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ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/077

Frau­en war­ten noch im­mer auf glei­che Chan­cen im Job

Lohn­lü­cke und Auf­stiegs­hür­den - noch im­mer geht es für vie­le Frau­en im Job nur zäh vor­an: Auch zum dies­jäh­ri­gen Frau­en­tag bleibt das The­ma ganz oben auf der Agen­da
Wie sieht die Si­tua­ti­on für Frau­en aus?

07.03.2016. (dpa) - Es gibt Be­we­gung, aber noch lan­ge nicht ge­nug: Frau­en ha­ben in der Ar­beits­welt auch heu­te mit teils er­heb­li­chen Nach­tei­len zu kämp­fen - ob es nun dar­um geht, den ei­ge­nen Le­bens­un­ter­halt zu be­strei­ten oder fürs Al­ter vor­zu­sor­gen.

Zum In­ter­na­tio­na­len Frau­en­tag an die­sem Diens­tag (8. März) bleibt die be­ruf­li­che Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern des­halb zen­tra­les The­ma.

Wo lie­gen die größ­ten De­fi­zi­te?

Und wo gibt es Fort­schrit­te?

BE­RUF­LICHE QUALIFI­KA­TION: Frau­en in Deutsch­land sind heu­te so gut aus­ge­bil­det wie nie zu­vor. So konn­te im Jahr 2011 nach neu­es­ten Da­ten des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes gut ein Vier­tel der er­werbs­tä­ti­gen Frau­en ei­nen Hoch­schul- oder ver­gleich­ba­ren Ab­schluss vor­wei­sen, und bei den jün­ge­ren Frau­en im Job zwi­schen 30 und 34 Jah­ren lag die­ser An­teil mit 35 Pro­zent so­gar noch über dem der gleich­alt­ri­gen Män­ner (31 Pro­zent). Zu­gleich sank der Frau­en­an­teil an den ge­ring qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten. Das be­deu­tet aber nicht un­be­dingt, dass Frau­en auch Jobs ma­chen, die ih­rer Aus­bil­dung ent­spre­chen: 2014 et­wa sa­hen sich 14 Pro­zent der be­rufs­tä­ti­gen Frau­en für ih­re Ar­beit über­qua­li­fi­ziert und da­mit ein spür­bar grö­ße­rer An­teil als bei den Män­nern (10 Pro­zent).

ER­WER­BS­BE­TEILI­GUNG UND AR­BEITSBE­DIN­GUN­GEN: Die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich ge­stie­gen - und das liegt nicht zu­letzt dar­an, dass mehr Frau­en be­rufs­tä­tig sind. Trotz­dem ar­bei­ten sie im Ver­gleich zu Män­nern noch im­mer sel­te­ner. Vor al­lem ab Fa­mi­li­en­grün­dung zieht sich ein Teil der Frau­en zu­min­dest zeit­wei­se vom Ar­beits­markt zu­rück - um spä­ter häu­fig in Teil­zeit oder über Mi­ni­jobs wie­der ein­zu­stei­gen. Bei­de Mo­del­le wer­den von Frau­en nach wie vor deut­lich häu­fi­ger ge­nutzt als von Män­nern.

BE­ZAH­LUNG: Hier liegt für vie­le Ex­per­ten der Dreh- und An­gel­punkt in Sa­chen Chan­cen­gleich­heit im Job. Auch wenn das Pro­blem­be­wusst­sein ge­wach­sen ist, ver­die­nen Frau­en in Deutsch­land näm­lich im Schnitt brut­to noch im­mer rund 22 Pro­zent we­ni­ger als Män­ner. Da­mit ist die Lohn­kluft in Deutsch­land so groß wie in kaum ei­nem an­de­ren Land Eu­ro­pas - und sie ist er­staun­lich sta­bil. Grün­de wer­den dar­in ge­se­hen, dass Frau­en an­de­re, ge­rin­ger be­zahl­te Tä­tig­kei­ten ma­chen, häu­fi­ger in Bran­chen mit ten­den­zi­ell ge­rin­ge­rem Ver­dienst be­schäf­tigt sind, wie et­wa im Ge­sund­heits­we­sen oder im Ein­zel­han­del, und häu­fi­ger in Teil­zeit ar­bei­ten. Der Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA sieht die Lohn­lü­cke des­halb auch als "Re­sul­tat per­sön­li­cher Ent­schei­dun­gen, die sich auf den Er­werbs­ver­lauf und die be­ruf­li­che Ent­wick­lung aus­wir­ken".

Ab­hil­fe kön­ne nur schaf­fen, wer an den Ur­sa­chen an­set­ze, so der BDA - durch den Aus­bau der Kin­der­be­treu­ung, ei­ne er­wei­ter­te Be­rufs­wahl der Frau­en, fle­xi­ble­re Ar­beits­zei­ten und ei­ne part­ner­schaft­li­che Auf­ga­ben­ver­tei­lung in der Fa­mi­lie. Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) macht sich für ein Recht auf be­fris­te­te Teil­zeit stark - "da­mit Be­schäf­tig­te ih­re Ar­beits­zeit nach Be­darf auch wie­der auf­sto­cken kön­nen, und auch Män­ner sich trau­en, in be­stimm­ten Le­bens­pha­sen ih­re Ar­beits­zeit zu re­du­zie­ren". Und Hen­ri­ke von Pla­ten vom Frau­en­netz­werk Busi­ness and Pro­fes­sio­nal Wo­men (BPW) for­dert: Frau­en und Män­ner, aber auch Un­ter­neh­men und Po­li­tik soll­ten ge­mein­sam dar­an ar­bei­ten, die Lohn­lü­cke zu schlie­ßen.

KAR­RIE­RE­CHAN­CEN: Bis­her ha­ben es nur we­ni­ge Frau­en in die höchs­ten Eta­gen der Un­ter­neh­men in Deutsch­land ge­schafft - und auch auf die seit Jah­res­be­ginn gel­ten­de Frau­en­quo­te für Füh­rungs­po­si­tio­nen re­agier­ten vie­le be­trof­fe­ne Fir­men schlep­pend. Nach ei­ner Stu­die der Be­ra­tungs­ge­sell­schaft Kien­baum könn­te sich hier et­was tun: Mitt­ler­wei­le hät­ten sich die meis­ten be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men ent­spre­chen­de Ziel­grö­ßen ge­ge­ben, heißt es in der Stu­die, die mit le­dig­lich 88 teil­neh­men­den Un­ter­neh­men al­ler­dings nicht re­prä­sen­ta­tiv ist. Auch BPW-Prä­si­den­tin Pla­ten ist aber zu­ver­sicht­lich, dass die Quo­te po­si­ti­ve Wir­kung ent­fal­ten wird: "Die­ser St­ein rollt jetzt ge­ra­de, und ich hof­fe, dass es aus­reicht, mehr Sicht­bar­keit von Frau­en zu be­kom­men."

Laut In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung war 2014 ein Vier­tel der Füh­rungs­kräf­te in der obers­ten Lei­tungs­ebe­ne pri­va­ter Fir­men weib­lich, und auf der zwei­ten Füh­rungs­ebe­ne lag der Frau­en­an­teil bei 39 Pro­zent. Che­fin­nen gibt es da­bei häu­fi­ger in klei­nen Un­ter­neh­men, und in Bran­chen, in de­nen tra­di­tio­nell vie­le Frau­en un­ter­wegs sind wie Ge­sund­heit, Er­zie­hung und Un­ter­richt. Ein we­ni­ger star­res Ar­beits­zeit-Kor­sett wür­de aus Sicht der IAB-For­sche­rin­nen Su­san­ne Ko­haut und Iris Möl­ler hel­fen, Kar­rier­ehür­den bei­sei­te zu räu­men. "Wenn Füh­rungs­auf­ga­ben in Teil­zeit aus­ge­übt wer­den, las­sen sich fa­mi­liä­re Pflich­ten bes­ser mit be­ruf­li­chem Auf­stieg ver­bin­den", schrei­ben die Ex­per­tin­nen in ih­rer Stu­die.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 3. August 2016

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