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Bun­des­agen­tur rech­net auch 2015 mit sin­ken­der Ar­beits­lo­sig­keit

Der schwa­che Herbst­auf­schwung im Sep­tem­ber dämpft die Zu­ver­sicht: Trotz­dem bleibt die Bun­des­agen­tur für Ar­beit op­ti­mis­tisch. Auch für 2015 rech­net sie mit wei­ter sin­ken­den Ar­beits­lo­sen­zah­len - al­ler­dings nur noch in ganz ge­rin­gem Um­fang
Zwei Männchen mit Euro Wel­che Ar­beits­markt­ent­wick­lun­gen er­war­tet die BA?

01.10.2014. (dpa) - Trotz ei­nes schwa­chen Herbst­auf­schwungs auf dem Ar­beits­markt rech­net die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) auch für 2015 mit wei­ter sin­ken­der Er­werbs­lo­sig­keit.

Die Zahl der Ar­beits­lo­sen wer­de im kom­men­den Jahr im Schnitt bei 2,88 Mil­lio­nen lie­gen, pro­gnos­ti­zier­te BA-Chef Frank-Jür­gen Wei­se am Diens­tag in Nürn­berg.

Das wä­ren rund 20 000 we­ni­ger als für die­ses Jahr er­war­tet wird.

Schließ­lich prä­sen­tie­re sich die deut­sche Wirt­schaft trotz des schwa­chen zwei­ten Quar­tals sta­bil, lau­te­te Wei­ses Be­grün­dung.

So sei die Bin­nen­nach­fra­ge wei­ter hoch und "die In­ves­ti­tio­nen lau­fen ei­ni­ger­ma­ßen". Auch beim Ex­port rech­net Wei­se wie­der mit kräf­ti­ge­ren Im­pul­sen. Die könn­ten nicht nur aus den USA und Groß­bri­tan­ni­en kom­men, son­dern auch aus Spa­ni­en und Por­tu­gal.

Nach der Som­mer­pau­se ist der deut­sche Ar­beits­markt al­ler­dings über­ra­schend schwach in den Herbst ge­star­tet. Im Sep­tem­ber sank die Zahl der Er­werbs­lo­sen le­dig­lich um 94 000 auf 2,808 Mil­lio­nen, wie die Bun­des­agen­tur mit­teil­te. Der Rück­gang zum Au­gust fiel da­mit so nied­rig aus wie seit zehn Jah­ren nicht. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te nahm um 0,2 Punk­te auf 6,5 Pro­zent ab. Im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­rin­ger­te sich die Zahl der Er­werbs­lo­sen um 41 000.

Nach Ab­zug jah­res­zeit­li­cher Son­der­fak­to­ren, die im Sep­tem­ber we­gen der Ein­stel­lungs­wel­le nach der Som­mer­pau­se be­son­ders aus­ge­prägt sind, wä­re die Zahl der Er­werbs­lo­sen so­gar noch ge­stie­gen - und zwar um 12 000 auf 2,918 Mil­lio­nen.

Wei­se be­grün­de­te ei­nen Groß­teil der leich­ten Del­le mit den ge­sun­ke­nen För­der­an­ge­bo­ten für Job­su­cher: Da­durch wür­den mehr Men­schen in der Ar­beits­lo­sen­sta­tis­tik ge­zählt. Für die der­zeit wach­sen­de Kon­junk­turskep­sis mach­te Wei­se haupt­säch­lich "Stim­mungs­fak­to­ren" ver­ant­wort­lich, die aber nicht von der tat­säch­li­chen La­ge der Wirt­schaft ge­deckt sei­en.

"Der Ar­beits­markt ist sta­bil, auch wenn die Wirt­schafts­aus­sich­ten ver­hal­ten sind", un­ter­strich Wei­se. Der­zeit se­he er auch kei­ne Hin­wei­se, dass sich die La­ge durch­grei­fend ver­än­de­re. So lie­ge die Zahl der Be­schäf­tig­ten, die sich we­gen dro­hen­der Ar­beits­lo­sig­keit bei den Ar­beits­agen­tu­ren mel­den, "auf ei­nem nor­ma­len, un­auf­fäl­li­gen Ni­veau".

Nach Ein­schät­zung von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) zei­gen die ak­tu­el­len Zah­len, "dass der Wind, der uns auf den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten ent­ge­gen­weht, zwar rau­er ge­wor­den ist". Den­noch ste­he der Ar­beits­markt auf fes­ten Bei­nen: "Die Be­schäf­ti­gung bleibt hoch und steigt so­gar wei­ter. Und die gu­te Bin­nen­kon­junk­tur bil­det ei­ne ver­läss­li­che Grund­la­ge für ei­ne wei­ter­hin sta­bi­le Ar­beits­markt­ent­wick­lung."

Un­ter­des­sen öff­net sich die Sche­re zwi­schen der Ent­wick­lung der Ar­beits­lo­sig­keit und der Er­werbs­tä­tig­keit wei­ter: Wäh­rend die Zahl der Er­werbs­lo­sen nach Ab­zug von Sai­son­fak­to­ren seit Mo­na­ten kaum noch sinkt, wächst die Zahl der neu ge­schaf­fe­nen Jobs un­ver­min­dert. So gab es nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes nach den jüngs­ten Da­ten vom Au­gust 42,85 Mil­lio­nen Er­werbs­tä­ti­ge - und da­mit 26 000 mehr als im Ju­li. Im Ver­gleich zum Vor­jahr gab es 355 000 Be­schäf­tig­te mehr.

Die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten lag nach BA-Hoch­rech­nun­gen im Ju­li bei 30,12 Mil­lio­nen; das sind 30 000 mehr als im Ju­ni und 528 000 mehr als im Jahr da­vor. Die Zahl der of­fe­nen Stel­len stieg im Sep­tem­ber um 46 000 auf 518 000.

Skep­tisch se­hen der­weil die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en im Bun­des­tag die Ent­wick­lung auf dem Ar­beits­markt. So wer­den nach An­sicht von Bri­git­te Poth­mer (Die Grü­nen) die Warn­si­gna­le am Ar­beits­markt im­mer deut­li­cher. Die un­si­che­ren Kon­junk­tur­aus­sich­ten schlü­gen sich ver­mehrt auf dem Ar­beits­markt nie­der, zeig­te sich die Po­li­ti­ke­rin über­zeugt.

Die Lin­ken-Ab­ge­ord­ne­te Sa­bi­ne Zim­mer­mann be­klag­te vor al­lem die wei­ter­hin ge­rin­gen Job­chan­cen von Lang­zeit­ar­beits­lo­sen, Äl­te­ren und Be­hin­der­ten. Für vie­le die­ser Men­schen blei­be der Ar­beits­markt fest ver­schlos­sen.

Aus Sicht von DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach soll­ten vor al­lem jun­ge Ar­beits­lo­se mit ver­stärk­ten fi­nan­zi­el­len An­rei­zen da­zu ver­an­lasst wer­den, ei­ne be­ruf­li­che Aus­bil­dung nach­zu­ho­len. Not­wen­dig sei­en auch aus­bil­dungs­be­glei­ten­de Hil­fen für ar­beits­lo­se Ju­gend­li­che. Nur so kön­ne ver­hin­dert wer­de, dass Ju­gend­li­che ih­re Leh­re vor­zei­tig ab­bre­chen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 24. März 2015

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