HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/227

Das lee­re Bü­ro? Neue Ar­beits­zeit­mo­del­le krem­peln Fir­men um

Ar­bei­ten wo und wann man will - vie­le Men­schen schät­zen die neue Frei­heit im Job: Doch was wird aus den Fir­men, wenn die Bü­ros zu­neh­mend ver­wai­sen?
Bildschirmarbeit Wie wird sich die Ar­beits­welt ent­wi­ckeln?

21.08.2015. (dpa) - "Bis zum nächs­ten Jahr, Herr Kol­le­ge!" - in der neu­en Ar­beits­welt be­geg­nen sich die Be­schäf­tig­ten vie­ler Fir­men deut­lich sel­te­ner. Ho­me-Of­fice, Ar­beits­zeit­kon­ten, Teil- und Gleit­zeit­mo­del­le wei­chen die Prä­senz­kul­tur Schritt für Schritt auf.

Statt­des­sen wird für im­mer mehr Mit­ar­bei­ter die Welt zum Ar­beits­platz - ob hei­mi­sches Ar­beits­zim­mer, Kü­chen­tisch, Ca­fé oder Park­bank.

Vie­le Ar­beit­neh­mer ent­schei­den sich für sol­che Ar­beits­mo­del­le, auch um Be­ruf und Fa­mi­lie bes­ser ver­ein­ba­ren zu kön­nen.

Aber wie pro­fi­tie­ren die Un­ter­neh­men? Kön­nen sie nicht kräf­tig ab­spe­cken, wenn künf­tig kaum noch Mit­ar­bei­ter re­gel­mä­ßig ins Bü­ro kom­men? Und sind die Be­schäf­tig­ten noch eng ge­nug an­ge­bun­den?

Bei Mi­cro­soft Deutsch­land ge­hö­ren lee­re Bü­ros be­reits zum All­tag. Seit der Soft­ware-Rie­se im ver­gan­ge­nen Jahr un­ter viel öf­fent­li­cher Be­ach­tung die An­we­sen­heits­pflicht für sei­ne Mit­ar­bei­ter ab­ge­schafft hat, er­schei­nen im Schnitt nur noch 20 bis 30 Pro­zent der Mit­ar­bei­ter pro Ar­beits­tag in der Fir­men­zen­tra­le in Un­ter­schleiß­heim bei Mün­chen.

Im neu­en Do­mi­zil im Münch­ner Nor­den wird es dann nicht mehr für je­den Mit­ar­bei­ter ei­nen Schreib­tisch ge­ben. Falls es dort ein­mal vol­ler wird, wird aber trotz­dem noch je­der ei­nen Platz zum Ar­bei­ten fin­den: In ei­ner der Sitz­ecken mit Lounge-Mö­beln bei­spiels­wei­se oder in ei­nem Ca­fé, in dem die Mit­ar­bei­ter ih­ren Lap­top auf­klap­pen kön­nen.

Ganz so lang wie bei Mi­cro­soft ist die Lei­ne in den meis­ten an­de­ren Un­ter­neh­men in Deutsch­land aber bis­her nicht. Bei Sie­mens et­wa kön­nen Be­schäf­tig­te mit Bü­ro- und Ver­wal­tungs­tä­tig­kei­ten bis zu 20 Pro­zent ih­rer wö­chent­li­chen Ar­beits­zeit von zu Hau­se aus ab­sol­vie­ren, bei spe­zi­el­len Te­le­ar­beits­ver­hält­nis­sen sind es bis zu 80 Pro­zent, sagt ein Un­ter­neh­mens­spre­cher. Ba­sis sind ent­spre­chen­de Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und Re­ge­lun­gen in den Ar­beits­ver­trä­gen.

Grö­ße­re Spar­po­ten­zia­le für den Elek­tro­kon­zern bie­te die Fle­xi­bi­li­sie­rung aber nicht, zu­mal Sie­mens für ad­äqua­te Ar­beits­plät­ze bei den Mit­ar­bei­tern da­heim sor­ge. Ganz dran­ge­ben will das Un­ter­neh­men den re­gel­mä­ßi­gen per­sön­li­chen Kon­takt zu­dem nicht, wie der Spre­cher sagt. "Das ist kein Miss­trau­en, son­dern es geht dar­um, dass sich die Mit­ar­bei­ter mit Kol­le­gen aus­tau­schen, über Pro­jek­te spre­chen und ge­mein­sam Ide­en ent­wi­ckeln kön­nen."

Auch Wer­ner Eich­horst vom In­sti­tut zur Zu­kunft der Ar­beit geht da­von aus, dass sich sol­che Misch­for­men mit fest­ge­leg­ten Bü­ro- und Ho­me-Of­fice-Ar­beits­ta­gen zu­neh­mend in Deutsch­land eta­blie­ren wer­den. Auf Fir­men­zen­tra­len mit Kan­ti­ne, Pfor­te und Tief­ga­ra­ge dürf­ten die Un­ter­neh­men des­halb auch künf­tig nicht ver­zich­ten kön­nen. Klei­ner aber könn­ten man­che wer­den - et­wa mit an­ge­mie­te­ten Räu­men, die fle­xi­bler für Ar­beit und Kon­fe­ren­zen nutz­bar sind.

Die Ber­li­ner Fir­ma Sa­tel­li­te Of­fice hat das zum Ge­schäfts­mo­dell ge­macht. Wie in ei­nem Ho­tel kön­nen die Kun­den über das Un­ter­neh­men re­prä­sen­ta­ti­ve Räu­me mit fle­xi­blen Ar­beits­plät­zen, Kon­fe­renz­be­rei­chen und Bü­ro-Dienst­leis­tun­gen bis hin zur Er­le­di­gung der Fir­men­post für ei­ni­ge Mo­na­te oder auch nur ta­ge­wei­se an­mie­ten.

So las­se sich der kom­plet­te Be­trieb des Bü­ros aus­la­gern, wäh­rend sich die Kun­den auf ihr Kern­ge­schäft kon­zen­trie­ren kön­nen, sagt Fir­men­grün­de­rin Ani­ta Gö­di­ker. Sechs sol­cher Busi­ness Cen­ter un­ter­hält ihr Un­ter­neh­men mitt­ler­wei­le deutsch­land­weit, im kom­men­den Früh­jahr soll ein zu­sätz­li­cher Stand­ort in Mün­chen hin­zu­kom­men.

Aber auch in der Pro­duk­ti­on kön­nen Un­ter­neh­men teils von fle­xi­blen Ar­beits­zei­ten pro­fi­tie­ren, weil sie sich da­durch bes­ser an Nach­fra­gesi­tua­tio­nen an­pas­sen kön­nen, sagt Ro­land Wolf, Lei­ter der Ab­tei­lung Ar­beits­recht bei der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de.

Die Ar­beit­ge­ber wol­len im Zu­ge der Dis­kus­si­on um fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten und Ho­me-Of­fice auch den im Ar­beits­zeit­ge­setz ver­an­ker­ten Acht-St­un­den-Tag kip­pen und statt­des­sen durch ei­ne wö­chent­li­che Höchst­ar­beits­zeit er­set­zen - ein Vor­stoß, der bei Ge­werk­schaf­ten auf har­sche Kri­tik ge­sto­ßen war und den auch Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) ab­lehnt.

Trotz­dem wol­le man an dem The­ma dran­blei­ben, sagt Wolf: "Star­re ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen ent­spre­chen im­mer we­ni­ger der be­trieb­li­chen Rea­li­tät. Wir wür­den mit ei­ner ent­spre­chen­den An­pas­sung teil­wei­se die Wirk­lich­keit ab­bil­den, wie sie ist. Zu star­re Be­gren­zun­gen sind auch kein Vor­teil für die Ar­beit­neh­mer."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 3. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de