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Bran­den­burgs Bä­ckern geht der Nach­wuchs aus

Das er­for­der­li­che frü­he Auf­ste­hen und die kör­per­li­chen Be­las­tun­gen schei­nen im­mer mehr jun­ge Leu­te da­von ab­zu­schre­cken, den Be­ruf des Bä­ckers zu er­grei­fen: Bin­nen 15 Jah­ren hat sich die Zahl der ei­gen­stän­di­gen bran­den­bur­gi­schen Bä­cke­rei­en mehr als hal­biert
Mit wel­chen Pro­ble­men kämpft die Bran­che?

11.07.2015. (dpa) - Bä­cker in Bran­den­burg fin­den im­mer we­ni­ger Lehr­lin­ge.

Die drei Hand­werks­kam­mern im Land mel­den ak­tu­ell 31 freie Aus­bil­dungs­plät­ze für an­ge­hen­de Bä­cker.

"Die Zahl der Aus­zu­bil­den­den im Bä­cker­hand­werk geht seit Jah­ren deut­lich zu­rück", be­klagt der Ge­schäfts­füh­rer des Lan­des­ver­bands der Bä­cker und Kon­di­to­ren Ber­lin-Bran­den­burg, Jo­han­nes Kamm.

Ne­ben der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung füh­re auch die Bil­dungs­po­li­tik der letz­ten Jahr­zehn­te da­zu, dass im­mer we­ni­ger Ju­gend­li­che den Be­ruf des Bä­ckers an­streb­ten.

Auch der Lehr­lings­man­gel trägt aus Ver­bands­sicht da­zu bei, dass die Zahl der ei­gen­stän­di­gen Bä­cke­rei­en wei­ter sinkt. In Bran­den­burg ge­be es ak­tu­ell rund 220 Be­trie­be, heißt es im Ver­band. Im Jahr 2000 sei­en es noch 500 ge­we­sen.

"Uns ste­hen im­mer we­ni­ger Ju­gend­li­che zur Ver­fü­gung", be­rich­tet Kamm. Ei­ne Ur­sa­che da­für sei, dass Schul­ab­gän­ger ver­mehrt das Ab­itur ab­leg­ten und da­nach ein Stu­di­um an­streb­ten. Die­se Ju­gend­li­chen fehl­ten dann dem Be­rufs­aus­bil­dungs­markt.

Ein lan­ge be­kann­tes Pro­blem der Bran­che sind nach den Wor­ten Kamms die als un­be­quem gel­ten­den Ar­beits­zei­ten von Bä­ckern mit oft­ma­li­gem Ar­beits­be­ginn in al­ler Herr­gotts­frü­he. "Hier­bei wird über­se­hen, dass sich auch an­de­re Ar­beits­zeit­mo­del­le ent­wi­ckelt ha­ben und ein Bä­cker nicht nur nachts ar­bei­tet", sag­te Kamm.

In den letz­ten Jah­ren sei zu­dem die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung bun­des­weit ver­ein­heit­licht, für all­ge­mein­ver­bind­lich er­klärt und stu­fen­wei­se an­ge­ho­ben wor­den. Zu­schlä­ge für Nacht-, Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit wür­den eben­falls ge­währt. "Das führt da­zu, dass auch die Net­to-Ver­gü­tung von Bä­cker­ge­sel­len mit den Löh­nen an­de­rer Ge­wer­ke kon­kur­rie­ren kann", sagt Kamm.

Zu den Bä­cke­rei-Un­ter­neh­mern, die über ei­nen Azu­bi­man­gel kla­gen, ge­hört Olaf Thon­ke in Ra­the­now (Ha­vel­land). "Die Zahl der Be­wer­ber wird im­mer ge­rin­ger, der Aqui­se­auf­wand ist hoch, die Qua­li­tät der Schul­ab­gän­ger sinkt", fasst er das Pro­blem zu­sam­men. Ak­tu­ell wür­den in sei­nen 55 Fi­lia­len und Ver­kaufs­stel­len in Bran­den­burg und Sach­sen–An­halt 18 Lehr­lin­ge aus­ge­bil­det.

"Wenn vor 15 Jah­ren noch 20 Be­wer­bun­gen auf mei­nem Tisch la­gen, kön­nen wir uns heu­te schon über fünf freu­en", sagt Thon­ke. Sein Be­trieb ver­su­che, den Ju­gend­li­chen ent­ge­gen zu kom­men und schon über Schu­len und auf Mes­sen Kon­takt auf­zu­neh­men. Dem­nächst sol­le auch das In­ter­net bei der Su­che nach po­ten­zi­el­len Be­wer­bern hel­fen.

Drei Azu­bis konn­ten laut Thon­ke zu­letzt ih­re Leh­re in der Pro­duk­ti­on der Bä­cke­rei ab­schlie­ßen, ei­ner da­von mit "Hän­gen und Wür­gen". "Den ha­be ich da­nach nicht über­nom­men." Wenn sich ein Lehr­ling per­ma­nent ver­spä­te oder gan­ze Ta­ge feh­le, las­se das we­nig Mo­ti­va­ti­on er­ken­nen.

Wie Kamm ver­sucht auch Thon­ke, mit der Vor­stel­lung ei­nes Kno­chen­jobs als Bä­cker auf­zu­räu­men. Es ge­be in­zwi­schen Spe­zi­al­ma­schi­nen, die so man­che Auf­ga­ben ab­neh­men - und dem frü­hen Auf­ste­hen ste­he ein frei­er Nach­mit­tag ent­ge­gen. "Als Bä­cker sieht man je­den Tag, was man ge­schaf­fen hat", so Thon­ke - et­wa, wenn die Wa­re warm und duf­tend aus dem Ofen ge­holt wer­de. Doch mit den Ma­schi­nen müs­se um­ge­gan­gen und Zu­ta­ten­men­gen be­rech­net wer­den kön­nen. "Ein ge­wis­ses Maß an Bil­dung und Lust ist für die Leh­re eben un­er­läss­lich", sagt der Bä­cker.

Mit der Aus­bil­dung von Lehr­lin­gen hat es der Bä­cker­meis­ter Mar­co Götz in Wit­ten­ber­ge (Pri­gnitz) be­reits ganz auf­ge­ge­ben. "In den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren hat­te ich nicht ei­ne Be­wer­bung", er­in­nert er sich. Der letz­te Azu­bi sei 38 Wo­chen krank ge­we­sen. Aus Un­lust, wie Götz ver­mu­tet.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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