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Auf dem Fern­bus­markt wird es eng für die Klei­nen

Ei­gent­lich soll­ten die Fern­bus­an­bie­ter froh­lo­cken: Der Bahn­streik trieb ih­nen mas­sen­haft Kun­den zu. Trotz­dem gab es am Wo­chen­en­de schlech­te Nach­rich­ten aus der hart um­kämpf­ten Bran­che
Straßenbahn War­um müs­sen ei­ni­ge Be­trie­be In­sol­venz an­mel­den?

10.11.2014. (dpa) - Fern­bus­se boo­men - be­son­ders wenn die Lok­füh­rer strei­ken.

Aber nicht für al­le An­bie­ter geht die Rech­nung auf.

Vor al­lem für die klei­nen Un­ter­neh­men wird die Luft dünn.

Nach­dem der Frank­fur­ter An­bie­ter city2city den Be­trieb ein­ge­stellt hat, muss­te nun das Of­fen­ba­cher Un­ter­neh­men De­in­Bus.de In­sol­venz an­mel­den.

Der Fall ist ty­pisch für den hart um­kämpf­ten Markt mit sei­nen Schnäpp­chen­an­ge­bo­ten - das könn­te auch der Kun­de bald mer­ken.

Bran­chen­ken­ner rech­nen mit stei­gen­den Prei­sen.

Auch wenn die for­ma­len Gründ für den In­sol­venz­an­trag von De­in­Bus.de Über­schul­dung und dro­hen­de Zah­lungs­un­fä­hig­keit sind - die wah­re Ur­sa­che sei der Preis­kampf zwi­schen den Fern­bus­an­bie­tern, sagt der vor­läu­fi­ge In­sol­venz­ver­wal­ter Chris­ti­an Fe­ke­ti­ja: "In der Bran­che wird mit har­ten Ban­da­gen ge­kämpft."

An Flix­bus ist der Au­to­kon­zern Daim­ler be­tei­ligt, der ADAC Post­bus trägt sei­ne Geld­ge­ber schon im Na­men. "Hin­ter De­in­Bus steht kein gro­ßer In­ves­tor, das ist ein un­ab­hän­gi­ger Pio­nier", sagt Fe­ke­ti­ja. Ei­ner Stu­die des Be­ra­tungs­un­ter­neh­mens In­ges vom Sep­tem­ber zu­fol­ge liegt der Markt­an­teil von De­in­Bus.de bei rund zwei Pro­zent. city2city hat­te drei Pro­zent. Markt­füh­rer ist Mein­Fern­bus mit 45 Pro­zent.

Seit der Li­be­ra­li­sie­rung des Markts 2013 ha­ben Fern­bus­se in Deutsch­land ei­ne ra­san­te Ent­wick­lung ge­nom­men. Neun Mil­lio­nen Men­schen stie­gen 2013 in ei­nen Fern­bus. In die­sem Jahr könn­ten es dop­pelt so vie­le wer­den, schätzt der Bun­des­ver­band Deut­scher Om­ni­bus­un­ter­neh­mer. Bei der Deut­schen Bahn hat die neue Kon­kur­renz Um­satz­ein­bu­ßen ver­ur­sacht.

Das Mot­to bei den Fern­bus-An­bie­tern heißt der­zeit: Ex­pan­si­on - kos­te es, was es wol­le. Die Zahl der Stre­cken wird ste­tig aus­ge­baut. Die Bus­li­ni­en ver­keh­ren in­zwi­schen nicht mehr nur zwi­schen Groß­städ­ten, auch klei­ne­re und mitt­le­re Städ­te wer­den an­ge­steu­ert. Das al­les zu nied­ri­gen Prei­sen - das kos­tet Geld.

In Bran­chen­krei­sen hieß es am Wo­chen­en­de, die Re­kord-Bu­chungs­zah­len der Fern­bus-Be­trei­ber wäh­rend des Lok­füh­rer­streiks dürf­ten nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Bran­che vor ei­ner Markt­be­rei­ni­gung ste­he. Nur wer ei­nen lan­gen Atem und ge­nü­gend Ka­pi­tal im Rü­cken ha­be, wer­de sich auf dem Markt be­haup­ten.

Dem Frank­fur­ter An­bie­ter city2city war im Herbst die Pus­te aus­ge­gan­gen, nach 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro Ver­lust pro Jahr. Im Ok­to­ber wur­de der Be­trieb ein­ge­stellt - ver­bun­den mit ei­ner düs­te­ren Pro­gno­se: "Wir ge­hen da­von aus, dass wir das ers­te, aber si­cher­lich nicht das letz­te Un­ter­neh­men sind, das den Be­trieb ein­stel­len wird."

In ei­ne schwie­ri­ge La­ge ge­kom­men ist nun aus­ge­rech­net ein Pio­nier der Bran­che. Das von Stu­den­ten ge­grün­de­te Un­ter­neh­men De­in­Bus.de hat­te mit zur Li­be­ra­li­sie­rung bei­ge­tra­gen - mit ei­nem ge­richt­li­chen Sieg ge­gen die Bahn im Jahr 2011. Schon seit En­de 2009 bot De­in­Bus im In­ter­net sei­ne Diens­te an.

De­in­Bus will sei­ne knapp zwei Dut­zend Li­ni­en vor­erst wei­ter be­die­nen. "In­sol­venz muss ja nicht das En­de be­deu­ten", hofft ei­ner der rund zwei Dut­zend De­in­Bus-Mit­ar­bei­ter. Er sieht das Ver­fah­ren als Chan­ce für ei­ne Sa­nie­rung. "Die Bus­se rol­len ja noch." Der Streik ha­be zwar ge­hol­fen, den Ge­schäfts­be­trieb zu sta­bi­li­sie­ren, sagt In­sol­venz­ver­wal­ter Fe­ke­ti­ja. Letzt­lich sei das aber doch nur ein kurz­fris­ti­ger Ef­fekt ge­we­sen.

Ei­ne Plei­te­wel­le er­war­tet der Bran­chen­ver­band aber nun nicht. Da­von kön­ne man nicht spre­chen, sagt Mat­thi­as Schrö­ter, Spre­cher des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Om­ni­bus­un­ter­neh­mer (BDO). Kun­den müss­ten sich aber auf Preis­er­hö­hun­gen ein­stel­len. BDO-Prä­si­dent Wolf­gang St­ein­brück hat­te schon im Som­mer ge­warnt: "Auf Dau­er wird kei­ner Fern­bus­se be­trei­ben, wenn er da­mit kein Geld ver­dient, ir­gend­wann müs­sen sich die gro­ßen In­ves­ti­tio­nen in die top­mo­der­nen Bus­se auch loh­nen." Prei­se von we­ni­ger als zehn Eu­ro für Stre­cken wie Ber­lin-Ham­burg sei­en nicht durch­zu­hal­ten. Auch das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men Iges kam in ei­ner Un­ter­su­chung zum Schluss: "Mit­tel­fris­tig ist ein An­stieg des Preis­ni­veaus zu er­war­ten."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. Januar 2015

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