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Ei­ne klei­ne Ewig­keit - Bsirs­ke an der Ver­di-Spit­ze be­stä­tigt

Frank Bsirs­ke setzt den Kampf fort - al­te Kon­flik­te schwe­len wei­ter, auf neue be­rei­tet der Ver­di-Chef die Ba­sis vor: Dass er mit 67 noch nicht in Ren­te geht, ist für den Ge­werk­schafts­boss kein Pro­blem
Fünf Arbeitnehmer Wel­che Kon­flik­te sind noch of­fen?

23.09.2015. (dpa) - Ei­gent­lich ist es ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, aber Frank Bsirs­ke sieht sich ver­an­lasst, die De­le­gier­ten da­mit zu be­ru­hi­gen.

Nein, un­be­grenzt wol­le er nicht Ver­di-Chef blei­ben.

"Von Ewig­keit ist nichts", sagt er den knapp 1000 De­le­gier­ten des Ver­di-Bun­des­kon­gres­ses in Leip­zig.

Aber ei­ne klei­ne Ewig­keit, seit der Ver­di-Grün­dung 2001, steht er be­reits an der Spit­ze.

Am En­de be­kommt er noch ein­mal 88,5 Pro­zent der Stim­men für wei­te­re vier Jah­re - sein bis­her schlech­tes­tes Er­geb­nis zwar, aber doch al­les an­de­re als ein De­ba­kel.

Zwei Ta­ge dau­ert der Kon­gress schon, aber die heik­le Fra­ge von Bsirs­kes Al­ter hat bis­her noch nie­mand an­ge­schnit­ten. Doch nun tritt der De­le­gier­te 786 aufs rie­si­ge Po­di­um. Er er­in­nert an die ge­mein­sa­men Kämp­fe ge­gen die Ren­te mit 67 - und dar­an, dass Bsirs­ke die Gren­ze zum En­de der neu­en Amts­pe­ri­ode rei­ßen wird. Bsirs­ke kon­tert, die ob­li­ga­to­ri­sche Ren­te mit 67 blei­be in­ak­zep­ta­bel - aber wer wol­le, so wie er, der sol­le län­ger ar­bei­ten dür­fen. So kommt es, dass der lin­ke Bsirs­ke am En­de län­ger Ge­werk­schafts­boss sein dürf­te als Hel­mut Kohl Kanz­ler war.

Er­folg­rei­che Ab­schlüs­se und zu­letzt wie­der mehr Mit­glie­der kann Bsirkse vor­wei­sen. Gut zwei Mil­lio­nen Ver­di­aner sind es nach hun­dert­tau­send­fa­chen Ver­lus­ten seit der Ver­di-Grün­dung. Seit 14 Jah­ren hält der grü­ne Po­li­to­lo­ge die aus­ufern­de Or­ga­ni­sa­ti­on zu­sam­men­ge­hal­ten - sein Image als Kämp­fer ge­gen so­zia­les Un­recht hilft ihm.

Wich­ti­ge Bau­stel­len sind aber der­zeit of­fen - bei neu­en bas­telt Ver­di an den Bau­plä­nen. Noch un­ge­löst ist vor al­lem der Ki­ta-Streit. Ma­chen die kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber bei der nächs­ten Ver­hand­lungs­run­de An­fang nächs­ter Wo­che ent­ge­gen ih­ren An­kün­di­gun­gen doch Zu­ge­ständ­nis­se? Sonst ste­hen die Zei­chen auf "Es­ka­la­ti­on" (Bsirs­ke). Völ­lig un­ab­seh­bar ist der Aus­gang im Dau­er­streit mit Ama­zon. "Ei­nen Ta­rif­ver­trag durch­set­zen konn­ten wir bis­her noch nicht", räumt Bsirs­ke ein.

Doch ei­gent­lich sieht der Ver­di-Boss für Selbst­kri­tik kaum An­lass. "Wer so tut, als sei al­les ein Miss­er­folg, was nicht ei­ne 100-pro­zen­ti­ge Durch­set­zung der Ta­rif­for­de­run­gen ist (...), der ist ein Il­lu­sio­nist, der be­treibt Ta­rif­ro­man­tik", ruft er den De­le­gier­ten ent­ge­gen. Wer hat Schuld an der ver­fah­re­nen La­ge im Ki­ta-Kon­flikt? Die Ar­beit­ge­ber, so Bsirs­ke, hät­ten je­den Be­darf an ei­ner Auf­wer­tung der So­zi­al­be­ru­fe ge­leug­net. Gut mög­lich, dass El­tern ab Mit­te Ok­to­ber tau­send­fach kei­ne Ki­ta-Be­treu­ung für ih­re Kin­der ha­ben - auch Not­dienst­ver­ein­ba­run­gen könn­ten ge­kün­digt wer­den.

Zu ei­ner Ab­rech­nung mit der Füh­rung kommt es in Leip­zig nicht. St­un­den­lang kön­nen die De­le­gier­ten ih­rem Her­zen Luft ma­chen. Ein Düs­sel­dor­fer De­le­gier­ter wirft Bsirs­ke vor, die La­ge schön zu re­den. «Wenn wir mit un­se­ren For­de­run­gen auch ein­mal nicht durch­ge­kom­men sind, dann soll­ten wir auch kri­ti­sche Wor­te ver­lie­ren.» So deut­li­che Kri­tik an der Füh­rung bleibt aber die Aus­nah­me. Die meis­ten treibt An­de­res um, der ar­beits­freie Sonn­tag et­wa oder die Ta­rif­flucht vie­ler Fir­men.

Neue gro­ße Ta­rif­run­den ste­hen im kom­men­den Jahr an, mit Bund und Kom­mu­nen et­wa. Und Bsirs­ke stimmt auch schon dar­auf ein, dass es bald in den Kran­ken­häu­sern rund ge­hen könn­te. Beim Kampf um bes­se­re Be­din­gun­gen für die so­zia­len Be­ru­fe will der Ge­werk­schafts­füh­rer nicht bei den Er­zie­he­rin­nen und So­zi­al­ar­bei­tern Halt ma­chen. "Die­sen Weg müs­sen wir wei­ter­ge­hen", meint er. In der Kran­ken- und Al­ten­pfle­ge brau­che es bes­se­re Be­din­gun­gen. "Da­für wol­len wir kämp­fen."

Viel Kampf kos­tet aber auch viel - auf mehr als 100 Mil­lio­nen be­zif­fert Fi­nanz­chef Frank Wer­ne­ke die Streik­kos­ten in die­sem Jahr bis­her. Und im­mer neue Streiks sei­en ab­seh­bar. Wer­ne­ke sagt aber auch: "Wir ha­ben da­für die not­wen­di­ge Stär­ke, wir ha­ben da­für die not­wen­di­ge Fi­nanz­kraft."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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