HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/152

Re­det mit den Chefs! - So kommt die Ge­ne­ra­ti­on Z im Job zu­recht

Wer 1995 oder spä­ter ge­bo­ren ist, ge­hört zur Ge­ne­ra­ti­on Z: Wenn die­se Jahr­gän­ge auf den Ar­beits­markt strö­men, müs­sen sich Fir­men um­stel­len. Die Ju­gend­li­chen ha­ben neue An­sprü­che an den Job. Doch auch die Zler selbst kön­nen ei­ni­ges ma­chen, um Kon­flik­te zu ver­mei­den
Rentner und Jugendlicher an Laptop Wor­auf le­gen jun­ge Ar­beit­neh­mer Wert?

09.05.2016. (dpa) - Ge­ne­ra­ti­on Z? Das hört sich im­mer ein biss­chen nach Welt­un­ter­gang an.

Und es stimmt, die­se Ge­ne­ra­ti­on kennt Kri­sen­zei­ten, denn zu ihr ge­hö­ren - grob ge­sagt - die Ju­gend­li­chen, die um die Jahr­tau­send­wen­de ge­bo­ren wur­den.

Man­che sind be­reits in den ers­ten Job ge­star­tet, vie­le von ih­nen tum­meln sich an den Uni­ver­si­tä­ten oder wer­den dort bald ihr Stu­di­um be­gin­nen.

Sie ha­ben an­de­re Vor­stel­lun­gen vom Be­rufs­le­ben als ih­re Vor­gän­ger­ge­ne­ra­tio­nen - und zwi­schen ih­nen und den Ar­beit­ge­bern dro­hen Kon­flik­te.

Mit wel­chem Ge­burts­jahr die­se Ge­ne­ra­ti­on be­ginnt, ist un­ter Ex­per­ten um­strit­ten. Für Ju­gend­for­scher Prof. Klaus Hur­rel­mann ge­hö­ren zur Ge­ne­ra­ti­on Z die Ju­gend­li­chen, die nach 2000 ge­bo­ren wur­den. Ge­ne­ra­tio­nen­for­scher Chris­ti­an Scholz nennt das Ge­burts­jahr 1995 als Start­punkt. Die­se Kin­der sind wäh­rend der Wirt­schafts­kri­se groß ge­wor­den und ha­ben mit­er­lebt, wie an­ge­schla­ge­ne Un­ter­neh­men ih­re Mit­ar­bei­ter auf die Stra­ße schick­ten.

Viel­leicht ha­ben die­se jun­gen Men­schen des­halb vor al­lem Sehn­sucht nach ei­nem si­che­ren Ar­beits­platz. Geld sei ih­nen da­ge­gen nicht so wich­tig, er­klärt Hur­rel­mann. Die Ar­beit müs­se vor al­lem Spaß ma­chen, und sie woll­ten sich im Job per­sön­lich ver­wirk­li­chen. Au­ßer­dem le­gen sie Wert dar­auf, fle­xi­bel zu ar­bei­ten, um Fa­mi­lie und Hob­bys mit dem Job un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. Die Ge­ne­ra­ti­on will nicht mehr Kar­rie­re um je­den Preis ma­chen, so steht es zu­min­dest in der Shell-Ju­gend­stu­die, die En­de 2015 ver­öf­fent­licht wur­de. Über­stun­den ak­zep­tie­ren sie oft nicht. Für sie zählt die per­sön­li­che Er­fül­lung im Le­ben. Im Fei­er­abend noch E-Mails auf dem Fir­men­lap­top le­sen? Für die Zler kommt das nicht in Fra­ge.

Ei­gent­lich müs­sen sich die Zler kei­ne gro­ßen Sor­gen we­gen ih­rer be­ruf­li­chen Zu­kunft ma­chen - das gilt je­den­falls dann, wenn sie gut qua­li­fi­ziert sind. "Der Markt hat sich ge­dreht, die Per­so­nal­ab­tei­lun­gen fra­gen an", sagt Hur­rel­mann. Heut­zu­ta­ge ste­hen die Fir­men im Wett­be­werb um Nach­wuchs­kräf­te, vie­len macht der Fach­kräf­te­man­gel zu schaf­fen. Um für die jun­gen Leu­te at­trak­tiv zu sein, müs­sen Un­ter­neh­men sich um­stel­len und neue, fle­xi­ble Struk­tu­ren an­bie­ten, um zum Bei­spiel die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf zu er­leich­tern. Da­zu ge­hö­ren Ho­me-of­fice-Ta­ge. Doch was kann ei­gent­lich die Ge­ne­ra­ti­on Z selbst tun, um sich auf das Ar­beits­le­ben vor­zu­be­rei­ten?

"Re­det mit eu­ren Füh­rungs­kräf­ten!", for­dert Scholz die Ge­ne­ra­ti­on Z auf. Nur wer klar kom­mu­ni­ziert, wird Frei­zeit und Be­ruf tat­säch­lich un­ter ei­nen Hut be­kom­men. Ein Bei­spiel: Will der Chef nach 17.00 Uhr noch et­was be­spre­chen, soll­ten die Zler nicht oh­ne Be­scheid zu sa­gen, ein­fach vom Ar­beits­platz zu ih­rem Hob­by stür­men. Das wird den Chef ver­wun­dern. Bes­ser ist, vor­her zu er­klä­ren, dass ei­nem das Hob­by sehr wich­tig ist und das man des­halb an be­stimm­ten Ta­gen sehr pünkt­lich geht. Wer neu ist, soll­te sich aber auch mit sol­chen An­sa­gen erst ein­mal zu­rück­hal­ten und sich um­schau­en, was die Kol­le­gen ma­chen und wie die Stim­mung in der Ab­tei­lung ist.

Zum The­ma di­rek­te Kom­mu­ni­ka­ti­on ge­hört auch die Fra­ge: Wie lö­se ich Kon­flik­te?, er­klärt Hur­rel­mann. Die Ge­ne­ra­ti­on Z mei­de ger­ne den di­rek­ten Weg. Statt di­rekt mit dem Vor­ge­setz­ten zu re­den, wen­de sie sich an den Be­triebs­rat, sagt Scholz. Sol­che Stra­te­gi­en kön­nen nach hin­ten los­ge­hen. Statt­des­sen soll­ten sie erst ein­mal ver­su­chen, mit der Füh­rungs­kraft ei­ne Lö­sung zu fin­den, rät er.

Die Ge­ne­ra­ti­on Z ist au­ßer­dem die ers­te Ge­ne­ra­ti­on, die al­les mit dem Com­pu­ter macht und mit Ta­blet, Smart­pho­ne und Co. auf­ge­wach­sen ist. Im Eng­li­schen wer­den sie da­her "Di­gi­tal Na­ti­ves", zu Deutsch et­wa di­gi­ta­le Ur­ein­woh­ner, ge­nannt. Doch hier kann es eben­falls Pro­ble­me ge­ben. Laut Hur­rel­mann sind die jun­gen Men­schen dar­an ge­wöhnt, dass al­les im­mer schnell geht, Ar­beits­auf­trä­ge über­schau­bar sind und schnell ab­ge­ar­bei­tet wer­den kön­nen.

"Wäh­rend Mul­ti­tas­king ih­re Stär­ke ist, fällt es ih­nen schwer in lan­gen Zy­klen zu den­ken und sich län­ger auf ei­ne Sa­che zu kon­zen­trie­ren. Es fehlt ih­nen an Durch­hal­te­ver­mö­gen", sagt Prof. Hur­rel­mann. Des­we­gen soll­ten sich jun­ge Men­schen be­wusst wer­den, dass zum Ar­bei­ten auch ein­mal lang­wei­li­ge und län­ger­fris­ti­ge Pro­jek­te ge­hö­ren.

Per­fekt ge­tak­te­te Ta­ge, struk­tu­rier­te St­un­den­plä­ne: So sind die jun­gen Leu­te häu­fig auf­ge­wach­sen. Doch im Job geht es manch­mal ganz schön chao­tisch zu – der Not­fall-Plan ist in stres­si­gen Si­tua­tio­nen oft nicht vor­ge­ge­ben, son­dern die Be­schäf­tig­ten müs­sen sich selbst or­ga­ni­sie­ren. Den Zlern fehlt es dann an Ori­en­tie­rung. Sie fra­gen sich: Was tue ich jetzt? Des­we­gen soll­ten sie an ih­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­fä­hig­kei­ten ar­bei­ten, rät Scholz.

Eins ist klar, vie­le die­ser Fä­hig­kei­ten wer­den an den Uni­ver­si­tä­ten und Schu­len nicht ge­lehrt. Der ers­te Job ist im­mer ein Sprung ins kal­te Was­ser - für die Zler aber ganz be­son­ders. Sie soll­ten sich des­halb früh­zei­tig über­le­gen: Wie be­rei­te ich mich auf das Ar­beits­le­ben vor? "Die jun­gen Leu­te kön­nen drän­gen, jetzt zu ler­nen, da­mit sie spä­ter nicht in De­fi­zi­te hin­ein­lau­fen", sagt Hur­rel­mann. Das geht zum Bei­spiel mit Prak­ti­ka.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 2. Dezember 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de