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Ei­ni­gung im Bahn-Ta­rif­kon­flikt - Kei­ne Streiks mehr

Neun­mal lie­ßen die Lok­füh­rer die Zü­ge ste­hen, nun kön­nen die Bahn-Rei­sen­den un­be­sorgt in die Fe­ri­en fah­ren: Die Sch­lich­tung im Bahn-Ta­rif­kon­flikt ist ge­lun­gen. Dem Kon­zern je­doch steht in­tern neue Un­ru­he be­vor
Handschlag Playmobil Was ent­hält das Ta­rif­pa­ket?

02.07.2015. (dpa) - Auf­at­men bei Pend­lern und Rei­sen­den: Nach ei­nem Jahr Ver­hand­lun­gen und neun Ar­beits­kämp­fen ist der här­tes­te Ta­rif­kon­flikt in der Ge­schich­te der Deut­schen Bahn be­en­det.

Das Un­ter­neh­men und die Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL ei­nig­ten sich auf ei­nen Ta­rif­ver­trag, der am Mitt­woch in Ber­lin prä­sen­tiert wur­de.

Fünf Wo­chen lang hat­ten die bei­den Sch­lich­ter Bo­do Ra­me­low (Lin­ke), Thü­rin­gens Mi­nis­ter­prä­si­dent, und Mat­thi­as Platz­eck, Bran­den­burgs frü­he­rer Re­gie­rungs­chef, an der Lö­sung des fest­ge­fah­re­nen Kon­flikts ge­ar­bei­tet.

Streiks bei der Bahn sind nun bis Herbst 2016 aus­ge­schlos­sen.

"Da­mit kön­nen al­le in Ru­he ih­re Ur­laubs­fahr­kar­ten kau­fen", fei­er­te Ra­me­low den Er­folg. Die Bahn kann sich jetzt auf ih­ren Kon­zern­um­bau kon­zen­trie­ren. Vor­stands­chef Rü­di­ger Gru­be ar­bei­tet we­gen der Schwie­rig­kei­ten in meh­re­ren Ge­schäfts­fel­dern an gra­vie­ren­den Än­de­run­gen. Die Ar­beit­neh­mer­sei­te ist alar­miert.

"Al­les ist un­ter­schrie­ben, der Ta­rif­frie­den ist her­ge­stellt", sag­te Platz­eck nach fünf Wo­chen Sch­lich­tung. "Wir ha­ben am En­de ei­nen Ab­schluss mit Ver­nunft und Au­gen­maß hin­be­kom­men." Nach dem neu­en Ta­rif­werk soll das vom Par­la­ment be­schlos­se­ne Ta­rif­ein­heits­ge­setz, das wohl noch im Ju­li in Kraft tritt, bis En­de 2020 bei der Bahn nicht grei­fen. Es hät­te die klei­ne Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL) in ei­ne schwä­che­re Po­si­ti­on ge­bracht.

GDL-Chef Claus We­sels­ky dank­te den bei­den Sch­lich­tern. Ih­nen sei es ge­lun­gen, "zwei auf­ein­an­der zu­ra­sen­de Zü­ge so ein­zu­len­ken, dass sie am En­de des Ta­ges die Kur­ve ge­kriegt ha­ben". Bahn-Per­so­nal­vor­stand Ul­rich We­ber sprach von ei­nem "über­ra­gen­den Si­gnal für un­se­re Kun­den": Die Streik­ge­fahr sei ge­bannt.

Das Ta­rif­pa­ket ent­hält ei­nen Bun­des­rah­men­ta­rif­ver­trag für das ge­sam­te Zug­per­so­nal, das bei der GDL or­ga­ni­siert ist. Den gab es bis­her nur für die Lok­füh­rer. Nun sind auch Zug­be­glei­ter, Bord­gas­tro­no­men, Lok­ran­gier­füh­rer und Dis­po­nen­ten da­bei - was ei­ne Kern­for­de­rung der GDL war.

Zu­dem be­kom­men die 160 000 Be­schäf­tig­ten un­ter dem Ta­rif­werk in zwei Stu­fen ins­ge­samt 5,1 Pro­zent mehr Geld - was auch mit der grö­ße­ren Ei­sen­bahn-und Ver­kehrs­ge­werk­schaft (EVG) ver­ein­bart wor­den war. Über­dies wird im Ja­nu­ar 2018 die Wo­chen­ar­beits­zeit um ei­ne St­un­de auf 38 St­un­den ge­senkt. Über ei­ne sol­che Re­ge­lung will die Bahn in den nächs­ten Ta­rif­run­den auch mit der EVG spre­chen. De­ren Vi­ze­che­fin Re­gi­na Rusch-Ziem­ba sag­te, da­für sei bis 2018 noch ge­nug Zeit.

Bahn und GDL ver­ein­bar­ten, bis En­de 2017 ei­ne Mil­li­on Über­stun­den bei den Lok­füh­rern und 300 000 Über­stun­den bei den Zug­be­glei­tern ab­zu­bau­en. Die Bahn will da­für 300 Lok­füh­rer und 100 Zug­be­glei­ter zu­sätz­lich ein­stel­len. Die Ta­rif­ver­trä­ge mit der GDL über die Ein­kom­men ha­ben ei­ne Lauf­zeit bis 30. Sep­tem­ber 2016. Die Ar­beits­zeit­re­geln gel­ten bis 31. De­zem­ber 2018.

Die ei­gent­lich auf drei Wo­chen an­ge­leg­te Sch­lich­tung war zwei­mal ver­län­gert wor­den. Platz­eck sag­te, zwi­schen­zeit­lich ha­be es auch ei­nen Ab­bruch ge­ge­ben. We­sels­ky er­klär­te, ein wich­ti­ger Er­folg sei es, dass die Be­las­tun­gen des Zug­per­so­nals ge­senkt wer­den. Au­ßer­dem wer­de die ta­rif­li­che Spal­tung von Lok­füh­rern und Lok­ran­gier­füh­rern auf­ge­ho­ben.

Die Streiks der Lok­füh­rer be­las­ten die Bahn-Bi­lan­zen 2014 und 2015 ins­ge­samt mit 480 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Sum­me er­gibt sich aus Ein­nah­me­aus­fäl­len im Per­so­nen- und Gü­ter­ver­kehr so­wie Kos­ten, et­wa für Er­satz­fahr­plä­ne und Kun­den­in­for­ma­ti­on. Wie teu­er der Ab­schluss wird, woll­te der Kon­zern am Mitt­woch nicht mit­tei­len. Ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) als Ver­tre­ter des Bahn-Ei­gen­tü­mers Bund be­grüß­te die Ei­ni­gung.

Die Bahn steht je­doch auch nach Lö­sung des Ta­rif­kon­flikts un­ter Druck. Sie hat im Fern-, Re­gio­nal- und Gü­ter­ver­kehr Markt­an­tei­le ver­lo­ren. Vor­stands­chef Rü­di­ger Gru­be will die Bahn des­halb um­bau­en. Der Kon­zern­be­triebs­rat warn­te am Mitt­woch vor ei­ner Zer­schla­gung. Die Be­schäf­tig­ten sei­en mas­siv ver­un­si­chert und müss­ten "zeit­nah" und "um­fas­send" in­for­miert wer­den. "Was Schlag­wor­te wie Spar­kurs, Ver­schlan­kung und Bün­de­lung be­deu­ten, wis­sen un­se­re Kol­le­gen nur zu gut und sor­gen sich folg­lich um ih­re Zu­kunft."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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