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Ein Fall für zwei - beim Job­sha­ring die Stel­le tei­len

Beim Job­sha­ring be­set­zen zwei Men­schen ei­ne Stel­le: Die Su­che nach dem ge­eig­ne­ten Part­ner ist nicht leicht. Ei­ne Ber­li­ner Platt­form will hel­fen
Wel­ches Kon­zept steckt hin­ter Job-Sha­ring?

17.07.2015. (dpa) - Chris­ti­na Kruft ist Che­fin - aber nur zur Hälf­te.

So wie an­de­re sich die Woh­nung oder das Au­to tei­len, teilt Kruft sich ih­ren Job mit ei­ner Kol­le­gin.

Zu­sam­men lei­ten sie die Ab­tei­lung Com­p­li­an­ce/Ri­si­ko­ana­ly­se bei der Deut­schen Bahn in Ber­lin.

Be­vor die zwei Frau­en vor knapp zwei Jah­ren mit dem Job­sha­ring be­gon­nen ha­ben, war die Stel­le von ei­ner Per­son als ge­wöhn­li­che Voll­zeit­stel­le be­setzt.

Für Kruft und ih­re Kol­le­gin, da­mals bei­de frisch aus der Mut­ter­zeit zu­rück, war Job­sha­ring die idea­le Lö­sung: Bei­de ar­bei­ten je 50 Pro­zent - aber trotz­dem in ei­ner Füh­rungs­po­si­ti­on.

Job­sha­ring kann gro­ße Vor­tei­le für Ar­beit­ge­ber und An­ge­stell­te brin­gen, be­rich­ten die, die es aus­pro­biert ha­ben. Doch der gro­ße Durch­bruch die­ses Mo­dells steht aus - was auch an Nach­tei­len lie­gen könn­te, die sich erst auf den zwei­ten Blick of­fen­ba­ren.

Die Vor­tei­le ge­gen­über Teil­zeit er­klärt An­net­te von We­del, die sich im Per­so­nal­be­reich der Deut­schen Bahn um das The­ma Viel­falt küm­mert: "Für den Ar­beit­ge­ber und das je­wei­li­ge Team ist im­mer je­mand an­sprech­bar, der sich zu al­len The­men aus­kennt. Die Part­ner ko­or­di­nie­ren sich un­ter­ein­an­der. Aus Ar­beit­ge­ber-Sicht ist solch ei­ne Po­si­ti­on meist wie ei­ne Voll­zeit­stel­le be­setzt."

Meis­tens wer­de die Ar­beit beim Job­sha­ring nach Wo­chen­ta­gen auf­ge­teilt, er­klärt von We­del. Kruft und ih­re Kol­le­gin ar­bei­ten zum Bei­spiel je vier Ta­ge die Wo­che bis zum frü­hen Nach­mit­tag. Kruft hat frei­tags frei, ih­re Kol­le­gin mon­tags. In den ge­mein­sa­men Bü­ro­zei­ten er­le­di­gen sie Ab­spra­chen schnell über den Schreib­tisch in dem Bü­ro, das sie sich tei­len.

Auch the­ma­tisch stim­men sich die Frau­en ab. Kruft ist So­zi­al­wis­sen­schaft­le­rin, ih­re Kol­le­gin Ju­ris­tin. "Beim Job­sha­ring kön­nen Ar­beit­ge­ber mit nur ei­ner Stel­le ein viel grö­ße­res Qua­li­fi­ka­ti­ons­spek­trum ab­de­cken", sagt Kruft. Das Mo­dell brin­ge Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer in ei­ne Win-Win-Si­tua­ti­on.

Wie weit ver­brei­tet es ist, lässt sich aber nur schwer sa­gen. We­der das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt noch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit ha­ben Zah­len da­zu. Nach ei­ner Stu­die des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums und des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft Köln bo­ten 2012 et­wa 11 Pro­zent der be­frag­ten Un­ter­neh­men Job­sha­ring an.

Den pas­sen­den Part­ner und ein da­für of­fe­nes Un­ter­neh­men zu fin­den, sei nicht leicht, meint Ja­na Te­pe, ei­ne jun­ge Grün­de­rin in Ber­lin. Um die Su­che zu er­leich­tern, hat sie mit ih­rer Ge­schäfts­part­ne­rin An­na Kai­ser die On­line-Platt­form Tand­em­ploy ge­grün­det. Ein Al­go­rith­mus führt Nut­zer zu ge­eig­ne­ten Part­nern in der Da­ten­bank. Un­ter­neh­men kön­nen Stel­len aus­schrei­ben und sich als be­son­ders fle­xi­bel po­si­tio­nie­ren.

Zu den Kun­den der Platt­form zäh­len zum Bei­spiel der Ni­vea-Kon­zern Bei­ers­dorf, das Air-Ber­lin-Viel­flie­ger­pro­gramm Top­bo­nus und die Uni Köln. Rund 3000 Ar­beit­neh­mer ha­ben sich nach Te­pes An­ga­ben bis­her re­gis­triert.

Auf Kar­rie­re­por­ta­le wie Xing ha­ben sich Dis­kus­si­ons­fo­ren für Job­sha­ring ge­bil­det. Die Su­che nach dem Sche­ma von Te­pe und Kai­ser, bei dem Stel­len­an­ge­bot und Fä­hig­kei­ten des In­ter­es­sen­ten ab­ge­gli­chen und zu­ein­an­der­ge­bracht wer­den, ist bis­lang nicht die Re­gel.

Da­mit das Mo­dell flä­chen­de­ckend funk­tio­nie­ren kann, müs­se sich je­doch noch ei­ni­ges än­dern, kri­ti­siert der Öko­no­mie-Pro­fes­sor Mi­cha­el Bur­da von der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät. Bur­da fürch­tet, dass Ar­beit­neh­mer die Ein­schnit­te un­ter­schät­zen, die Job­sha­ring für ih­re Ren­ten­an­sprü­che be­deu­tet. Auch die hö­he­ren Kos­ten für Ar­beit­ge­ber, zum Bei­spiel durch dop­pel­te Ein­ar­bei­tung, sieht er als Hin­der­nis.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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