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Be­rufs­nach­wuchs macht sich rar - Vie­le Lehr­stel­len blei­ben leer

Vor we­ni­gen Jah­ren noch un­vor­stell­bar, in­zwi­schen of­fen­kun­di­ge Rea­li­tät: In im­mer mehr Fir­men Meck­len­burg-Vor­pom­merns blei­ben Lehr­stel­len un­be­setzt. Und der Man­gel an Nach­wuchs­kräf­ten trifft vor al­lem auch die wich­ti­gen Bran­chen im Land
Wel­che Bran­chen sind be­son­ders be­trof­fen?

29.09.2014. (dpa) - In den Be­trie­ben Meck­len­burg-Vor­pom­merns blei­ben in die­sem Jahr so vie­le Aus­bil­dungs­plät­ze un­be­setzt wie nie zu­vor.

Die größ­ten Lü­cken gibt es er­neut in der Gas­tro­no­mie.

Aber auch in der Bau­wirt­schaft, im Agrar­be­reich und im Hand­werk kön­nen trotz teil­wei­se leich­ter Zu­wäch­se längst nicht al­le Lehr­stel­len be­setzt wer­den, wie ei­ne Um­fra­ge der Nach­rich­ten­agen­tur un­ter do­mi­nie­ren­den Wirt­schafts­bra­chen im Nord­os­ten er­gab.

Dem wach­sen­den Be­darf an be­ruf­li­chem Nach­wuchs ste­hen seit Jah­ren sin­ken­de Schul­ab­gän­ger­zah­len ent­ge­gen.

Die Un­ter­neh­men in Meck­len­burg-Vor­pom­mern hät­ten mit ins­ge­samt 11 500 Aus­bil­dungs­plät­zen sechs Pro­zent mehr an­ge­bo­ten als im Vor­jahr, sag­te Hans-Gün­ter Trep­te, Aus­bil­dungs­ex­per­te des Un­ter­neh­mer­dach­ver­ban­des VUMV. Er setzt auf Spät­ent­schlos­se­ne, um die noch of­fe­nen Stel­len zu be­set­zen. Doch auch die könn­ten wohl nicht ver­hin­dern, dass die Zahl un­be­setz­ter Aus­bil­dungs­plät­ze hö­her aus­fällt als im Herbst 2013. Die Zahl der of­fe­nen Stel­len hat­te En­de Au­gust mit 3800 um elf Pro­zent hö­her als vor ei­nem Jahr ge­le­gen. "Des­halb wer­den die Un­ter­neh­men den End­spurt nut­zen müs­sen, um auf ih­re Aus­bil­dungs­an­ge­bo­te auf­merk­sam zu ma­chen und zu zei­gen: Wir brau­chen je­den!", sag­te Trep­te. Auch das Hand­werk rührt wei­ter die Wer­be­trom­mel. Mehr als ein Vier­tel der rund 1800 an­ge­bo­te­nen Stel­len ist nach An­ga­ben ei­ner Spre­che­rin noch nicht ver­ge­ben.

Die größ­ten Nach­wuchs­pro­ble­me gibt es wei­ter­hin in Kü­chen, Re­stau­rants und Re­zep­tio­nen. Das Gast­ge­wer­be be­schäf­tigt nach An­ga­ben des Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­ban­des De­ho­ga lan­des­weit mehr als 50 000 Men­schen, 36 000 da­von mit so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Jobs. Die Bran­che boomt. Doch trotz der Ta­rif­stei­ge­run­gen auch für Lehr­lin­ge gibt es im Schnitt für sie­ben Koch- oder Kell­ner-Aus­bil­dungs­stel­len nur ei­nen Be­wer­ber. Rund 1000 Plät­ze wa­ren zu­letzt noch un­be­setzt.

"Vor al­lem klei­ne­re Häu­ser ha­ben gro­ße Schwie­rig­kei­ten, Nach­wuchs zu fin­den. Da­bei ist es nicht der Ver­dienst, den jun­ge Leu­te bei Job­mes­sen als Hin­de­rungs­grund an­ge­ben, son­dern die Ar­beits­zeit in der Gas­tro­no­mie", be­rich­te­te De­ho­ga-Ge­schäfts­füh­rer Mat­thi­as Dett­mann. Die meis­ten Un­ter­neh­men hät­ten we­gen der ge­rin­gen Be­wer­ber­zah­len ih­re Leis­tungs­an­sprü­che schon deut­lich nach un­ten ge­schraubt. "Die Hälf­te der Azu­bis hat kei­nen 10.-Klas­se-Ab­schluss, der für die dua­le Aus­bil­dung Stan­dard sein soll­te", sag­te Dett­mann. Rund 800 jun­ge Leu­te wür­den je­des Jahr ei­ne Leh­re in der Gas­tro­no­mie auf­neh­men. Un­ter den Azu­bis sei­en der­zeit auch 250 aus­län­di­sche Ju­gend­li­che.

Et­wa 320 Schul­ab­gän­ger be­gan­nen nach An­ga­ben des Bau­ern­ver­ban­des ei­ne Aus­bil­dung in der Land­wirt­schaft und da­mit ei­ni­ge mehr als 2013. Aber 400 Stel­len wa­ren an­ge­bo­ten wor­den. Vor al­lem für Jobs in Tier­zucht und -mast fehl­ten In­ter­es­sen­ten. Auf ei­nen Be­wer­ber in dem Be­reich ka­men drei An­ge­bo­te. Dass es Agrar­be­trie­be oft schwer hät­ten, jun­ge Men­schen für ei­nen Lauf­bahn in der Land­wirt­schaft zu ge­win­nen, lie­ge an al­ten Kli­schees. "Die­se zu ent­kräf­ten, ist noch nicht wirk­lich ge­lun­gen", räum­te der Vi­ze­prä­si­dent des Lan­des­bau­ern­ver­ban­des, Det­lef Kur­reck, ein. Da­bei kom­me in der Land­wirt­schaft mo­derns­te Tech­nik zum Ein­satz und die Ar­beit bie­te täg­lich neue Her­aus­for­de­run­gen.

In der Bau­wirt­schaft be­gin­nen die Ap­pel­le der Ver­bands­spit­ze an die Un­ter­neh­men zu fruch­ten, mehr aus­zu­bil­den und stär­ker um jun­ge Leu­te zu wer­ben. Im Ver­gleich zum Tiefst­stand 2013, als le­dig­lich 140 Schul­ab­gän­ger ei­ne Leh­re auf dem Bau an­tra­ten, gab es nun ein Plus von rund 25 Pro­zent auf 180. "Es ist ein Ruck durch die Bran­che ge­gan­gen", sag­te Bernd Rackow vom Aus­bil­dungs­zen­trum der Bau­wirt­schaft in Ros­tock. Der Ruck in der Ju­gend blieb aber of­fen­bar aus. Ge­ra­de drei Tro­cken­bau­er und zehn Flie­sen­le­ger be­gan­nen mit der Be­rufs­aus­bil­dung. "Das ist viel zu we­nig. Denn die­se Fach­leu­te wer­den auf den Bau­stel­len hän­de­rin­gend ge­sucht", sag­te Rackow.

Nach An­ge­ben der Ar­beits­agen­tur Nord wa­ren im Au­gust noch 2123 Schul­ab­gän­ger un­ver­sorgt. Die Zahl der of­fe­nen Stel­len lag mit 3827 je­doch fast dop­pelt so hoch. "Wer jetzt fle­xi­bel und kom­pro­miss­be­reit ist, hat gu­te Chan­cen auf ei­ne Aus­bil­dungs­stel­le", sag­te Agen­tur­che­fin Mar­git Haupt-Ko­op­mann. An die Ar­beit­ge­bern ap­pel­lier­te sie "ei­nen zwei­ten Blick" auf die Be­wer­ber zu wer­fen. "Vie­le ha­ben Ta­len­te und Stär­ken, die in den Schul­no­ten nicht un­be­dingt ab­les­bar sind." An die­sem Diens­tag ver­öf­fent­licht die Agen­tur für Ar­beit die neu­en Zah­len auch für den Aus­bil­dungs­markt.

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Letzte Überarbeitung: 3. November 2016

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