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EU un­eins über Weg aus Job-Kri­se - Ber­lin ge­gen fri­sches Geld

Rei­chen die Mit­tel im Kampf ge­gen die Job-Kri­se aus? Wird das Geld zu lang­sam ver­ge­ben? Wie geht es wei­ter? Ant­wor­ten dar­auf su­chen Eu­ro­pas Spit­zen in Mai­land
Europafahne Wel­che Maß­nah­men sind sinn­voll?

09.10.2013. (dpa) - Die EU-Staats- und Re­gie­rungs­chefs sind un­eins über den wei­te­ren Kampf ge­gen die ho­he Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit in Eu­ro­pa.

Das wur­de zu Be­ginn des EU-Be­schäf­ti­gungs­gip­fels am Mitt­woch in Mai­land deut­lich.

Wäh­rend Deutsch­land dar­auf poch­te, dass die be­ste­hen­den Mil­li­ar­den-Hil­fe ef­fek­ti­ver ver­ge­ben wer­den müss­ten, mach­te Frank­reichs Prä­si­dent François Hol­lan­de deut­lich, dass die Mit­tel ins­ge­samt nicht aus­reich­ten.

Be­glei­tet wur­de der Gip­fel in der nord­ita­lie­ni­schen Wirt­schafts­me­tro­po­le von Pro­tes­ten ge­gen die um­strit­te­ne Ar­beits­markt­re­form von Re­gie­rungs­chef Mat­teo Ren­zi.

Vor Be­ginn der Be­ra­tun­gen ver­wies Hol­lan­de auf die Fak­ten: "Ei­ner von vier Ju­gend­li­chen in Eu­ro­pa ist oh­ne Ar­beit", sag­te der fran­zö­si­sche Staats­chef und for­der­te zu­gleich deut­lich mehr Mit­tel, um das Wachs­tum an­zu­kur­beln.

Für Deutsch­land mach­te Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) deut­lich: "Wir ha­ben ge­nü­gend Geld, was aber noch nicht bei den jun­gen Leu­ten an­ge­kom­men ist." Es sei des­we­gen nicht sinn­voll, zum jet­zi­gen Zeit­punkt ein­fach "mehr Geld" zu schrei­en.

Die EU-Spit­zen wa­ren nach Mai­land ge­kom­men, weil die ho­he Ar­beits­lo­sig­keit in vie­len Län­dern Eu­ro­pas trotz zwei­er frü­he­rer Be­schäf­ti­gungs­gip­fel ein rie­si­ges Pro­blem bleibt. Die Job-Flau­te in der Eu­ro­zo­ne trifft ins­be­son­de­re jun­ge Men­schen: 3,3 Mil­lio­nen Men­schen un­ter 25 Jah­ren wa­ren im Au­gust oh­ne Stel­le, be­trof­fen sind vor al­lem Län­der wie Spa­ni­en, Grie­chen­land, Ita­li­en und Kroa­ti­en.

Ge­gen die Job-Kri­se sol­len zahl­rei­che Maß­nah­men hel­fen, die in Eu­ro­pa in­zwi­schen an­ge­sto­ßen wor­den sind - al­len vor­an die Ju­gend­garan­tie. Sie soll Un­ter-25-Jäh­ri­ge bin­nen vier Mo­na­ten in Prak­ti­kum, Ar­beit oder Aus­bil­dung brin­gen. Da­für ste­hen sechs Mil­li­ar­den Eu­ro und wei­te­re gro­ße Sum­men aus dem Eu­ro­päi­schen So­zi­al­fonds (ESF) be­reit. Das Pro­blem ist aber, dass bis­lang nur ein klei­ner Teil der Mit­tel bei den Be­trof­fe­nen an­ge­kom­men ist. 20 Staa­ten mit be­son­ders gro­ßen Be­schäf­ti­gungs­pro­ble­men bei Ju­gend­li­chen reich­ten mitt­ler­wei­le 34 Um­set­zungs­pro­gram­me in Brüs­sel ein.

EU-Par­la­ments­prä­si­dent Mar­tin Schulz zeig­te sich über die schlep­pen­de Um­set­zung em­pört: "Es kann ja nicht sein, dass wir im Eu­ro­pa­par­la­ment nach hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Re­gie­rungs­chefs da­für sor­gen, dass wir sechs Mil­li­ar­den zur Ver­fü­gung stel­len und dann er­fah­re ich auf dem Weg hier­her, dass mal ge­ra­de ein Pro­zent da­von ab­ge­ru­fen wor­den ist." Er wer­de die Re­gie­rungs­chefs fra­gen: "War­um ruft ihr die­se Gel­der ei­gent­lich nicht ab?"

Nah­les be­ton­te da­ge­gen, dass al­le be­rech­tig­ten Staa­ten Um­set­zungs­pro­gram­me ein­ge­reicht hät­ten. "Die Kom­mis­si­on muss jetzt wirk­lich schnell die Mit­tel auch be­wil­li­gen." Es ge­he dar­um, die Ar­beit auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne ef­fek­ti­ver zu ma­chen. Bei dem Gip­fel stand auch ein Tref­fen der Lei­ter der Ar­beits­agen­tu­ren auf dem Pro­gramm, um die Ar­beits­ver­mitt­lung in den Kri­sen­staa­ten zu ver­bes­sern.

Der DGB-Vor­sit­zen­de Rei­ner Hoff­mann for­der­te im Deutsch­land­funk mehr ech­te Hil­fe für die Ju­gend­li­chen: "Wir ha­ben ja mitt­ler­wei­le mehr Leu­te, die mit der Ver­wal­tung und Kon­trol­le der Mit­tel be­schäf­tigt sind, als Men­schen, die sich dar­um küm­mern, dass Pro­jek­te auf den Weg ge­bracht wer­den." Die deut­sche In­dus­trie ver­lang­te kon­kre­te Schrit­te - auch von Ita­li­en, wie BDI-Prä­si­dent Ul­rich Gril­lo der dpa sag­te.

Gast­ge­ber Mat­teo Ren­zi, des­sen Land bis zum En­de des Jah­res die EU-Rats­prä­si­dent­schaft in­ne­hat, sorg­te für zu­sätz­li­che Span­nung. Denn aus­ge­rech­net am Gip­fel­tag stand in Rom ei­ne Ver­trau­ens­ab­stim­mung über die in Ita­li­en um­strit­te­ne Ar­beits­markt­re­form an. Ge­gen das Vor­ha­ben der Re­gie­rung gin­gen rund 2000 Men­schen in Mai­land auf die Stra­ße. Ver­ein­zelt kam es zu Zu­sam­men­stö­ßen mit der Po­li­zei, die Si­cher­heits­kräf­te rie­gel­ten den Ort des Be­schäf­ti­gungs­gip­fels ab und rich­te­ten ei­ne Sperr­zo­ne ein.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. August 2015

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