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ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/043

Ex­per­ten: Min­dest­lohn macht Schwarz­ar­beit wie­der at­trak­tiv

Schwarz­ar­beit hat sich in Deutsch­land zu­letzt im­mer we­ni­ger ge­lohnt: Doch mit ih­ren Plä­nen für ei­nen Min­dest­lohn und die Ren­te mit 63 könn­te die Bun­des­re­gie­rung die­sen Trend ei­ner Stu­die zu­fol­ge dre­hen. Ge­werk­schaf­ter hal­ten das für Stim­mungs­ma­che
Münzen, Münzhaufen Ent­ste­hen durch die Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung An­rei­ze zur Schwarz­ar­beit?

05.02.2014. (dpa) - Die Bun­des­re­gie­rung schafft ei­ner Stu­die zu­fol­ge neue An­rei­ze, Geld mit Schwarz­ar­beit zu ver­die­nen.

Die Plä­ne für ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn und die Ren­te mit 63 führ­ten da­zu, dass in Zu­kunft mehr Geld am Staat vor­bei ver­dient wer­de, heißt es in ei­ner Stu­die der Uni­ver­si­tät Linz und des Tü­bin­ger In­sti­tuts für An­ge­wand­te Wirt­schafts­for­schung (IAW).

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) hält das für Stim­mungs­ma­che ge­gen bes­se­re so­zia­le Stan­dards.

Doch auch an­de­re Ar­beits­markt­ex­per­ten er­war­ten, dass bald wie­der mehr Auf­trä­ge oh­ne Rech­nung ab­ge­wi­ckelt wer­den.

Nach der am Diens­tag ver­öf­fent­lich­ten Mo­dell­rech­nung wer­den in der Schat­ten­wirt­schaft in die­sem Jahr 338,5 Mil­li­ar­den Eu­ro um­ge­setzt. Das ent­sprä­che 12,2 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts und wä­re der nied­rigs­te Wert seit mehr als 20 Jah­ren. 2013 lag die Schat­ten­wirt­schafts­quo­te noch um 0,2 Pro­zent­punk­te hö­her.

Doch die­ser Rück­gang ist so schwach wie seit vie­len Jah­ren nicht. Und wäh­rend in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Ar­beits­markt­re­for­men wie die Ein­füh­rung von Mi­ni­jobs die Schwarz­ar­beit un­at­trak­ti­ver mach­ten, ge­be es all­mäh­lich ei­ne Kehrt­wen­de. In die­sem Jahr ha­be die Po­li­tik schon kei­nen An­teil mehr an dem Rück­gang, er­klär­ten IAW-Di­rek­tor Bern­hard Boock­mann und der Lin­zer Schat­ten­wirt­schaft-Ex­per­te Fried­rich Schnei­der. Der Rück­gang sei aus­schließ­lich ei­ne Fol­ge der sta­bi­len Kon­junk­tur: Weil die Chan­cen auf ei­nen re­gu­lä­ren Job gut sind, feh­le den Men­schen die Zeit und die Mo­ti­va­ti­on für Schwarz­ar­beit.

In den kom­men­den Jah­ren wer­de die gro­ße Ko­ali­ti­on der Schwarz­ar­beit vor­aus­sicht­lich so­gar wie­der Vor­schub leis­ten. "Das macht sie na­tür­lich nicht ab­sicht­lich, aber in­di­rekt, in­dem sie re­gu­lä­re Ar­beit teu­rer macht", sag­te der IAW-Di­rek­tor. Plä­ne wie der flä­chen­de­cken­de Min­dest­lohn, die Ren­te mit 63 oder die hö­he­ren Bei­trä­ge zur Pfle­ge­ver­si­che­rung mach­ten le­ga­le Ar­beit un­at­trak­ti­ver. Zu­sam­men­ge­rech­net er­war­ten die Ex­per­ten durch die­se Maß­nah­men ein Wachs­tum der Schat­ten­wirt­schaft um drei Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr.

Noch stär­ker wir­ke sich aus, dass die Bun­des­re­gie­rung die kal­te Pro­gres­si­on, al­so den heim­li­chen Steu­er­an­stieg durch Lohn­er­hö­hun­gen, nicht aus­glei­chen will. Das stär­ke die Schat­ten­wirt­schaft um 5,3 Mil­li­ar­den Eu­ro. "Wenn die gro­ße Ko­ali­ti­on kei­ne kom­pen­sie­ren­den Ef­fek­te be­schließt - und im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ist da­zu nichts ab­zu­se­hen - dann rech­nen wir tat­säch­lich in den nächs­ten Jah­ren mit ei­nem An­stieg der Schat­ten­wirt­schaft", sag­te Boock­mann.

Ge­werk­schaf­ter hal­ten die­se Pro­gno­se für un­se­ri­ös. "Die Aus­sa­ge, dass Min­dest­löh­ne und die Ren­te mit 63 die Schwarz­ar­beit er­hö­hen, ist rei­ne Spe­ku­la­ti­on und durch kei­ner­lei Fak­ten un­ter­legt", sag­te DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach. "Of­fen­sicht­lich ist kein Ar­gu­ment zu bil­lig, um ge­gen den Min­dest­lohn Stim­mung zu ma­chen."

Doch auch das Deut­sche In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) rech­net da­mit, dass durch die Re­form­plä­ne der Bun­des­re­gie­rung mehr schwarz­ge­ar­bei­tet wird, weil le­ga­le Ar­beit teu­rer wird. "Dies könn­te den Ef­fekt ha­ben, dass ei­ne Kun­din ih­re Fri­seu­rin fragt, ob sie ihr nicht die Haa­re auch abends zu Hau­se schnei­den könn­te", sag­te DIW-Ar­beits­markt­ex­per­te Karl Bren­ke der "Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung".

Das hät­te Fol­gen. Der DGB geht da­von aus, dass schon jetzt 500 000 re­gu­lä­re Ar­beits­plät­ze durch Schwarz­ar­beit ver­nich­tet wer­den. Be­son­ders be­trof­fen ist Ex­per­ten zu­fol­ge die Bau­wirt­schaft. "Die le­gal ar­bei­ten­den Be­trie­be, die ih­re Bei­trä­ge und Steu­ern ab­füh­ren, müs­sen mit den Prei­sen von Schwarz­ar­bei­tern kon­kur­rie­ren. Da ist der Ehr­li­che letzt­lich der Dum­me", sag­te Ha­rald Schrö­er vom Zen­tral­ver­band Deut­sches Bau­ge­wer­be. Häu­fig sind aber auch Pri­vat­haus­hal­te die Auf­trag­ge­ber, et­wa wenn der Ba­by­sit­ter das Geld je­des Mal in bar be­kommt. Nach An­ga­ben des Zolls droht dann ein Straf­ver­fah­ren un­ter an­de­rem we­gen Vor­ent­hal­tung von So­zi­al­ab­ga­ben.

Da sich Schwarz­ar­beit nicht di­rekt mes­sen lässt, er­fas­sen die Ex­per­ten für die Pro­gno­se Fak­to­ren, die Aus­wir­kun­gen auf die Schwarz­ar­beit ha­ben. Dar­aus lei­ten sie das Vo­lu­men der Schat­ten­wirt­schaft ab. Un­ter Schat­ten­wirt­schaft ver­ste­hen sie da­bei vor al­lem Schwarz­ar­beit, aber auch kri­mi­nel­le Ak­ti­vi­tä­ten. Die gro­ßen Ver­lie­rer durch Schwarz­ar­beit sind der Staat und die So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger. Ih­nen ge­hen nach Schnei­ders Schät­zun­gen rund 50 bis 60 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr ver­lo­ren.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 2. Februar 2016

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