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Bom­bar­dier streicht mehr als 900 Jobs in Sach­sen

Schock für die Be­schäf­tig­ten von Bom­bar­dier: Der Kon­zern setzt in Sach­sen den Rot­stift an. Ge­werk­schaf­ter kün­di­gen Ak­tio­nen und Pro­tes­te in den nächs­ten Wo­chen an
Schild vor Rollgitter WIR SCHLIESSEN Wel­che Ar­beits­plät­ze sind be­trof­fen?

26.02.2016. (dpa) - Der Schie­nen­fahr­zeug­her­stel­ler Bom­bar­dier Trans­por­ta­ti­on will mehr als 900 Ar­beits­plät­ze in sei­nen Wer­ken in Baut­zen und Gör­litz strei­chen.

Das gab Un­ter­neh­mens­spre­cher An­dre­as Die­ne­mann am Don­ners­tag be­kannt.

Dem­nach sol­len in Gör­litz 700 Ar­beits­plät­ze weg­fal­len, dar­un­ter 500 von Leih­ar­bei­tern.

In Baut­zen ste­hen 230 Jobs auf der Streich­lis­te, da­von sind in 190 Fäl­len Leih­ar­bei­ter be­trof­fen.

Die­ne­mann sprach von "kei­ner leicht­fer­ti­gen Ent­schei­dung".

Aber es ge­he um die Zu­kunft des Wer­kes in Sach­sen.

Die Mit­ar­bei­ter er­fuh­ren da­von auf ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Be­triebs­ver­samm­lung.

Jan Ot­to, IG-Me­tall-Vor­sit­zen­der in Ost­sach­sen, kün­dig­te "mas­si­ve Ak­tio­nen" an. "Wir wer­den den Ka­na­di­ern zei­gen, dass es so nicht geht in Ost­sach­sen." Am 17. März soll es dem­nach Pro­tes­te an al­len Bom­bar­dier-Stand­or­ten ge­ben. Par­al­lel will die Ge­werk­schaft mit den Be­triebs­rä­ten das Kon­zept der Un­ter­neh­mens­lei­tung über­prü­fen und an ei­ner Ge­gen­stra­te­gie ar­bei­ten. "Um al­les da­für zu tun, die Ar­beits­plät­ze zu er­hal­ten."

Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um be­zeich­ne­te die Un­ter­neh­mens­ent­schei­dung als "schwe­ren Schlag für die Re­gi­on". Jetzt müs­se es dar­um ge­hen, ei­ne so­zi­al­ver­träg­li­che Lö­sung für die Be­schäf­tig­ten zu fin­den, be­ton­te Staats­se­kre­tär Ste­fan Brangs und for­der­te den Kon­zern auf, ei­ne be­last­ba­res Zu­kunfts­kon­zept vor­zu­le­gen. Es sei nicht hin­nehm­bar, dass die Re­gi­on nach ei­nem schmerz­haf­ten An­pas­sungs­pro­zess in den letz­ten 20 Jah­ren nun wie­der Ar­beits­plät­ze ver­lie­ren soll, kri­ti­sier­te der Baut­zener CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Mar­ko Schie­mann.

Sach­sen ist von dem Stel­len­ab­bau be­son­ders be­trof­fen. In der ver­gan­ge­nen Wo­che hat­te Bom­bar­dier Trans­por­ta­ti­on an­ge­kün­digt, in den deut­schen Wer­ken 1430 der 10.500 Jobs zu strei­chen. An die­sem Frei­tag sol­len die Be­schäf­tig­ten im Werk Hen­nigs­dorf bei Ber­lin über den Stel­len­ab­bau in­for­miert wer­den.

"Das ist ei­ne Kampf­an­sa­ge an die Re­gi­on. Al­le qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­te, die wir ver­lie­ren wer­den, kom­men nie wie­der zu­rück. In Bay­ern und Ba­den-Würt­tem­berg fin­den sie ei­nen neu­en Job", sag­te der Gör­lit­zer Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Vol­ker Schaar­schmidt. Zu­letzt traf das Werk an der Nei­ße 1999/2000 ein solch mas­si­ver Stel­len­ab­bau. Schaar­schmidt warf dem Un­ter­neh­mens­ma­nage­ment Feh­ler vor. "Wenn man zwei Jah­re die Kon­struk­ti­on ru­hen lässt, dann kann man erst zu spät auf kom­men­de Auf­trä­ge re­agie­ren".

Un­ter­neh­mens­spre­cher Die­ne­mann be­grün­de­te die "An­pas­sun­gen" mit ei­ner welt­weit bes­se­ren Wett­be­werbs­fä­hig­keit. Die Kon­kur­renz schla­fe nicht, hieß es. "Au­ßer­dem for­dern die wachs­tums­star­ken Re­gio­nen au­ßer­halb Eu­ro­pa, dass wir vor Ort pro­du­zie­ren. Sonst er­hal­ten wir gar nicht die Auf­trä­ge." Der ka­na­di­sche Fahr­zeug­her­stel­ler hat 62 Pro­duk­ti­ons- und Kon­struk­ti­ons­stand­or­te.

"Die jet­zi­ge Ent­schei­dung be­ruht auf Fehl­ent­schei­dun­gen, Ma­na­ger­feh­lern und un­so­zia­ler Ge­winn­ma­xi­mie­rung", kri­ti­sier­te die Lin­ke und for­der­te Wirt­schafts­mi­nis­ter Mar­tin Du­lig (SPD) und den Gör­lit­zer Ober­bür­ger­meis­ter auf, sich für den lang­fris­ti­gen Be­stand der bei­den Wer­ke ein­zu­set­zen.

Beim Stel­len­ab­bau will sich die Un­ter­neh­mens­lei­tung um so­zi­al­ver­träg­li­che Lö­sun­gen be­mü­hen, so Die­ne­mann. Mit dem Be­triebs­rat sol­le ein So­zi­al­plan ver­han­delt wer­den.

Die Strei­chung der Ar­beits­plät­ze bei Bom­bar­dier hat Aus­wir­kun­gen auf die ge­sam­te Re­gi­on. "Die­se Ent­schei­dung trifft auch die Zu­lie­fe­rer", so Ot­to. Pro Ar­beits­platz in den Wer­ken gibt es nach Ein­schät­zung drei wei­te­re Jobs bei an­de­ren Be­trie­ben in der Ober­lau­sitz.

Bom­bar­dier Trans­por­ta­ti­on ist die Zug­s­par­te des ka­na­di­schen Bom­bar­dier-Kon­zerns. In Gör­litz be­schäf­tigt Bom­bar­dier bis­her 1660 Stamm­mit­ar­bei­ter und 840 Leih­kräf­te, am Baut­zener Stand­ort sind es knapp 1000 Mit­ar­bei­ter.

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Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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