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ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/002

Von Bun­des­kanz­lern und Spar­kas­sen­di­rek­to­ren

Wie­viel ver­dient der deut­sche Bun­des­kanz­ler?: Der Kanz­ler­kan­di­dat der SPD Peer St­ein­brück fin­det den Bun­des­kanz­ler un­ter­be­zahlt
Taschenrechner auf Geldscheinen

03.01.2012. Vor gut ei­ner Wo­che äu­ßer­te der SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Peer St­ein­brück in ei­nem In­ter­view ge­gen­über der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung, na­he­zu je­der Spar­kas­sen­di­rek­tor in Nord­rhein-West­fa­len ver­die­ne mehr als die Kanz­le­rin.

Und wei­ter: „Ein Bun­des­kanz­ler oder ei­ne Bun­des­kanz­le­rin ver­dient in Deutsch­land zu we­nig - ge­mes­sen an der Leis­tung, die sie oder er er­brin­gen muss und im Ver­hält­nis zu an­de­ren Tä­tig­kei­ten mit weit we­ni­ger Ver­ant­wor­tung und viel grö­ße­rem Ge­halt.“

Die­se Be­wer­tung über­rascht auf den ers­ten Blick, denn im­mer­hin sum­mie­ren sich Amts­ge­halt und an­de­re Be­zü­ge des Bun­des­kanz­lers auf ein statt­li­ches Jah­res­ge­samt­ein­kom­men.

Im fol­gen­den fin­den Sie ei­ni­ge In­for­ma­tio­nen zum Ver­dienst des Bun­des­kanz­lers.

Das Amts­ge­halt des Bun­des­kanz­lers be­trägt ge­mäß § 11 Abs.1 Bun­des­mi­nis­ter­ge­setz fünf Drit­tel des Grund­ge­halts der Be­sol­dungs­grup­pe B 11, die wie­der­um in 2012 bei 11.823,41 EUR mo­nat­lich lag.

Das wür­de rech­ne­risch et­wa 19.705,60 EUR er­ge­ben, doch da die Bun­des­re­gie­rung in den letz­ten zwölf Jah­ren die für Be­am­te gel­ten­den Ge­halts­er­hö­hun­gen nicht mit­ge­macht hat und sich erst­mals im Mai 2012 wie­der ei­ne Ge­halts­er­hö­hung ge­neh­mig­te, wird sich das mo­nat­li­che Amts­ge­halt der Bun­des­kanz­le­rin bis Mit­te 2013 auf 17.016,00 EUR er­hö­hen. Die­sen Be­trag gibt es 13 mal pro Jahr, so dass das Amts­ge­halt des Bun­des­kanz­lers 221.208,00 EUR pro Jahr aus­macht.

Hin­zu kommt ei­ne Dienst­auf­wands­ent­schä­di­gung von 12.271,00 EUR pro Jahr und die Hälf­te der Di­ät als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter, die ab 2013 mo­nat­lich 8.252,00 EUR be­trägt, so dass hier pro Jahr wei­te­re 49.512,00 EUR zu Bu­che schla­gen.

Au­ßer­dem schreibt das Bun­des­mi­nis­ter­ge­setz vor, dass der Bun­des­kanz­ler ei­nen Orts­zu­schlag in Hö­he von vier Drit­teln des in der Be­sol­dungs­grup­pe B 11 zu­ste­hen­den Orts­zu­schlags er­hält. Das ist zwar nicht mehr zeit­ge­mäß, da die Orts­zu­schlä­ge bei der Be­am­ten­be­sol­dung be­reits in den 90er Jah­ren in die Grund­ver­gü­tung ein­ge­ar­bei­tet wur­den, ist aber heu­te noch Be­stand­teil der ge­setz­li­chen Ver­gü­tung der Bun­des­mi­nis­ter und des Bun­des­kanz­lers. Die­se Ge­halts­kom­po­nen­te macht mo­nat­lich 830,01 EUR aus und da­mit jähr­lich 10.790,13 EUR.

Rech­net man schließ­lich noch die steu­er­freie mo­nat­li­che Kos­ten­pau­scha­le hin­zu, die al­len Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten in Hö­he von 4.029,00 EUR zu­steht und die um ein Vier­tel zu kür­zen ist, kommt ein wei­te­rer Be­trag von mo­nat­lich 3.021,75 EUR hin­zu, d.h. von 36.261,00 EUR pro Jahr.

Sum­ma sum­ma­rum macht das ei­ne jähr­li­che Ge­samt­ver­gü­tung von un­ge­fähr 330.042,13 EUR, die in Hö­he ei­nes Teil­be­trags von 48.532,00 EUR nicht als Ein­kom­men zählt und da­her nicht zu ver­steu­ern ist. So­zi­al­ab­ga­ben sind oh­ne­hin nicht zu ent­rich­ten und we­gen gu­ter Pen­si­ons­aus­sich­ten ist ei­ne zu­sätz­li­che pri­va­te Al­ters­vor­sor­ge nicht wirk­lich er­for­der­lich

Wenn es stimmt, dass Spar­kas­sen­di­rek­to­ren „bis zu 340.000 EUR pro Jahr“ ver­die­nen, steht man sich als Bun­des­kanz­ler nach Steu­ern bes­ser als ein nord­rhein-west­fä­li­scher Spar­kas­sen­di­rek­tor, denn auf­grund der ho­hen steu­er­frei­en Ver­gü­tungs­kom­po­nen­ten dürf­te für den Bun­des­kanz­ler mehr Net­to vom Brut­to blei­ben.

Mit ei­nem sol­chen Ein­kom­men wä­ren die meis­ten Er­werbs­tä­ti­gen in Deutsch­land si­cher zu­frie­den. Nicht so Peer St­ein­brück. Und in ei­nem Punkt hat er recht: Auch wenn man ei­ne so­zi­al an­ge­se­he­ne, ver­ant­wor­tungs­vol­le und ab­wechs­lungs­rei­che be­ruf­li­che Top-Po­si­ti­on wie die des Bun­des­kanz­lers an­strebt, wird man ja vor Dienst­an­tritt noch ein­mal über die Be­zah­lung re­den dür­fen. Denn von der Eh­re al­lein, ei­ne be­ruf­li­che Po­si­ti­on be­klei­den zu dür­fen, kann man be­kannt­lich „nicht run­ter­bei­ßen“.

Und beim The­ma Run­ter­bei­ßen kennt sich St­ein­brück aus. Im­mer­hin ver­dien­te er ne­ben sei­ner Tä­tig­keit als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter in den drei Jah­ren von En­de 2009 bis 2012 mit 89 be­zahl­ten Vor­trä­gen et­wa 1,25 Mil­lio­nen EUR, d.h. pro Jahr et­wa 416.000,00 EUR. So ge­se­hen wür­de er sich als Bun­des­kanz­ler fi­nan­zi­ell klar ver­schlech­tern.

Wie könn­te man da hel­fen? Greift man den von St­ein­brück an­ge­stell­ten Ge­halts­ver­gleich mit Ban­kern auf, dann könn­te man an Bo­nus­re­ge­lun­gen den­ken. Al­ler­dings müss­te der Bun­des­kanz­ler dann wie ein Ban­ken­ma­na­ger jähr­li­che Ziel­ver­ein­ba­run­gen un­ter­schrei­ben, wo­bei als Ver­hand­lungs­part­ner statt ei­nes Auf­sichts­rats der Bun­des­tag tä­tig wer­den wür­de. Ob da­bei am En­de mehr Geld für den Bun­des­kanz­ler her­aus­kä­me, ist un­wahr­schein­lich.

Bes­ser wä­re da wohl ei­ne groß­zü­gi­ge Aus­le­gung des ge­setz­li­chen Ne­ben­tä­tig­keits­ver­bo­tes, das für die Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung ge­mäß § 5 Abs.1 Satz 1 Bun­des­mi­nis­ter­ge­setz gilt und ih­nen un­ter­sagt, ne­ben ih­rem Amt als Mi­nis­ter oder Bun­des­kanz­ler ein an­de­res „be­sol­de­tes Amt“ oder ein „Ge­wer­be“ oder ei­nen „Be­ruf“ aus­zu­üben. Von ei­ner ge­le­gent­li­chen be­zahl­ten Vor­trags­tä­tig­keit steht hier nichts. So ge­se­hen spricht recht­lich nichts da­ge­gen, als Bun­des­kanz­ler viel­leicht bis zu et­wa 20 be­zahl­te Vor­trä­ge pro Jahr zu hal­ten, wo­durch man bei den von Peer St­ein­brück bis­lang durch­schnitt­lich rea­li­sier­ten Prei­sen pro Vor­trag das Bun­des­kanz­ler­ge­halt um et­wa 280.000 EUR pro Jahr auf­sto­cken könn­te.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 5. August 2016

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