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DGB für neue Ord­nung der Ar­beit - Di­gi­ta­li­sie­rung im Fo­kus

Wie kann der di­gi­ta­le Wan­del für die Be­schäf­tig­ten fair ge­stal­tet wer­den? Bei den Mai-Kund­ge­bun­gen dreh­te sich al­les um die Zu­kunft der Ar­beit. Da­bei pran­ger­ten die Ge­werk­schaf­ter auch Wild­wuchs am Ar­beits­markt und ei­ne Aus­he­be­lung von Stan­dards an
Arbeitnehmer Krawatte Mitte Was for­dert der DGB?

02.05.2015. (dpa) - Der di­gi­ta­le Wan­del in der Ar­beits­welt darf aus Sicht der Ge­werk­schaf­ten nicht auf dem Rü­cken der Be­schäf­tig­ten statt­fin­den.

Bei ih­ren tra­di­tio­nel­len Mai-Kund­ge­bun­gen wand­ten sich Ge­werk­schaf­ter aus ganz Bay­ern am Frei­tag ge­gen ei­ne "Ver­wil­de­rung des Ar­beits­mark­tes" mit Werks­ver­trä­gen, Leih­ar­beit und Schein­selbst­stän­dig­keit.

Nö­tig sei­en statt­des­sen ei­ne fai­re Be­zah­lung, mehr Mit­be­stim­mung und ei­ne neue Ord­nung der Ar­beit, er­klär­te der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB).

Aus Sicht von IG-Me­tall-Chef Det­lef Wet­zel ge­hö­ren da­zu auch mehr In­ves­ti­tio­nen in Bil­dung und In­fra­struk­tur. Die­se sei­en nö­tig, um den Wirt­schafts­stand­ort zu si­chern und gu­te Ar­beit zu ge­stal­ten, er­klär­te er zum Tag der Ar­beit in Mün­chen. "Neue Tech­no­lo­gi­en wer­den die Ar­beits­welt gra­vie­rend ver­än­dern, dies darf nicht zum Rück­schritt für die Be­schäf­tig­ten füh­ren." Auch in Zu­kunft müss­ten si­che­re Ar­beits­plät­ze, ta­rif­li­che Ent­gel­te, gu­te Ar­beits­be­din­gun­gen und Mit­be­stim­mung höchs­te Prio­ri­tät ha­ben.

Als ers­te rich­ti­ge Schrit­te be­zeich­ne­te Wet­zel die Ein­füh­rung des Min­dest­lohns, die Stär­kung der Ta­rif­au­to­no­mie und die ab­schlags­freie Ren­te nach 45 Bei­trags­jah­ren. "Aber für ei­ne nach­hal­ti­ge und zu­kunfts­fä­hi­ge Markt­wirt­schaft brau­chen wir noch viel mehr." Auch jün­ge­re Men­schen müss­ten ei­ne si­che­re und gut be­zahl­te Ar­beit be­kom­men "und nicht mit un­si­che­ren, pre­kä­ren Jobs ab­ge­speist wer­den", so Wet­zel. Vor al­lem pran­ger­te er da­bei den Miss­brauch von Werks­ver­trä­gen an, der un­ter­bun­den wer­den müs­se.

Aus Sicht von Bay­erns IG-Me­tall-Be­zirks­chef Jür­gen Wechs­ler soll­ten Be­triebs­rä­te ein Ve­to­recht ge­gen Leih­ar­beit und Werk­ver­trä­ge er­hal­ten: "Nur durch mehr Mit­be­stim­mung wird dem Miss­brauch und der Will­kür Ein­halt ge­bo­ten", er­klär­te Wechs­ler in Schwein­furt.

Bay­erns Ver­di-Lan­des­be­zirks­lei­te­rin Lui­se Kle­mens warn­te in Fürth vor der Aus­he­be­lung von Ar­beits- und So­zi­al­stan­dards durch man­che di­gi­ta­le Ge­schäfts­mo­del­le. Da­durch wür­den Ar­beits­ver­hält­nis­se "zu ei­ner rein pri­va­ten An­ge­le­gen­heit um­de­fi­niert", sag­te Kle­mens. The­men wie Re­gu­lie­rung, Ar­beits- und Ge­sund­heits­schutz oder Ta­rif­löh­ne spiel­ten da­bei dann kei­ne Rol­le mehr. "Wenn man das frei lau­fen lässt, wer­den Ar­beits­ver­hält­nis­se in gan­zen Bran­chen und Be­rufs­grup­pen pul­ve­ri­siert", warn­te Kle­mens.

Wei­te­re Maß­nah­men zur Durch­set­zung des Min­dest­lohns for­der­te Bay­erns DGB-Chef Mat­thi­as Je­na an­läss­lich ei­ner Kund­ge­bung in Re­gens­burg. Man­che Ar­beit­ge­ber such­ten nach Schlupf­lö­chern, um Be­schäf­tig­te wei­ter­hin mit fünf oder sechs Eu­ro St­un­den­lohn ab­zu­spei­sen. "Ehr­li­che Ar­beit­ge­ber, die sich an Ta­rif­ver­trä­ge und Min­dest­lohn hal­ten, dür­fen jetzt nicht die Dum­men sein, weil bei öf­fent­li­chen Auf­trä­gen im­mer nur der bil­ligs­te An­bie­ter zum Zu­ge kommt." Er for­der­te un­ter an­de­rem ein Ta­rif­treue- und Ver­ga­be­ge­setz.

Bay­ern­weit hat­te der DGB zu 110 Kund­ge­bun­gen und Ak­tio­nen auf­ge­ru­fen. Sie stan­den un­ter dem Mot­to: "Die Ar­beit der Zu­kunft ge­stal­ten wir!" Nach DGB-An­ga­ben nah­men lan­des­weit et­wa 75 000 Men­schen an den Ver­an­stal­tun­gen teil. "Der Min­dest­lohn ist ein Mei­len­stein für Be­schäf­tig­te und Ge­werk­schaf­ten. Er steht in ei­ner Rei­he mit his­to­ri­schen ge­werk­schaft­li­chen Er­run­gen­schaf­ten wie dem frei­en Sonn­tag, dem Acht-St­un­den-Tag und der 35-St­un­den-Wo­che. Des­halb wird die­ser 1. Mai in die Ge­schich­te ein­ge­hen", sag­te Je­na.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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