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Ar­beits­agen­tur-Che­fin: Flücht­lin­ge tra­gen zur Stel­len­schaf­fung bei

Der Ar­beits­markt in Rhein­land-Pfalz pro­fi­tiert von den Flücht­lin­gen. Für ih­re Ver­sor­gung ent­ste­hen Stel­len in be­stimm­ten Be­rei­chen: Das wird nach Ein­schät­zung der Bun­des­agen­tur für Ar­beit län­ger an­hal­ten
Fünf Arbeitnehmer Kön­nen die Flücht­lin­ge in den Ar­beits­markt in­te­griert wer­den?

16.11.2015. (dpa) - Flücht­lin­ge als Be­schäf­ti­gungs­mo­tor: Die hil­fe­su­chen­den Men­schen in Rhein­land-Pfalz tra­gen nach Ein­schät­zung der Bun­des­agen­tur für Ar­beit zur Schaf­fung neu­er Stel­len bei. Für man­che Be­rei­che des Ar­beits­mark­tes ge­be es In­di­zi­en und Ver­mu­tun­gen, dass der dort ver­zeich­ne­te An­stieg der Be­schäf­ti­gung mit den Flücht­lin­gen zu­sam­men­hän­ge, sag­te die Lei­te­rin der Re­gio­nal­di­rek­ti­on Rhein­land-Pfalz/Saar­land, Heidrun Schulz, der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Das gel­te bei­spiels­wei­se für die Spar­te Er­zie­hung und Un­ter­richt, das So­zi­al­we­sen, die öf­fent­li­che Ver­wal­tung - et­wa die Ar­beits­agen­tu­ren - so­wie für die Wach- und Si­cher­heits­diens­te als Teil der Dienst­leis­tun­gen. «Dort kann ich ei­nen Zu­sam­men­hang plau­si­bel ver­mu­ten.» Wie vie­le Stel­len ge­nau durch die Flücht­lin­ge ent­stün­den, kön­ne man aber noch nicht sa­gen. «Ich se­he nur ei­ne deut­li­che Be­we­gung», sag­te Schulz.

Nach ih­rer An­sicht ist in die­sen Be­rei­chen auch künf­tig mit ei­nem er­höh­ten Be­darf zu rech­nen. «Das sind die Stel­len, bei de­nen wir jetzt schon zum Teil Eng­päs­se spü­ren.» Das gel­te bei­spiels­wei­se für Sprach­leh­rer, die zur Ru­brik Er­zie­hung und Un­ter­richt ge­hö­ren. Hier wer­de es über län­ge­re Zeit ei­nen ganz gro­ßen Be­darf ge­ben. Auch am Bau sei we­gen des Be­darfs an Wohn­häu­sern für Flücht­lin­ge mit mehr Nach­fra­ge zu rech­nen. Wie vie­le Kräf­te be­nö­tigt wür­den, kön­ne man der­zeit aber noch nicht ab­schät­zen.

Schulz be­ton­te die Er­war­tung, dass die rhein­land-pfäl­zi­sche Ar­beits­lo­sen­quo­te von zu­letzt 4,8 Pro­zent über den Win­ter an­stei­gen wird - von De­zem­ber auf Ja­nu­ar tra­di­tio­nell stär­ker als in den an­de­ren Mo­na­ten. Wie stark der Zu­wachs aus­fal­le, sei noch nicht ab­seh­bar. «Das wird vom Wet­ter ab­hän­gen.» Zu­dem sei­en Ar­beits­agen­tu­ren und Job­cen­ter dar­auf ein­ge­stellt, dass ei­ne grö­ße­re Zahl an an­er­kann­ten Asyl­be­wer­bern ver­mit­telt wer­den müs­se.

In die­sem Jahr stün­den bun­des­weit noch 70 000 Asyl­an­trä­ge zur Ent­schei­dung an. Die an­er­kann­ten Asyl­be­wer­ber gin­gen da­nach in die Job­cen­ter. «Wir wis­sen al­le: Da wird jetzt ein grö­ße­rer Zu­lauf statt­fin­den. Und un­se­re Auf­ga­be ist es, die In­te­gra­ti­on in Aus­bil­dung und in Ar­beit so schnell wie mög­lich zu ge­stal­ten.» Da­für wird mehr Per­so­nal be­schäf­tigt: Bei den Agen­tu­ren wer­den in Rhein­land-Pfalz und im Saar­land ins­ge­samt 50 Kräf­te mehr ein­ge­setzt, auch in den Job­cen­tern soll deut­lich auf­ge­baut wer­den.

Zur Fra­ge, wie die In­te­gra­ti­on der Flücht­lin­ge in den Ar­beits­markt bis­her ver­läuft, sag­te Schulz, es sei­en stel­len­wei­se deut­li­che Ef­fek­te zu er­ken­nen. So ha­be es im März 2014 in Rhein­land-Pfalz 357 so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Be­schäf­tig­te aus Sy­ri­en ge­ge­ben, in die­sem März - vor Be­ginn der gro­ßen Be­we­gung - sei­en es 470 ge­we­sen. «Das ist schon ei­ne deut­li­che Ver­än­de­rung.» Die Zah­len be­zö­gen sich al­ler­dings nur auf die Na­tio­na­li­tät der Be­schäf­tig­ten, es ste­he nicht fest, dass es sich da­bei aus­schließ­lich um Flücht­lin­ge han­de­le.

Zum be­ruf­li­chen Ni­veau der Flücht­lin­ge sag­te Schulz, die Kom­pe­tenz­er­fas­sung bei be­son­ders mo­ti­vier­ten In­ter­es­sen­ten in der Erst­auf­nah­me ha­be im Schnitt er­ge­ben, dass ei­ne «recht gu­te Aus­bil­dung» da sei - «vie­le Aka­de­mi­ker, ei­ni­ge Fach­kräf­te». Nach den ers­ten in­ten­si­ve­ren Er­fah­run­gen aus Be­ra­tungs­ge­sprä­chen in Ar­beits­agen­tu­ren und Job­cen­tern er­ge­be sich aber ei­ne an­de­re Ver­tei­lung. «Wir ha­ben vie­le, vor al­lem bei den Jün­ge­ren, die noch gar kei­ne Aus­bil­dung ha­ben, die ein­fach in ih­rer Hei­mat die Mög­lich­keit gar nicht hat­ten, ei­ne Aus­bil­dung zu ma­chen.» Es kä­men vie­le Jün­ge­re, «vie­le müs­sen erst die Schul­ab­schlüs­se noch ma­chen».

An­de­re hät­ten zwar in Be­ru­fen ge­ar­bei­tet, für die es ei­ne Aus­bil­dung ge­be, et­wa im Hand­werk. «Aber da deckt sich der Aus­bil­dungs­in­halt nicht un­be­dingt mit dem, was bei uns ver­langt wird.» Hier ge­he es dar­um, dass die Aus­bil­dung an­er­kannt wer­den müs­se. Et­wa fünf bis zehn Pro­zent der In­ter­es­sen­ten hät­ten ei­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dung.

Die Ar­beits­ver­mitt­ler mach­ten nun für je­den ei­nen In­te­gra­ti­ons­plan, aus dem her­vor­ge­he, was zu tun sei. In wel­chen Be­rei­chen die Flücht­lin­ge ein­mal ar­bei­ten wer­den, kön­ne man nicht sa­gen. «Wir müs­sen aber das Ziel ha­ben, sie eben ge­ra­de nicht nur in den Ein­fach­be­rei­chen zu be­schäf­ti­gen, son­dern sie so zu qua­li­fi­zie­ren, wie sie qua­li­fi­zier­bar sind. Denn dort liegt zum ei­nen der Be­darf in der Wirt­schaft. Und au­ßer­dem strebt das si­cher auch je­der ein­zel­ne an: auf sei­nem höchs­ten Ni­veau tä­tig sein zu kön­nen.»

Fer­ner ge­be es die Er­war­tung, dass die Flücht­lin­ge an­ge­sichts der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung in Deutsch­land dem Ar­beits­markt gut tä­ten. «Des­halb ha­ben wir noch mehr Grund, sie so gut wie mög­lich aus­zu­bil­den und auf ih­re best­mög­li­che Tä­tig­keits­stu­fe zu brin­gen.»

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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