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Auch in Chi­na und Bos­ni­en: Deutsch­land sucht Pfle­ge­kräf­te

In Deutsch­land steigt die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen ste­tig: Doch es feh­len im­mer mehr Fach­kräf­te. Um den Not­stand zu be­kämp­fen, wirbt die Bun­des­agen­tur für Ar­beit um aus­län­di­sches Per­so­nal
Was tun ge­gen den Fach­kräf­te­man­gel von Pfle­ge­kräf­ten?

01.04.2013. (dpa) - Me­di­ka­men­te ver­ab­rei­chen, Wund­ver­bän­de wech­seln, Blut­druck mes­sen, bei Re­ha-Übun­gen oder auf der Toi­let­te hel­fen: All­tag von Pfle­ge­rin­nen und Pfle­gern.

In deut­schen Kli­ni­ken und Al­ten­hei­men feh­len Fach­kräf­te für die­se Ar­bei­ten. Und die Lü­cken wer­den im­mer grö­ßer.

Des­halb soll ver­stärkt Fach­per­so­nal im Aus­land an­ge­wor­ben wer­den. Die da­für zu­stän­di­ge Zen­tra­le Aus­lands- und Fach­ver­mitt­lung (ZAV) der Bun­des­agen­tur für Ar­beit geht nicht nur eu­ro­pa­weit auf die Su­che: Auch in Chi­na und auf den Phil­ip­pi­nen sol­len drin­gend be­nö­tig­te Pfle­ge­kräf­te für Deutsch­land ge­won­nen wer­den.

"Auf Dau­er reicht es nicht aus, nur in Eu­ro­pa nach Fach­per­so­nal zu su­chen", er­klärt ZAV-Di­rek­to­rin Mo­ni­ka Varn­ha­gen.

Nach ak­tu­el­len ZAV-An­ga­ben gab es im März mehr als 8000 als of­fen ge­mel­de­te Stel­len in der Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­ge so­wie gut 10 000 of­fe­ne Stel­len in der Al­ten­pfle­ge. Der tat­säch­li­che Be­darf dürf­te weit hö­her lie­gen. Nach Schät­zun­gen des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des Pfle­ge feh­len be­reits jetzt rund 30 000 Fach­kräf­te.

Die ZAV sucht be­reits seit ei­ni­ger Zeit Pfle­ge­kräf­te in an­de­ren EU-Län­dern, vor al­lem im kri­sen­ge­schüt­tel­ten Sü­d­eu­ro­pa. Dort ist die Ar­beits­lo­sig­keit hoch und jun­ge Fach­kräf­te fin­den oft kei­ne Stel­le.

Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­mit­tel­te die ZAV gleich­wohl nur 56 Pfle­ge­kräf­te aus dem eu­ro­päi­schen Aus­land, die meis­ten ka­men aus Por­tu­gal. Das ist nicht mal ein Trop­fen auf den hei­ßen St­ein.

Auch bul­ga­ri­sche und ru­mä­ni­sche Pfle­ge­kräf­te kön­nen be­reits be­schäf­tigt wer­den, ob­wohl an­sons­ten für bei­de Län­der noch bis Jah­res­en­de ei­ne be­grenz­te EU-Frei­zü­gig­keit gilt.

Mit dem Nicht-EU-Land Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na will die ZAV in den nächs­ten Ta­gen ein Ab­kom­men zur Re­kru­tie­rung un­ter­zeich­nen, wie es das für Kroa­ti­en und seit Ja­nu­ar auch für Ser­bi­en schon gibt.

"Trotz EU-Frei­zü­gig­keit sind nur we­ni­ge Pfle­ge­fach­kräf­te aus Län­dern wie Po­len, Tsche­chi­en, der Slo­wa­kei oder Un­garn ge­kom­men", be­rich­tet der Spre­cher des Ar­beit­ge­ber­ver­bands Pfle­ge, Stef­fen Rit­ter. Ein ho­her bü­ro­kra­ti­scher Auf­wand bei der Be­rufs­a­n­er­ken­nung, un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen in den Bun­des­län­dern so­wie feh­len­de Deutsch­kennt­nis­se sei­en gro­ße Hin­der­nis­se.

Auch die Be­zah­lung sei nicht so at­trak­tiv, wenn die ho­hen Le­bens­hal­tungs­kos­ten in Be­tracht ge­zo­gen wür­den. "Vie­le pol­ni­sche Fach­kräf­te sind lie­ber nach Skan­di­na­vi­en oder Groß­bri­tan­ni­en ge­gan­gen und Per­so­nal aus Un­garn oder Tsche­chi­en hat Ös­ter­reich oder die Schweiz be­vor­zugt."

Des­halb sucht die ZAV nun auch über Eu­ro­pa hin­aus. In Chi­na sol­len in ei­nem Pi­lot­pro­jekt mit dem Ar­beit­ge­ber­ver­band Pfle­ge zu­nächst et­wa 150 aus­ge­bil­de­te Pfle­ge­rin­nen an­ge­wor­ben wer­den.

Sie wer­den von April an in Sprach- und Kul­tur­schu­lun­gen in der Pro­vinz Shan­dong auf ih­ren Deutsch­land-Auf­ent­halt vor­be­rei­tet. Mit­te März wur­de ei­ne ähn­li­che Ver­ein­ba­rung mit den Phil­ip­pi­nen ge­trof­fen.

Nach ei­ner Stu­die der Ber­tels­mann-Stif­tung könn­ten in Deutsch­land im Jahr 2030 rund ei­ne hal­be Mil­li­on Voll­zeit-Pfle­ge­kräf­te feh­len. Die Po­li­tik ha­be das Pro­blem und sei­ne Di­men­si­on lan­ge ver­schla­fen, kri­ti­siert der Prä­si­dent des Bun­des­ver­bands pri­va­ter so­zia­ler Diens­te, Bernd Meu­rer.

Auch auf Chi­na und das dor­ti­ge rie­si­ge Re­ser­voir an Fach­kräf­ten ist Deutsch­land sehr spät ge­sto­ßen. Fast ei­ne Mil­li­on Chi­ne­sin­nen sol­len längst im Aus­land im Ein­satz sein, et­wa in Ka­na­da oder Aus­tra­li­en. Mit ei­ner gro­ßen Wel­le an zu­strö­men­den Fach­kräf­ten aus an­de­ren EU-Staa­ten oder auch fer­nen Dritt­staa­ten sei oh­ne­hin nicht zu rech­nen, sagt ZAV-Spre­che­rin Ma­ri­on Rang. "Al­lein mit aus­län­di­schen Kräf­ten wird die Lü­cke nicht zu schlie­ßen sein."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. Februar 2016

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