HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/164

Durch­bruch im Rin­gen um VW-Haus­ta­rif: 120.000 Mit­ar­bei­ter pro­fi­tie­ren

Ar­beit­ge­ber und Ge­werk­schaft bei VW ha­ben in nächt­li­chen Ge­sprä­chen ei­nen Kom­pro­miss für den neu­en Haus­ta­rif er­zielt: De­tails der Ei­ni­gung sol­len im Lau­fe des Frei­tags be­kannt­ge­ge­ben wer­den. Ne­ben ei­nem Plus für die Ein­kom­men geht es auch um die Al­ters­teil­zeit
Für wen gilt der Haus­ta­rif­ver­trag?

20.05.2016. (dpa) - Am En­de lief es trotz Die­sel-Kri­se oh­ne Ver­zö­ge­run­gen: Ver­tre­ter der Ge­werk­schafts- und Ar­beit­ge­ber­sei­te bei VW ha­ben ei­nen Ab­schluss für die 120.000 Mit­ar­bei­ter im Haus­ta­rif er­zielt.

Die IG Me­tall und das Un­ter­neh­men ei­nig­ten sich in der Nacht zum Frei­tag in Han­no­ver in ih­rer drit­ten Ge­sprächs­run­de.

Das er­fuhr die Deut­sche Pres­se-Agen­tur am Mor­gen aus Ver­hand­lungs­krei­sen.

Der VW-Haus­ta­rif ist Deutsch­lands größ­ter Fir­men­ta­rif. De­tails des neu­en Ver­tra­ges sol­len im Lau­fe des Frei­tags be­kannt­ge­ge­ben wer­den. Sie wer­den mit Span­nung er­war­tet, vor al­lem weil der Kon­zern we­gen des Die­sel-Skan­dals in sei­ner größ­ten Kri­se steckt und ei­sern spa­ren muss.

In­si­der ge­hen da­von aus, dass ei­ne Über­nah­me des jüngst ge­glück­ten Pi­lot­ab­schlus­ses aus der Me­tall- und Elek­tro­bran­che auch Teil der Lö­sung im VW-Haus­ta­rif sein dürf­te. Die­ser Kom­pro­miss im Flä­chen­ta­rif sieht bei ins­ge­samt 21 Mo­na­ten Lauf­zeit zu­nächst ei­ne Ein­mal­zah­lung von 150 Eu­ro und dann in zwei Schrit­ten mehr Geld vor: 2,8 Pro­zent ab Ju­li 2016 und wei­te­re 2 Pro­zent ab April 2017. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te Eu­ro­pas größ­ter Au­to­bau­er für sei­nen Haus­ta­rif stets die Ei­ni­gun­gen aus der Flä­che über­nom­men. Dar­auf deu­te­te auch bei den nun in der Nacht be­en­de­ten Haus­ta­rif-Ver­hand­lun­gen ei­ni­ges hin. In­hal­te des Ab­schlus­ses wa­ren am Mor­gen aber zu­nächst nicht zu er­fah­ren.

Zu­letzt hat­te die IG Me­tall bei VW Zu­satz­leis­tun­gen durch­ge­setzt wie et­wa Ex­tra­zu­schüs­se für die Ren­te oder Ein­mal­zah­lun­gen, die über das Lö­sungs­pa­ket des Flä­chen­ta­ri­fes hin­aus­gin­gen. Ob das in Zei­ten der mil­li­ar­den­teu­ren Die­sel-Kri­se dies­mal er­neut ge­lang, ist un­ge­wiss. Zu­dem ging es bei VW an­ders als im Flä­chen­ta­rif auch dar­um, die Al­ters­teil­zeit neu zu re­geln. Sie läuft En­de die­ses Jah­res aus.

Der VW-Haus­ta­rif gilt in den sechs west­deut­schen VW-Wer­ken Em­den, Han­no­ver, Wolfs­burg, Salz­git­ter, Braun­schweig und Kas­sel so­wie bei der Fi­nanz­toch­ter aus Braun­schweig. Die 120.000 Mit­ar­bei­ter re­prä­sen­tie­ren je­de fünf­te Stel­le im Kon­zern.

Ein Ab­schluss in An­leh­nung an den Kom­pro­miss im Flä­chen­ta­rif wä­re für bei­de Sei­ten ein Ge­winn: Die Ge­werk­schaft und der VW-Be­triebs­rat könn­ten die Ei­ni­gung als wei­te­res Si­gnal da­für ver­kau­fen, dass die Mit­ar­bei­ter die Fol­gen der Kri­se nicht auch mit ei­ge­nen Ein­bu­ßen be­zah­len müs­sen. Das wä­re ein er­neu­ter Er­folg, denn vor Pfings­ten war die Ei­ni­gung ge­glückt, dass die Ta­rif­be­leg­schaft bei VW selbst für das Ver­lust­jahr 2015 ei­ne Ge­winn­be­tei­li­gung er­hält. Es flie­ßen 3950 Eu­ro, ob­wohl die Mit­ar­bei­ter we­gen des mil­li­ar­den­schwe­ren Fehl­be­trags in der Kon­zern­bi­lanz ei­gent­lich kei­nen An­spruch auf Bo­ni hat­ten. Ei­ne Ei­ni­gung mit dem Vor­stand mach­te die Aus­nah­me den­noch mög­lich. Für das Re­kord­jahr 2014 war noch ein Drit­tel mehr ge­flos­sen: 5900 Eu­ro.

Aber auch die Ar­beit­ge­ber­sei­te könn­te ei­nen Ab­schluss auf Flä­chen­ni­veau als ih­ren Vor­teil wer­ten. Denn die lan­ge Lauf­zeit von fast zwei Jah­ren bräch­te VW Pla­nungs­si­cher­heit. Die Haus­ta­rif-Per­so­nal­kos­ten pro Kopf wür­den da­mit bis ins Jahr 2018 hin­ein ge­nau­er kal­ku­lier­bar.

Die IG Me­tall war mit zwei Zie­len in die VW-Haus­ta­rif­ver­hand­lun­gen ge­gan­gen: 5 Pro­zent mehr Geld bei zwölf Mo­na­ten Lauf­zeit und ei­ne Ver­län­ge­rung des Al­ters­teil­zeit­ver­tra­ges. Die Ar­beit­ge­ber wa­ren auch in der zwei­ten Run­de An­fang Mai noch oh­ne ein An­ge­bot ge­blie­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de