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Bun­des­agen­tur-Chef Wei­se: Job­hür­den für Flücht­lin­ge sen­ken

Längst nicht al­le gel­ten als po­li­tisch ver­folgt: Vie­le Asyl­be­wer­ber kom­men in der Hoff­nung auf ei­nen gut be­zahl­ten Job nach Deutsch­land - bis­her aber nur mit ge­rin­gen Chan­cen. Das soll­te sich än­dern, fin­det Bun­des­agen­tur-Chef Wei­se
Wel­che Be­schäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten sol­len er­öff­net wer­den?

17.08.2015. (dpa) - Der Vor­stands­chef der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA), Frank Jür­gen Wei­se, hat sich da­für aus­ge­spro­chen, die Job­hür­den für Asyl­be­wer­ber und Flücht­lin­ge wei­ter zu sen­ken.

"Ich bin da­für, dass man den Ar­beits­markt in fast al­len Be­ru­fen, in de­nen re­gio­nal Man­gel herrscht, für Asyl­be­wer­ber oder an­de­re Zu­wan­de­rer schnel­ler öff­net", sag­te Wei­se der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Als Bei­spiel nann­te er feh­len­de Be­wer­ber für Ge­sund­heits­be­ru­fe und Bau­elek­tro­ni­ker-Stel­len.

Für sol­che Be­schäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten, für die Un­ter­neh­men nur schwer Ar­beits­kräf­te fän­den, soll­te da­her schon bald die so­ge­nann­te Vor­rang­prü­fung für Asyl­be­wer­ber weg­fal­len. Da­bei wird ge­prüft, ob die Stel­le nicht auch an ei­nen be­reits in Deutsch­land le­ben­den Ar­beits­lo­sen ver­mit­telt wer­den kann. Das Ar­beits­ver­bot für Flücht­lin­ge war be­reits in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit ge­lo­ckert wor­den. Wei­se kün­dig­te zu­gleich ei­ne stär­ke­re För­de­rung von Asyl­be­wer­ber und Flücht­lin­gen in Job­cen­tern und Ar­beits­agen­tu­ren an.

Auch soll­ten Asyl­be­wer­ber noch wäh­rend ei­nes lau­fen­den Asyl­ver­fah­rens die Chan­ce er­hal­ten, sich nach­träg­lich als Ar­beits­mi­grant oder auf ei­nem an­de­ren zu­wan­de­rungs­recht­li­chen Weg um ei­nen dau­er­haf­ten Ver­bleib in Deutsch­land zu be­mü­hen. Ei­nen sol­chen "Spur­wech­sel" hal­te er für "ab­so­lut not­wen­dig". "Da­für gibt es ei­nen drin­gen­den Be­darf", un­ter­strich Wei­se. Un­ter den Flücht­lin­gen ge­be es vie­le qua­li­fi­zier­te Män­ner und Frau­en. "Und es ist fa­tal, wenn wir dann sa­gen, rein ge­set­zes­tech­nisch schi­cken wir Euch weg".

Qua­li­fi­zier­te Zu­wan­de­rer ab­zu­wei­sen kön­ne man sich schon des­halb nicht leis­ten, weil die deut­sche Wirt­schaft im­mer stär­ker auf jun­ge ar­beits­wil­li­ge Aus­län­der an­ge­wie­sen sei. Zum an­de­ren sei Ar­beit der Schlüs­sel für ei­ne gu­te In­te­gra­ti­on. "Denn über Ar­beit lernt man Spra­che. Ar­beit heißt, dass die Men­schen ei­ne Be­schäf­ti­gung ha­ben, fi­nan­zi­ell un­ab­hän­gig wer­den, und Ar­beit heißt auch, Men­schen in der klei­nen Le­bens­ge­mein­schaft des Be­trie­bes und der Kom­mu­ne ken­nen­zu­ler­nen", be­ton­te der Bun­des­agen­tur-Chef.

Zu­wan­de­rung sei aber auch nö­tig, um die bei­trags­fi­nan­zier­ten So­zi­al­ver­si­che­rungs­sys­te­me we­gen des er­war­te­ten Be­völ­ke­rungs­rück­gangs vor ei­ner dro­hen­den Schief­la­ge zu be­wah­ren. "Das Pro­blem ist, dass im Über­gang von 82 Mil­lio­nen auf viel­leicht 60 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land es plötz­lich we­ni­ger gibt, die ar­bei­ten und mehr Men­schen gibt, die un­ter­stützt wer­den müs­sen, weil sie nicht mehr ar­bei­ten. Um die­se Über­gän­ge gut zu ma­chen, brau­chen wir ge­ziel­te, qua­li­fi­zier­te Zu­wan­de­rung", mach­te Wei­se deut­lich.

Be­rech­nun­gen des haus­ei­ge­nen In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) hät­ten er­ge­ben, dass sich die Zu­wan­de­rung von jun­gen Aus­län­dern auch für die So­zi­al­kas­sen loh­ne. "In der Sum­me ist es so, dass auch die So­zi­al­sys­te­me lang­fris­tig durch Zu­wan­de­rung - da mei­ne ich auch Asyl­be­wer­ber und Flücht­lin­ge, die in Ar­beit kom­men - ge­win­nen: Mit­tel­fris­tig fließt mit den So­zi­al­bei­trä­gen und Steu­ern der Zu­wan­de­rer mehr Geld in die So­zi­al­kas­sen, als für die­se Grup­pe aus­ge­ge­ben wird", sag­te Wei­se.

Das könn­te nach Ein­schät­zung des Bun­des­agen­tur-Chefs al­ler­dings kip­pen, "wenn der An­teil der Men­schen, die kom­men und nicht ar­bei­ten wol­len oder dür­fen zu groß wird", sag­te der BA-Chef ein­schrän­kend. "Wir müs­sen da­her dar­auf ach­ten, dass sich nie­mand in den So­zi­al­sys­te­men ein­rich­tet. Die Men­schen müss­ten zur Ar­beit be­fä­higt, zur Not auch zu Ar­beit an­ge­hal­ten wer­den. Wir ha­ben ein paar Er­schei­nun­gen, wo wir sa­gen, da wächst der An­teil in der Grund­si­che­rung, das ist nicht un­ge­fähr­lich."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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