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16/280a Be­rufs­schul­leh­rer mah­nen Ver­stär­kung an - 880 Stel­len ge­for­dert

Kul­tus­mi­nis­te­rin Ei­sen­mann ver­kün­de­te jüngst ei­nen Ein­stel­lungs­re­kord bei den Leh­rern: Doch die Be­rufs­schul­leh­rer stel­len dem ei­nen enor­men Zu­satz­be­darf ent­ge­gen. Die Wirt­schaft stärkt ih­nen den Rü­cken
Zu wel­chem Er­geb­nis kommt die Stu­die?

06.09.2016. (dpa) - Un­ge­ach­tet des vor we­ni­gen Ta­gen ver­kün­de­ten Re­kords bei den Leh­rer­ein­stel­lun­gen ver­lan­gen die Be­rufs­schul­leh­rer wei­te­re per­so­nel­le Ver­stär­kung.

Die ih­nen zu­ge­wie­se­nen 1300 Leh­rer­stel­len könn­ten zwar die frei wer­den­den Stel­len aus­glei­chen, aber im­mer noch nicht den im St­un­den­plan vor­ge­se­he­nen Un­ter­richts­aus­fall von ins­ge­samt 1,8 Pro­zent.

Für zu­sätz­li­che An­for­de­run­gen sei­en min­des­tens 880 Stel­len für das Schul­jahr 2017/18 nö­tig, for­der­te der Lan­des­chef des Be­rufs­schul­leh­rer­ver­bands (BLV), Her­bert Hu­ber, am Mon­tag in Stutt­gart.

Das The­ma wer­de be­reits bei den Haus­halts­be­ra­tun­gen im Herbst ei­ne Rol­le spie­len.

"Nach der Leh­rer­ein­stel­lung ist vor der Leh­rer­ein­stel­lung", sag­te Hu­ber, des­sen Ver­band über 10.000 Leh­rer an rund 300 be­ruf­li­chen Schu­len ver­tritt.

Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann (CDU) hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che ver­kün­det, dass im Schul­jahr 2016/17 rund 6600 neue Leh­rer un­ter­rich­ten sol­len. Al­ler­dings konn­ten 672 Stel­len bis­lang nicht be­setzt wer­den, da­von 250 bei den be­ruf­li­chen Schu­len. Grund: Die jun­gen Leh­rer wol­len nicht aufs Land ge­hen, und Spe­zia­lis­ten für Tech­nik, Ge­wer­be oder Be­triebs­wirt­schafts­leh­re zieht es nicht in den Schul­dienst. Ein wei­te­rer Grund für Ab­sa­gen ist auch die spä­te In­for­ma­ti­on über Ein­stel­lungs­ort und Un­ter­richts­um­fang im Ju­ni. Den Schu­len wür­den nach An­sicht des BLV früh­zei­ti­ge und er­wei­ter­te Mög­lich­kei­ten der schul­schar­fen Stel­len­aus­schrei­bung hel­fen. Es müss­ten 80 Pro­zent - statt we­ni­ger als 50 Pro­zent - der Stel­len mit schul­be­zo­ge­nen An­for­de­run­gen ge­sucht wer­den kön­nen.

Ei­sen­mann be­zeich­net die Per­so­nal­si­tua­ti­on an den be­ruf­li­chen Schu­len als "so gut wie nie zu­vor". Ne­ben dem Er­satz für frei wer­den­de Stel­len ge­be es 305 Stel­len für das Un­ter­rich­ten von Flücht­lin­gen so­wie 20 für son­der­päd­ago­gi­sche Diens­te. Die Mi­nis­te­rin be­ton­te: "Wir in­ves­tie­ren in die be­ruf­li­chen Schu­len in Ba­den-Würt­tem­berg und da­mit in ei­nen un­ver­zicht­ba­ren Be­stand­teil un­se­res Bil­dungs­sys­tems."

Die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern stell­ten sich hin­ter die For­de­rung nach mehr Leh­rer­stel­len und ver­än­der­ten Ein­stel­lungs­ver­fah­ren. Denn für die Teil­zeit­schü­ler im dua­len Sys­tem be­lau­fe sich das struk­tu­rel­le De­fi­zit auf so­gar auf 5,8 Pro­zent (2015). Laut ei­ner ak­tu­el­len Um­fra­ge bei Aus­bil­dungs­be­trie­ben be­klag­ten rund 43 Pro­zent der 2000 teil­neh­men­den Be­trie­be in Ba­den-Würt­tem­berg Un­ter­richts­aus­fäl­le an Be­rufs­schu­len.

Die in der Ver­gleichs­stu­die "Ve­ra" dia­gnos­ti­zier­ten De­fi­zi­te in Le­sen, Schrei­ben, Rech­nen bei Acht­kläss­lern im Süd­wes­ten ma­chen aus Sicht des BLV ver­stärk­te För­de­rung beim Über­gang in die be­ruf­li­chen Gym­na­si­en und Be­rufs­kol­legs not­wen­dig. Die Schü­ler kom­men laut Hu­ber aus Werk­re­al- und Re­al­schu­len mit gu­ten No­ten, hät­ten aber dann gro­ße Pro­ble­me. Der Ver­band ver­an­schlagt hier­für 230 Stel­len.

Wei­te­re 350 Stel­len wünscht sich der Leh­rer­ver­band für ei­ne län­ge­re wö­chent­li­che Be­rufs­schul­zeit, um so­wohl schwa­che als auch leis­tungs­star­ke Schü­ler bes­ser för­dern zu kön­nen. Die In­te­gra­ti­on be­hin­der­ter Schü­ler an be­ruf­li­chen Schu­len schlägt in dem For­de­rungs­ka­ta­log des Ver­ban­des mit 100 und ei­ne schul­be­zo­ge­ne Ver­tre­tungs­re­ser­ve mit 200 Stel­len zu Bu­che.

Die Ar­beit­ge­ber Ba­den-Würt­tem­berg mahn­ten mehr Qua­li­tät in den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len an. Die "Ve­ra"-Er­geb­nis­se sei­en alar­mie­rend. "Be­ruf­li­che Schu­len und Be­trie­be dür­fen nicht zu Re­pa­ra­tur­be­trie­ben des all­ge­mein­bil­den­den Schul­we­sens wer­den. Hier be­steht drin­gen­der Hand­lungs­be­darf", sag­te Ste­fan Küp­per, Ver­bands­ge­schäfts­füh­rer Po­li­tik, Bil­dung und Ar­beits­markt.

Hef­ti­ge Kri­tik üb­te der BLV an der Ver­kür­zung des wöcht­li­chen Un­ter­richts an den VABO-Klas­sen (Vor­qua­li­fi­zie­rungs­jahr Ar­beit und Be­ruf für Ju­gend­li­che oh­ne Deutsch­kennt­nis­se) für Flücht­lin­ge. Die Re­du­zie­rung um 40 Pro­zent auf 20 Un­ter­richts­stun­den sei ei­ne rei­ne Spar­maß­nah­me. Dass dies durch den Ein­satz Eh­ren­amt­li­cher auf­ge­fan­gen wer­den kön­ne, sei il­lu­so­risch. Die An­zahl von 270 Flücht­lin­gen, die jetzt ei­ne be­ruf­li­che Erst­aus­bil­dung star­ten, von 8000 Ab­sol­ven­ten des VABO sei ent­schie­den zu ge­ring. Hu­ber: "Das zeigt, dass es nicht mög­lich ist, die ju­gend­li­chen Flücht­lin­ge in­ner­halb ei­nes Schul­jah­res aus­bil­dungs­reif zu ma­chen." Die trotz­dem ver­kürz­te St­un­den­zahl sei "der fal­sche Weg und so­gar ein Skan­dal".

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. Oktober 2016

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