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For­scher: Wirt­schaft 4.0 führt zu mas­si­ver Job-Um­schich­tung

Die gu­te Nach­richt: Die Di­gi­ta­li­sie­rung der Wirt­schaft wird zu­nächst wohl kaum Jobs kos­ten. Die schlech­te: Vie­le wer­den sich ei­nen neu­en Be­ruf su­chen müs­sen. Es ste­hen er­heb­li­che Um­wäl­zun­gen an
Was er­war­ten die Ar­beits­markt­for­scher?

14.11.2016. (dpa) - Der deut­sche Ar­beits­markt steht mit der be­vor­ste­hen­den Di­gi­ta­li­sie­rung der Wirt­schaft nach Pro­gno­sen von Ar­beits­markt­for­schern vor ei­ner mas­si­ven Job-Um­schich­tung.

Zwar wür­den mit der so­ge­nann­ten Wirt­schaft 4.0 bis 2025 un­ter dem Strich kaum Ar­beits­plät­ze weg­fal­len.

Hun­dert­tau­sen­de von Be­schäf­tig­ten müss­ten sich aber be­ruf­lich völ­lig neu ori­en­tie­ren, geht aus ei­ner Stu­die des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) her­vor.

Nach Mo­dell­rech­nun­gen des IAB wer­den bis zum Jahr 2025 rund 1,5 Mil­lio­nen Ar­beits­plät­ze weg­fal­len, zu­gleich aber rund 1,5 Mil­lio­nen neu ent­ste­hen. "Da kommt er­heb­lich was in Be­we­gung", be­ton­te der IAB-Ar­beits­markt­for­scher En­zo We­ber im Ge­spräch mit der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Die Stu­die be­rück­sich­tigt erst­mals auch die Aus­wir­kun­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung auf die Dienst­leis­tungs­bran­che.

Mit Job­ver­lus­ten rech­net das IAB vor al­lem im pro­du­zie­ren­den Ge­wer­be. "Da wird es ein gro­ßes Mi­nus ge­ben. Aber da ha­ben wir schon jetzt gro­ße Fach­kräf­teen­g­päs­se. Die­ses Pro­blem wird durch die Wirt­schaft 4.0 eher ab­ge­mil­dert", ist We­ber über­zeugt.

Be­trof­fen sei­en we­ni­ger Hilfs­kräf­te, von de­nen ge­be es oh­ne­hin nicht mehr so vie­le, son­dern vor al­lem der klas­si­sche Fach­ar­bei­ter, et­wa in der Ma­schi­nen­steue­rung. Bei die­ser Grup­pe stei­ge mit dem Ein­zug sich selbst steu­ern­der di­gi­ta­ler Sys­te­me und Ro­bo­ter in den Fa­brik­hal­len vor­über­ge­hend das Ri­si­ko, ar­beits­los zu wer­den. Vie­le müss­ten sich um­fas­send fort­bil­den, um ei­nen neu­en Job zu fin­den.

Hier sei ne­ben den Un­ter­neh­men auch die Ar­beits­markt­po­li­tik mit ent­spre­chen­den Aus- und Fort­bil­dungs­an­ge­bo­ten ge­for­dert. Ge­braucht wür­den Mit­ar­bei­ter mit IT-Kennt­nis­sen, die in der La­ge sei­en, "in­no­va­tiv und in über­grei­fen­den Pro­zes­sen zu den­ken", sag­te We­ber.

Da­bei sei die klas­si­sche dua­le Aus­bil­dung in Be­trieb und Be­rufs­schu­le durch­aus ei­ne gu­te Ba­sis. Sie müs­se al­ler­dings an die di­gi­ta­li­sier­te Ar­beits­welt an­ge­passt wer­den. "Die dua­le Aus­bil­dung muss jetzt rasch fit ge­macht wer­den für di­gi­ta­le Tä­tig­kei­ten. Denn bei der Wirt­schaft 4.0 geht es dar­um, Theo­rie und Pra­xis zu­sam­men­zu­brin­gen. Wenn sich da was in den Be­trie­ben wei­ter­ent­wi­ckelt, ha­ben wir in Deutsch­land das, was an­de­re In­dus­trie­na­tio­nen nicht an­bie­ten kön­nen."

Gu­te Job­chan­cen ha­ben in der di­gi­ta­len Ar­beits­welt von Mor­gen nach Ein­schät­zung der Denk­fa­brik der Bun­des­agen­tur für Ar­beit vor al­lem IT-Ex­per­ten und Na­tur­wis­sen­schaft­ler. "Wir brau­chen künf­tig vie­le Leu­te, die die di­gi­ta­le Welt mit der rea­len Welt in den Werks­hal­len zu­sam­men­brin­gen." Ge­braucht wür­den auch Fach­leu­te, die die Mit­ar­bei­ter auf die neu­en Auf­ga­ben und das Zu­sam­men­spiel mit Ro­bo­tern vor­be­rei­ten. Da­von wür­den Wei­ter­bil­dungs­be­ru­fe pro­fi­tie­ren.

Trotz der gro­ßen Job-Um­wäl­zun­gen, die nach We­bers Ein­schät­zung nicht oh­ne Rei­bun­gen ab­ge­hen wer­den, kön­ne Deutsch­land von der Wirt­schaft 4.0 er­heb­lich pro­fi­tie­ren - und kei­nes­wegs nur Un­ter­neh­men und ih­re An­teils­eig­ner. We­ber rech­net mit stei­gen­der Pro­duk­ti­vi­tät, hö­he­ren Ein­kom­men und mehr Kon­sum. Da­durch wür­den in­di­rekt auch an­de­re Bran­chen pro­fi­tie­ren und neue Jobs schaf­fen.

Fa­tal wä­re es hin­ge­gen nach An­sicht der For­scher, die Mög­lich­kei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung un­ge­nutzt zu las­sen. Deutsch­land wür­de da­mit wirt­schaft­lich ins Hin­ter­tref­fen ge­ra­ten: "Pro­duk­ti­ons­rück­gän­ge und zu­sätz­li­che Ar­beits­lo­sig­keit sind die Fol­gen."

Nach der De­fi­ni­ti­on des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums zeich­net sich Wirt­schaft 4.0 durch ei­ne en­ge Ver­zah­nung der Pro­duk­ti­on mit mo­derns­ter In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik aus. Da­bei ko­or­di­nie­ren in­tel­li­gen­te Ma­schi­nen selbst­stän­dig Fer­ti­gungs­pro­zes­se, Ser­vice-Ro­bo­ter ko­ope­rie­ren in der Mon­ta­ge mit Men­schen. Ro­bo­ter sol­len auch ei­gen­stän­dig En­er­gie spa­ren, den Ma­te­ri­al­aus­schuss mi­ni­mie­ren, Ab­läu­fe or­ga­ni­sie­ren, Män­gel mel­den und Nach­schub or­ga­ni­sie­ren - und das al­les ver­netzt mit den Kun­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. Januar 2017

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