ten lie­ge vie­ler­orts bei 80:20, das müs­se schritt­wei­se um­ge­kehrt wer­den, for­der­te er. "Hier gibt es ei­ni­ge po­si­ti­ve Ein­zel­fäl­le, in die von uns ge­wünsch­te Rich­tung", so Lies. "Aber wir sind noch nicht am Ziel." Er war­te nun dar­auf, dass der in Ber­lin da­zu vor­lie­gen­de Ge­setz­ent­wurf ver­ab­schie­det wer­de und er­hof­fe sich da­durch wei­te­re Ver­bes­se­run­gen.

Nie­der­sach­sen ha­be als ers­tes Bun­des­land der­ar­ti­ge Be­ra­tungs­stel­len ein­ge­rich­tet, be­ton­te Lies. Vor al­lem Be­schäf­tig­te aus der Trans­port- und Lo­gis­tik­bran­che so­wie der Fleisch­in­dus­trie wür­den sich mel­den, aber auch et­wa Ern­te­hel­fer aus der Land- und Forst­wirt­schaft, so­wie im Pfle­ge­be­reich und dem Bau­ge­wer­be Be­schäf­tig­te.

Al­lein in Han­no­ver wur­den mitt­ler­wei­le mehr als 1400 Men­schen be­ra­ten, sag­te Mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin Sa­bi­ne Schlem­mer-Kau­ne. In Ol­den­burg wa­ren es rund 1600, in Braun­schweig et­wa 350. In Lü­ne­burg sei­en seit der Er­öff­nung im ver­gan­ge­nen April al­lein bis En­de Ju­ni 35 Men­schen be­ra­ten wor­den. Nicht je­der der Be­ra­tungs­fäl­le sei auch ein Miss­brauchs­fall, hieß es vom Mi­nis­te­ri­um, an­de­rer­seits hät­ten die Rat­su­chen­den schon ih­re Grün­de und Sor­gen. An­ge­bo­ten wer­de die Hil­fe über­wie­gend in der Mut­ter­spra­che der Be­trof­fe­nen. Bis auf Han­no­ver ha­ben die Stel­len ei­nen Bus, der als mo­bi­les Bü­ro ein­ge­setzt wird.

Nach ei­ner Um­fra­ge der IG Me­tall vom Mai wer­den in Nie­der­sach­sen in rund 70 Pro­zent der Un­ter­neh­men Auf­ga­ben über Werk­ver­trä­ge aus­ge­la­gert. In drei Vier­tel die­ser Fäl­le wür­den die Be­schäf­tig­ten der Werk­ver­trags­fir­ma da­bei schlech­ter be­zahlt als ih­re Kol­le­gen, schätz­te der DGB. Al­lein in der Fleisch­bran­che wa­ren nach ei­nem Be­richt der "Neue Os­na­brü­cker Zei­tung" An­fang des Jah­res rund 10.000 über­wie­gend aus­län­di­sche Ar­bei­ter per Werk­ver­trag be­schäf­tigt.

"Die Be­deu­tung der Be­ra­tungs­stel­len ist nicht zu un­ter­schät­zen", mein­te Lies, der Diens­tag das Bü­ro in Lü­ne­burg be­su­chen woll­te. "Werk­ver­trags­be­schäf­tig­te er­hal­ten hier nicht nur wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen und Un­ter­stüt­zung, son­dern be­kom­men auch ein Sprach­rohr, schwar­ze Scha­fe lau­fen Ge­fahr, schnel­ler auf­zu­flie­gen." Miss­stän­de könn­ten so schnel­ler öf­fent­lich ge­macht wer­den. "Al­lein schon die Exis­tenz der Be­ra­tungs­stel­len zahlt sich aus."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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