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Be­triebs­kran­ken­kas­sen: Hälf­te der Fehl­ta­ge we­gen Lang­zeit­er­kran­kun­gen

Lang­zeit­er­kran­kun­gen in Un­ter­neh­men neh­men zu - in klei­nen mehr als in gro­ßen: Das hängt of­fen­bar auch da­mit zu­sam­men, dass gro­ße Fir­men ei­ne bes­se­re Ge­sund­heits­prä­ven­ti­on bie­ten
Frau zu Hause im Bett vor dem Fernsehen Wel­che Krank­hei­ten kom­men am häu­figs­ten vor?

26.11.2015. (dpa) - Die Zahl der Ar­beit­neh­mer, die in ih­rem Be­trieb krank­heits­be­dingt mehr als sechs Wo­chen am Stück aus­fal­len, steigt ste­tig.

Lang­zeit­er­kran­kun­gen wie Rü­cken­be­schwer­den, Krebs, Dia­be­tes oder psy­chi­sche Stö­run­gen ma­chen fast die Hälf­te der Fehl­ta­ge in deut­schen Un­ter­neh­men aus - Ten­denz stei­gend.

Dies geht aus dem Ge­sund­heits­re­port des Dach­ver­ban­des der Be­triebs­kran­ken­kas­sen (BKK) her­vor, der am Mitt­woch in Ber­lin vor­ge­stellt wur­de.

Vor zehn Jah­ren ha­be der An­teil der Aus­fäl­le durch lang­wie­ri­ge Krank­hei­ten noch bei 41 Pro­zent und da­mit 5 Punk­te nied­ri­ger ge­le­gen als heu­te.

Mit zu­neh­men­der Al­te­rung der Ge­sell­schaft dürf­ten die Fehl­zei­ten we­gen lang­an­dau­ern­der und chro­ni­scher Krank­hei­ten noch zu­neh­men. Der BKK-Re­port zeigt, dass Mus­kel- und Ske­let­ter­kran­kun­gen wie Rü­cken­lei­den und psy­chi­sche Stö­run­gen die häu­figs­ten Ur­sa­chen von Lang­zeit­er­kran­kun­gen sei­en. Auf die­se bei­den Krank­hei­ten ge­he mehr als je­der zwei­te Kran­ken­geld­tag zu­rück.

In Klein­un­ter­neh­men mit bis zu neun Be­schäf­tig­ten sei­en fast die Hälf­te al­ler Fehl­ta­ge (49 Pro­zent) mit Lang­zeit­er­kran­kun­gen ver­bun­den. Die­se Quo­te lie­ge in Groß­un­ter­neh­men rund zehn Pro­zent­punk­te nied­ri­ger. Das hängt of­fen­bar auch mit den Prä­ven­ti­ons­an­ge­bo­ten zu­sam­men. Un­ter­neh­men mit vie­len Be­schäf­tig­ten ha­ben oft bes­se­re Struk­tu­ren und An­ge­bo­te für ih­re Be­schäf­tig­ten in der be­trieb­li­chen Ge­sund­heits­för­de­rung.

Der Vor­stand des BKK-Dach­ver­ban­des, Franz Knieps, kri­ti­sier­te: "Das deut­sche Ge­sund­heits­we­sen ist er­starrt in sei­nen Struk­tu­ren." Es sei nicht am Krank­heits­ver­lauf ei­nes Pa­ti­en­ten ori­en­tiert, was bei Lang­zeit-Pa­ti­en­ten bit­ter nö­tig wä­re. Trotz glo­ba­ler In­for­ma­ti­ons­ver­net­zung herr­sche noch Ab­gren­zung und Ab­schot­tung in vie­len Be­rei­chen - et­wa zwi­schen am­bu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Be­hand­lung, zwi­schen Ärz­ten und an­de­ren Ge­sund­heits­be­ru­fen und auch zwi­schen pri­va­ter und ge­setz­li­cher Kran­ken­ver­si­che­rung.

2014 war je­des be­schäf­tig­te BKK-Mit­glied laut Re­port im Schnitt 16 Ta­ge ar­beits­un­fä­hig. Ein Krank­heits­fall dau­er­te dem­nach im Durch­schnitt 12,7 Ta­ge.

Der größ­te Teil der Ge­sund­heits­aus­ga­ben in Deutsch­land ent­fällt nach An­ga­ben der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se (TK) auf die Be­hand­lung so­ge­nann­ter Zi­vi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten wie Rü­cken­be­schwer­den, Dia­be­tes und Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen. Schät­zun­gen ge­hen dem­nach von bis zu 70 Pro­zent aus. Al­len ge­mein­sam sei, "dass sie oft le­bens­stil­be­dingt und da­mit ei­gent­lich ver­meid­bar sind - her­vor­ge­ru­fen durch un­ge­sun­de Er­näh­rung, Be­we­gungs­man­gel und Stress", er­klär­te die TK am Mitt­woch. Mit bes­se­rer Prä­ven­ti­on, mit ei­ner ge­sün­de­ren Le­bens­wei­se lie­ße sich viel da­ge­gen tun.

Al­ler­dings wür­den die An­rei­ze im Ge­sund­heits­sys­tem falsch ge­setzt. Im Fi­nanz­aus­gleich zwi­schen den Kas­sen, dem so­ge­nann­ten Mor­bi-RSA, sei es fi­nan­zi­ell be­son­ders at­trak­tiv, mög­lichst viel Krank­heit zu do­ku­men­tie­ren. Denn je mehr Krank­hei­ten ei­ne Kas­se bei ih­ren Ver­si­cher­ten nach­wei­sen kön­ne, um­so mehr Geld er­hal­te sie aus dem Ge­sund­heits­fonds.

Die­je­ni­gen Kas­sen wür­den al­so fi­nan­zi­ell be­straft, die sich zum Bei­spiel dar­um küm­mer­ten, dass sich die Zu­cker­krank­heit ei­nes Ver­si­cher­ten nicht ver­schlech­te­re, er­läu­ter­te TK-Chef Jens Baas und füg­te hin­zu: "Ein Ge­sund­heits­sys­tem, in dem nie­mand mehr ein In­ter­es­se an ge­sun­den Men­schen hat, ist ein kran­kes Sys­tem."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 16. November 2016

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