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Deutsch­land in Het­ze - Wie emp­fin­den Ar­beit­neh­mer die Job-Qua­li­tät?

Mul­ti­tas­king und Rö­deln oh­ne Pau­se ge­hö­ren für Vie­le zum Ar­beits­all­tag: Vor al­lem bei den oh­ne­hin schon be­las­te­ten Ar­beit­neh­mern kommt häu­fig noch et­was oben­drauf
Wel­che Fak­to­ren lö­sen den Stress am Ar­beits­platz aus?

04.12.2015. (dpa) - We­ni­ge Pau­sen, kaum ein Mo­ment zum Ab­schal­ten, stän­di­ge Un­ter­bre­chun­gen bei der Ar­beit - für Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land ist Ar­beit ei­ne An­ein­an­der­rei­hung von Stress­fak­to­ren.

"Die Ar­beits­be­din­gun­gen wer­den von den Ar­beit­neh­mern ins­ge­samt al­les an­de­re als gut be­wer­tet", sagt DGB-Chef Rei­ner Hoff­mann.

"Die Ur­sa­che da­für ist ins­be­son­de­re der zu­neh­men­de Ar­beits­druck, die Ver­dich­tung und die Be­las­tung bei der Ar­beit." Wo kommt der Stress ge­nau her?

Zu­nächst ist Hek­tik im Job laut dem am Don­ners­tag prä­sen­tier­ten "DGB-In­dex Gu­te Ar­beit" eher die Re­gel als die Aus­nah­me: Et­was mehr als je­der zwei­te Be­schäf­tig­te fühlt sich sehr oft oder oft ge­hetzt oder zu­min­dest un­ter Zeit­druck. Häu­figs­te Ur­sa­che ist der Um­fra­ge zu­fol­ge Mul­ti­tas­king: Von de­nen, die be­son­ders im Stress sind, ha­ben nach ei­ge­nen An­ga­ben 65 Pro­zent oft zu viel gleich­zei­tig um die Oh­ren. Be­trof­fen sind vor al­lem Mit­ar­bei­ter der In­for­ma­ti­ons­bran­che, der Ban­ken, Ver­si­che­run­gen und der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung.

Fast eben­so oft schlägt in den Au­gen der Be­trof­fe­nen aber auch zu we­nig Per­so­nal durch. In den Au­gen von 63 Pro­zent der Ge­hetz­ten ver­teilt sich zu viel Ar­beit auf zu we­ni­ge Schul­tern. Be­son­ders wer sei­ne Ar­beits­be­din­gun­gen auch aus an­de­ren Grün­den oh­ne­hin schon als mies emp­fin­det, sieht sich auch durch zu we­nig Per­so­nal un­ter Druck.

An drit­ter Stel­le ste­hen bei den Ur­sa­chen für Stress un­ge­plan­te Zu­satz­auf­ga­ben (bei 61 Pro­zent der Ge­hetz­ten), zu knap­pe Zeit­vor­ga­ben (54 Pro­zent), ei­ne zu ho­he Er­war­tungs­hal­tung von Kun­den oder Pa­ti­en­ten (41 Pro­zent). Je­weils rund ein Drit­tel der Ge­hetz­ten klagt über zu lan­ge Ent­schei­dungs­we­ge oder zu ho­he Vor­ga­ben im Be­trieb.

Schlech­te Zu­stän­de im Job kom­men sel­ten al­lein. "Auf­fal­lend ist, dass bei Ar­beit­neh­mern mit be­son­ders vie­len Über­stun­den dann auch noch die Pau­sen aus­fal­len", sagt Hoff­mann. Fast ein Drit­tel der Be­schäf­tig­ten ins­ge­samt ver­zich­tet auf Pau­sen oder ver­kürzt sie. Von de­nen, die auch au­ßer­halb ih­rer nor­ma­len Ar­beits­zei­ten oft für ih­ren Ar­beit­ge­ber er­reich­bar sein müs­sen, ha­ben 55 Pro­zent auch kaum Pau­sen - bei Be­schäf­tig­ten mit min­des­tens 45 Wo­chen­stun­den im Job sind es 48 Pro­zent. Er­zie­her und Leh­rer lie­gen hier mit an der Spit­ze.

Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke sieht ei­ne di­rek­te Ver­bin­dung vom Dau­er­stress zum Kran­ken­la­ger. Tat­säch­lich wei­sen die Kran­ken­kas­sen seit Jah­ren im­mer mehr Krank­heits­ta­ge we­gen psy­chi­scher Er­kran­kun­gen aus. Und auch ein gro­ßer Teil der Früh­ver­ren­tun­gen geht dar­auf zu­rück. Aber was folgt nun dar­aus?

Die IG Me­tall leg­te schon vor drei Jah­ren ei­nen Ent­wurf für ei­ne An­ti-Stress-Ver­ord­nung vor. Un­ter­neh­men soll­ten un­ter an­de­rem ver­pflich­tet wer­den, lös­ba­re, aber nicht un­ter­for­dern­de Ar­beits­auf­ga­ben zu stel­len und für ei­nen ge­sun­den Ar­beits­rhyth­mus zu sor­gen. Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) trieb auch ei­ne Prü­fung der Sa­che vor­an - doch in Zei­ten von Wachs­tums­ri­si­ken und Flücht­lings­kri­se ist nichts mehr da­von zu hö­ren.

Der DGB-Chef selbst führt ein Bei­spiel an, in dem ei­ne Dienst­ver­ein­ba­rung mit dem Per­so­nal­rat Ab­hil­fe schaff­te. In ei­ner Schu­le na­he Frank­furt/Main sei es zu­vor üb­lich ge­we­sen, dass Leh­rern per SMS noch am Sonn­tag­abend Ver­tre­tungs­stun­den für den Tag dar­auf mit­ge­teilt wur­den - in­klu­si­ve der Auf­for­de­rung, da­für Dut­zen­de Sei­ten zu le­sen. Und Bsirs­ke kün­digt an, den Kampf um gu­te Per­so­nal­schlüs­sel wei­ter vor­an­zu­trei­ben.

Gar nicht ein­ver­stan­den mit der Stoß­rich­tung der DGB-Prä­sen­ta­ti­on sind die Ar­beit­ge­ber: "Die Un­ter­neh­men be­mü­hen sich nach Kräf­ten, die Er­war­tun­gen ih­rer Kun­den best­mög­lich zu er­fül­len, oh­ne ih­re Be­schäf­tig­ten zu über­for­dern", be­tont die Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung BDA. Sie führt an­de­re Um­fra­gen an, nach de­nen dies auch meist ge­lingt. So zei­ge ei­ne Er­he­bung der Bun­des­an­stalt für Ar­beits­schutz und Ar­beits­me­di­zin, dass mehr als 70 Pro­zent de­rer, die häu­fig mit meh­re­ren Auf­ga­ben gleich­zei­tig be­fasst sind, sich da­durch nicht be­las­tet füh­len.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 13. Oktober 2016

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