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Bun­des­agen­tur für Job­kri­se fi­nan­zi­ell un­zu­rei­chend ge­rüs­tet

Chef der Bun­des­agen­tur Frank-Jür­gen Wei­se warnt vor Kos­ten ei­nes mög­li­chen Be­schäf­ti­gungs­ein­bruchs: Wei­se: Bun­des­agen­tur ver­fügt nicht über Rück­la­gen zur Fi­nan­zie­rung ei­nes Kurz­ar­bei­ter­pro­gramms wie in der Fi­nanz­kri­se 2008/2009
Logo der Bundesagentur für Arbeit, weißes Dreieck auf rotem Hintergrund Auf­grund ge­rin­ger Bei­trags­sät­ze hat die BA kaum Rück­la­gen.

06.08.2012. (dpa) - Sie hat­te sich mit Mil­li­ar­den von Eu­ro ge­gen die Kri­se ge­stemmt - und da­mit 2008 und 2009 Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit ver­hin­dert. In­zwi­schen fehlt der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) das Geld für ein ähn­lich wirk­sa­mes Kurz­ar­bei­ter­pro­gramm. Heu­te müss­te sie sich da­für hoch ver­schul­den.

Der Vor­stands­chef der BA, Frank-Jür­gen Wei­se, sieht die Ar­beits­agen­tu­ren für den Fall ei­ner Job­kri­se fi­nan­zi­ell un­zu­rei­chend ge­rüs­tet. "We­der hat der Bund Geld für ein Kon­junk­tur­pro­gramm noch die Bun­des­agen­tur fi­nan­zi­el­le Rück­la­gen et­wa zur Fi­nan­zie­rung ei­nes Kurz­ar­bei­ter­pro­gramms wie in der Fi­nanz­kri­se 2008/2009", sag­te der BA-Chef in ei­nem In­ter­view mit der Nach­rich­ten­agen­tur dpa. Die La­ge der Bun­des­agen­tur sei da­her für ei­ne Kri­sen­be­wäl­ti­gung bei wei­tem nicht mehr so kom­for­ta­bel wie noch vor ei­ni­gen Jah­ren.

Wei­se sag­te, die Bun­des­agen­tur wür­de in ei­ner von ihm der­zeit al­ler­dings nicht er­war­te­ten Job­kri­se auf je­den Fall wie­der ein Kurz­ar­bei­ter­pro­gramm auf­le­gen. Es ge­be hier­für oh­ne­hin ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch. "Und wir wer­den auch zah­len", sag­te Wei­se. Mit ei­nem mil­li­ar­den­schwe­ren Kurz­ar­bei­ter­pro­gramm hat­ten deut­schen Un­ter­neh­men in der Wirt­schafts­kri­se 2008 und 2009 ih­re Auf­trags­flau­te ab­ge­fe­dert, oh­ne Mit­ar­bei­ter in gro­ßem Stil ent­las­sen zu müs­sen.

Um auch künf­tig Kurz­ar­beit fi­nan­zie­ren zu kön­nen, müss­te die Bun­des­agen­tur Kre­di­te auf­neh­men - "und uns viel­leicht mit Mil­li­ar­den von Eu­ro ver­schul­den", sag­te Wei­se. "Wir wer­den dann zu­künf­tig güns­ti­ge Ent­wick­lun­gen (auf dem Ar­beits­markt) be­las­ten, um un­se­re Schul­den zu­rück­zu­zah­len. Das wä­re ei­ne schwa­che Po­si­ti­on der Bun­des­agen­tur", gab der Chef der mehr als 170 deut­schen Ar­beits­agen­tu­ren zu be­den­ken. Die Hal­bie­rung des Ar­beits­lo­sen­bei­trags und meh­re­re Kür­zun­gen der schwarz-gel­ben Bun­des­re­gie­rung ver­hin­dern nach Ex­per­ten­ein­schät­zung seit ei­ni­gen Jah­ren, dass die Bun­des­agen­tur Rück­la­gen für Kri­sen­zei­ten bil­den kann.

Im Fall ei­ner Re­zes­si­on mit stär­ker stei­gen­der Ar­beits­lo­sig­keit sieht Wei­se aber auch Un­ter­neh­men und die Be­schäf­tig­ten ge­for­dert. Ähn­lich wie in der ver­gan­ge­nen Fi­nanz­kri­se müss­ten et­wa der Ab­bau von Ar­beits­zeit­kon­ten oder Über­stun­den als Kri­sen­puf­fer ge­nutzt wer­den.

Auch die Ar­beits­agen­tu­ren hät­ten in­zwi­schen ih­re Kri­sen­ma­nage­ment ver­bes­sert: "Sie sind dar­in ge­übt, aus dem Stand her­aus Un­ter­neh­men und von Ar­beits­lo­sig­keit be­droh­te Män­ner und Frau­en schnell zu be­ra­ten", sag­te Wei­se. Die BA kön­ne zu­dem rasch zu­sätz­li­che Mit­ar­bei­ter mo­bi­li­sie­ren, "da­mit nie­mand vor den Ar­beits­agen­tu­ren im Re­gen ste­hen muss".

Der­zeit se­he es al­ler­dings eher da­nach aus, dass der deut­sche Ar­beits­markt die Tur­bu­len­zen we­gen der Eu­ro­schul­den­kri­se weit­ge­hend un­be­scha­det über­steht. "Für die gu­ten deut­schen Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen und die tol­le Qua­li­tät im An­la­gen- und Au­to­bau wird es im­mer ei­nen gu­ten Markt in der Welt ge­ben." In­zwi­schen zei­ge sich auch, dass sin­ken­de Ex­por­te in süd­eu­ro­päi­sche Län­der et­wa von Lie­fe­run­gen in Schwel­len­län­der weit­ge­hend aus­ge­gli­chen wür­den. An­ders kön­ne sich die La­ge al­ler­dings bei ei­nem "bru­ta­len Schock" dar­stel­len - "wenn et­wa der Eu­ro­raum aus­ein­an­der­fällt. Län­ger­fris­ti­ge Kri­sen kön­nen wir nicht weg­ste­cken."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

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